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Apollo-Theaterprojekt "Ich atme gerne Sauerstoff" feierte Premiere
Ambitioniert und mit Bravour

Tosenden Schlussapplaus gab es für die aufwendige und eindrucksvolle Inszenierung des Apollo-Sommercamp-Stückes „Ich atme gerne Sauerstoff“, die die „Fridays-For-Future“-Bewegung im Fokus hat.
  • Tosenden Schlussapplaus gab es für die aufwendige und eindrucksvolle Inszenierung des Apollo-Sommercamp-Stückes „Ich atme gerne Sauerstoff“, die die „Fridays-For-Future“-Bewegung im Fokus hat.
  • Foto: Olaf n. Schwanke
  • hochgeladen von Peter Barden (Redakteur)

ne Siegen. Gesellschaftliche Debatten, die aktuell geführt werden, deren Erzählformen viele verängstigen, gehören auch auf die Theaterbühnen, denn dort, im Spiel, verdichtet sich manchmal Erleben zur Erkenntnis. Zwanzig Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren nahmen am 3. Apollo-Sommercamp teil, entwickelten und probten das Stück „Ich atme gerne Sauerstoff“ von Werner Hahn, dem stellvertretenden Intendanten und Leiter des Jungen Apollo Siegen (die SZ berichtete).
Das wird ein heißer Herbst
Zwischen Aktion und ReflexionKlimadebatte,...

ne Siegen. Gesellschaftliche Debatten, die aktuell geführt werden, deren Erzählformen viele verängstigen, gehören auch auf die Theaterbühnen, denn dort, im Spiel, verdichtet sich manchmal Erleben zur Erkenntnis. Zwanzig Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren nahmen am 3. Apollo-Sommercamp teil, entwickelten und probten das Stück „Ich atme gerne Sauerstoff“ von Werner Hahn, dem stellvertretenden Intendanten und Leiter des Jungen Apollo Siegen (die SZ berichtete).

Das wird ein heißer Herbst

Zwischen Aktion und Reflexion

Klimadebatte, Geflüchtete, nachhaltiges Leben in Gänze sind die Themen, die verarbeitet wurden, Initiatorinnen der „Fridays-For-Future“-Bewegung, die von den einen geliebt und zur Ikone erhöht, von anderen mit Hass, Häme und Verleumdung übergossen werden, neudeutsch also „gehypt“ oder „gehatet“ – und natürlich im Netz vor allem. Isa, die Protagonistin, steht zwischen ihren Aktionen und deren Reflexion – wohin das alles führt oder führen sollte, ist fraglich und sorgt für Konflikte in den „Peergroups“, den Gruppen der Gleichaltrigen: Die scheinbar amoralischen Hacker, die sich für Hass im Netz gegen wen auch immer bezahlen lassen, die Shopping-Mädels, die langsam aus ihrer  konsumistischen rosa Handlungsblase heraustreten und vielleicht nicht mit 15 Jahren nach „Malle“ fliegen, die Demonstrantinnen, die sich radikalisieren und deren Protest kriminelle Züge annimmt, dazu noch eine historische Verschränkung zum Jeanne-d‘Arc-Mythos als ikonische Parallele: Viel Stoff für eineinhalb Stunden.

Textsicher und empathisch

Am vergangenen Freitagabend war Premiere im sehr gut besuchten Apollotheater, noch fünf Mal werden die Sommercampteilnehmerinnen und -teilnehmer das sehenswerte Stück aufführen, auch vormittags für Schulklassen. Beeindruckend, wie textsicher und empathisch die Jugendlichen in ihren Rollen agieren, wie schnell offensichtlich ein echtes Ensemblegefühl entstanden ist und die Aufführung trägt. Natürlich hat das Stück didaktisch-appellativen Charakter, richtet sich an Gleichaltrige, darf also auch pathetisch und emotional spontan sein, aber auch das erwachsene Publikum wurde angesprochen.
Mit einer kleinen Handke-Hommage, einer Mini-„Publikumsbeschimpfung“ wartete das Stück gegen Ende auf, eher ein bloßer Appell, selbst aktiv zu werden, alte Handlungsmuster zu reflektieren und aufzugeben. Das Stück glitt am Ende hinüber zu einer Infoveranstaltung über nachhaltiges Handeln und Leben in unserer Wohlstandsgesellschaft: Ein Werbevideo eines „Scientist-For-Future“-Protagonisten wird auf der Videoleinwand der Bühne gezeigt, die Schauspielerinnen befragen das Publikum nach Beispielen – und einige Zuschauerinnen „beichten“ dann auch ihren nachhaltigen Konsum, ihren Fleischverzicht, den E-Roller, den selbst produzierten Honig, ihre Secondhand-Einkäufe für sich und das Kleinkind etc.

Langer Applaus

Ein bisschen schade war das Ausfransen des Stückes am Ende, auch Werner Hahn korrigierte schnell aus dem Publikum heraus und bedauerte, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler so um ihren verdienten Schlussapplaus gekommen seien – aber der wurde dann sofort, lange anhaltend und natürlich stehend nachgeholt: Und sehr zu Recht – ist doch das komplexe Stück, das versucht, allen möglichen Reflexionen zum Themenkonglomerat gerecht zu werden, hoch ambitioniert und von den Jugendlichen mit Bravour umgesetzt worden. Die ganze Inszenierung gefiel, bis auf die Regie-Idee, den perkussiven und gelegentlich bombastischen Soundtrack oft auch laut über die Mono- und Dialoge zu legen, was leider zu Lasten der Textverständlichkeit ging.

Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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