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Vilmantas Kaliunas sprang als Dirigent bei der Philharmonie Südwestfalen ein
Amerikanische Klassik erklang im Apollo-Theater

Der eingesprungene Dirigent Vilmantas Kaliunas und die Philharmonie Südwestfalen erfreuten die Zuhörer im Apollo mit wunderbarer amerikanischer Musik.
  • Der eingesprungene Dirigent Vilmantas Kaliunas und die Philharmonie Südwestfalen erfreuten die Zuhörer im Apollo mit wunderbarer amerikanischer Musik.
  • Foto: Isabell Lippitz
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

lip Siegen. Wer so vielseitig musikalisch gebildet ist wie der in Litauen in einer Künstlerfamilie aufgewachsene Vilmantas Kaliunas, dem kann man getrost ein Einspringen für ein Konzert mit hierzulande eher selten gespielter amerikanischer Musik zutrauen. Wie Michael Nassauer, Intendant der Philharmonie Südwestfalen, am Freitag im Apollo-Theater berichtete, konnte er den jungen Dirigenten nach der extrem kurzfristigen Absage des eigentlich engagierten Charles Hazlewood überzeugen, am Mittwoch den Zug nach Siegen zu nehmen. Kaliunas war u. a. als Solo-Oboist beim SWR-Rundfunkorchester tätig; vielfache Dirigierstudien bei zahlreichen Koryphäen und wichtige Gastdirigate führten ihn 2018 zurück nach Litauen, wo er das Kaunas City Symphony Orchestra leitet.

lip Siegen. Wer so vielseitig musikalisch gebildet ist wie der in Litauen in einer Künstlerfamilie aufgewachsene Vilmantas Kaliunas, dem kann man getrost ein Einspringen für ein Konzert mit hierzulande eher selten gespielter amerikanischer Musik zutrauen. Wie Michael Nassauer, Intendant der Philharmonie Südwestfalen, am Freitag im Apollo-Theater berichtete, konnte er den jungen Dirigenten nach der extrem kurzfristigen Absage des eigentlich engagierten Charles Hazlewood überzeugen, am Mittwoch den Zug nach Siegen zu nehmen. Kaliunas war u. a. als Solo-Oboist beim SWR-Rundfunkorchester tätig; vielfache Dirigierstudien bei zahlreichen Koryphäen und wichtige Gastdirigate führten ihn 2018 zurück nach Litauen, wo er das Kaunas City Symphony Orchestra leitet.

Minimal Music von John Adams

Aaron Copland (1900–1990) ist neben dem mit ihm befreundeten Leonard Bernstein der wichtigste Komponist der amerikanischen Klassik. Seine „Fanfare For The Common Man“ eröffnete das Konzert pompös und prächtig mit Blechbläsersound, kräftig unterstützt von Pauken und Trommeln. John Adams’ „The Chairman Dances“ (1985) ist eine effektvolle, in Blöcken gegliederte und auf Melodik, Harmonik und motivische Weiterentwicklung völlig verzichtende Minimal Music. Auf einer oftmals stumpfsinnig minutenlangen Wiederholung von zwei Tönen (die armen Streicher?) blitzte das gesamte reiche Schlagzeug und die komplette Bläserschaft mit komplizierten Synkopen-Rhythmen dagegen an und ließ das Geschehen so spannend werden, dass am Schluss begeisterter Applaus ertönte. Den hatte auch der Dirigent verdient, der den durchgängigen Vierertakt abwechslungsreich variierte und zeitweise tänzerische Bewegung hervorlockte.

Hörvergnügen: Coplands „Appalachian Spring“

Ins Schwärmen geraten kann man beim Hören der Suite aus „Appalachian Spring“ (1945) von Aaron Copland, was laut Wikipedia „Quelle der Appalachen“ bedeutet. Dies ist allerdings kein Programm (!) für die Erzählung über ein Brautpaar, das den „Shakern“ zugehörig ist und um 1800 in Pennsylvania siedelt. Tanzweisen, Volksmelodien (das berühmte „Simple Gifts“), eine durch Quarten und Quinten geprägte, leicht dissonante Harmonik und eine immens farbenreiche Orchesterpartitur mit gefühlvollen Soli ließen das achtsätzige Werk, für das Copland den Pulitzerpreis erhielt, zu purem Hörvergnügen werden. Vilmantas Kaliunas führte das hoch aufmerksame Orchester elegant und sicher durch das rhythmisch anspruchsvolle Werk.

Leonard Bernsteins einzige Filmmusik

Nach der Pause erklang „Tromba lontana“ von John Adams mit zwei rechts und links vor der Bühne aufgestellten Trompetern, gefolgt von der „Symphonic Suite From ,On The Waterfront‘“ (1955) des genialen Komponisten Leonard Bernstein. Die Musik zu dem Film „Die Faust im Nacken“ mit Marlon Brando ist die einzige Filmmusik Bernsteins und zeigt Nähe zum Musical „West Side Story“, das zeitnah entstand. Der Konflikt zwischen Liebe und Gewalt wurde durch drei musikalische Themen angezeigt, dem edlen Motiv für den Hafenarbeiter Terry, dem ergreifend schönen Liebesmotiv und dem Thema, das den Mord an Joey in gewaltigen, rhythmisch verzerrten Ausbrüchen des gesamten großen Orchesters zeigte. Nach einem fulminanten Trauermarsch der Blechbläser begann zart und zagend die Flöte, nach und nach stimmten alle ein, um sich im hymnischen Schluss zu vereinen. Der Dirigent dankte nacheinander allen Solisten des Orchesters und nahm dann hocherfreut den rhythmisch geklatschten, langen Beifall für sich und die Philharmoniker entgegen.

Lächeln statt Applaus, bitte!

Eine bemerkenswerte Neuerung: Cellist Erik Asgeirsson und Kontrabassist Eric Steffens (beide Amerikaner) hatten zuvor ihre Verbundenheit mit den Stücken der Komponisten Copland und Bernstein erklärt. Neu war auch, dass Vilmantas Kaliunas die Zugabe selbst ankündigte und darum bat, am Schluss statt zu applaudieren sich mit einem Lächeln zu bedanken. Nach dem zwischen philosophischem Tiefsinn und Augenzwinkern angesiedelten „The Unanswered Question“ von Charles Ives (Thomas Kiess ließ seine Trompete von oben erklingen) verließ das Publikum gutgelaunt das Apollo-Theater.

Autor:

Redaktion Kultur

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