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Apollo macht Mut mit Bloch und Hölderlin
„Analoge Inszenierung“ mitten in Siegen

Apollo-Intendant Magnus Reitschuster vor der schweigenden und doch beredten „Inszenierung“ zweier Zitate von Friedrich Hölderlin und Ernst Bloch auf der Fassade des Theaters am leeren Siegener Scheinerplatz.
  • Apollo-Intendant Magnus Reitschuster vor der schweigenden und doch beredten „Inszenierung“ zweier Zitate von Friedrich Hölderlin und Ernst Bloch auf der Fassade des Theaters am leeren Siegener Scheinerplatz.
  • Foto: Peter Barden
  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

pebe Siegen. Blau und unübersehbar hängen sie an der Fassade des Siegener Apollo-Theaters und sprechen ins Stadtbild. Lassen Passanten auf dem Scheinerplatz stutzen, verführen zum Lesen und Nachdenken. Und genau das sei mit den beiden etwa quadratischen Plakaten auch gewollt, erklärt Intendant Magnus Reitschuster auf Nachfrage der SZ. „Wir haben überlegt, was in dieser Zeit der Not und Krise eine substanzielle Antwort sein könnte.“ Das Apollo wolle die „leere Stadt als Fläche für eine Botschaft nehmen, die hilft“. Denn das Theater sei kein „Luxusartikel und Deko“, sondern „Lebensmittel“, sagt Reitschuster in Anspielung auf Bert Brecht. So seien die auf die Transparente gedruckten Zitate eine „analoge Inszenierung im öffentlichen Raum“.
Hölderlin feierte 250.

pebe Siegen. Blau und unübersehbar hängen sie an der Fassade des Siegener Apollo-Theaters und sprechen ins Stadtbild. Lassen Passanten auf dem Scheinerplatz stutzen, verführen zum Lesen und Nachdenken. Und genau das sei mit den beiden etwa quadratischen Plakaten auch gewollt, erklärt Intendant Magnus Reitschuster auf Nachfrage der SZ. „Wir haben überlegt, was in dieser Zeit der Not und Krise eine substanzielle Antwort sein könnte.“ Das Apollo wolle die „leere Stadt als Fläche für eine Botschaft nehmen, die hilft“. Denn das Theater sei kein „Luxusartikel und Deko“, sondern „Lebensmittel“, sagt Reitschuster in Anspielung auf Bert Brecht. So seien die auf die Transparente gedruckten Zitate eine „analoge Inszenierung im öffentlichen Raum“.

Hölderlin feierte 250. Geburtstag

„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, heißt das Zitat vom Beginn der Hymne „Patmos“ (1803) des Dichters Friedrich Hölderlin, dessen 250. Geburtstag am 20. März im Krisenmodus etwas unterging – Patmos hat den biblischen Bezug zur Apokalypse. Es gehe nicht um plumpen Optimismus, überlegt der Theaterchef, der zurzeit 14 Mitarbeiter in prozentualer Kurzarbeit hat, sondern „sobald man eine Gefahr wahrnimmt, hingeht und sie überwindet, zeigt sich eine Substanz jenseits des Alltäglichen“, die Räume öffnet.

Ernst Bloch und das "Prinzip Hoffnung"

Das Zitat „Die Hoffnung ist ins Gelingen verliebt“ stammt aus dem „Prinzip Hoffnung“ des Philosophen Ernst Bloch – ein Denker, der nach dem positiven Veränderungsgehalt der Utopie fragte. „Man muss das Hoffen lernen, das ist Arbeit“, nickt Reitschuster bedächtig und fügt weitere Zitate von Bloch an: Die Hoffnungslosigkeit sei „das Unaushaltbarste, das ganz und gar den menschlichen Bedürfnissen Unerträgliche“, die „schwindelhafte Hoffnung“ der „größte Übeltäter“. Dazwischen: die echte Hoffnung als „ernstester Wohltäter“. Während des Gesprächs bleiben Passanten in der Ausdehnung des Platzes stehen, lesen, gehen weiter. „Vorhin hat sich eine Familie bedankt, die die Zitate gelesen hatte“, freut sich Magnus Reitschuster. „Wir werden die Zitate noch in der ganzen Stadt plakatieren, in der Hoffnung, dass wir den Menschen etwas geben können.“

Reitschuster: "Corona-Depression" im Februar

Das Apollo habe sich gegen ein Streaming-Angebot entschieden, wie viele andere Theater es mittlerweile anbieten. „Wir haben eine andere Aufgabe“, sagt der Intendant. Er habe anfangs ums Theater gezittert, berichtet er, seine „Corona-Depression“ habe er bereits im Februar gehabt. „Als es dann real wurde, konnte ich agieren.“ Er habe die Betroffenheit überwunden, um „etwas zu tun, das sinnvoll ist“. Die Zitate trage er schon länger mit sich herum, sagt er, sie hätten sich für ihn als hilfreich erwiesen. Kunst könne sein, aus der Not eine Tugend zu machen. Dazu gehöre auch, Sorge, Not, aber auch Hoffnungsspuren zu thematisieren.

Autor:

Peter Barden (Redakteur) aus Siegen

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