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Junges Theater Siegen arbeitet vor allem online
"Anders" wird "kreativ"

Hatte einen guten Anfang genommen, kann aber erst nach den Sommerferien weitergehen: die Gruppe Kunterbunt, ausgebremst von Corona.
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  • Hatte einen guten Anfang genommen, kann aber erst nach den Sommerferien weitergehen: die Gruppe Kunterbunt, ausgebremst von Corona.
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  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

ciu Siegen. Schwierig: Theater ohne Berührung, ohne Zuspiel, Anspiel, ohne das Dynamische eines Miteinanders von Aktion und Reaktion. Noch schwieriger: alternative Formen zu finden, mit denen auch Kinder und Jugendliche aus der Distanz gut erreicht und eingebunden werden können. Das ist das Problem, dem sich der Verein Junges Theater Siegen in der Corona-Krise stellen muss und auch stellt. Mit unterschiedlichen Ergebnissen und, damit verbunden, auch weiteren Herausforderungen. Denn, was sich im Herbst 2019 etwa im Bereich der „Kunterbunt“-Theaterwerkstatt im Proben-Zuhause Lÿz für Kinder so gut anließ (Vereinsvorsitzender Peer Ball zur Siegener Zeitung: „Das ging mit rund 30 Kindern regelrecht durch die Decke.“), funktioniert im Frühjahr 2020 gar nicht mehr.

ciu Siegen. Schwierig: Theater ohne Berührung, ohne Zuspiel, Anspiel, ohne das Dynamische eines Miteinanders von Aktion und Reaktion. Noch schwieriger: alternative Formen zu finden, mit denen auch Kinder und Jugendliche aus der Distanz gut erreicht und eingebunden werden können. Das ist das Problem, dem sich der Verein Junges Theater Siegen in der Corona-Krise stellen muss und auch stellt. Mit unterschiedlichen Ergebnissen und, damit verbunden, auch weiteren Herausforderungen. Denn, was sich im Herbst 2019 etwa im Bereich der „Kunterbunt“-Theaterwerkstatt im Proben-Zuhause Lÿz für Kinder so gut anließ (Vereinsvorsitzender Peer Ball zur Siegener Zeitung: „Das ging mit rund 30 Kindern regelrecht durch die Decke.“), funktioniert im Frühjahr 2020 gar nicht mehr. So hätten die Kursleiter Bernd-Michael Genähr und Torben Föllmer, die Idee und dann auch einen Song entwickelt, bei dem die Kinder via Online-Medien hätten mittun können, doch habe dieser Versuch letztlich überhaupt keine Resonanz gehabt. Die Folge: Dieses Angebot wird zunächst bis nach den Sommerferien ausgesetzt. Die Arbeit mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen veränderte sich auch, doch in diesem Bereich wird aus „anders“ durchaus „kreativ“.

"Lysistrata" als Hörspiel

So hat Theaterpädagoge Lars Dettmer in seinem Kurs „Neon“ (zugleich Jugendtheater-Club des Bruchwerk-Theaters an der Siegbergstraße) in Videokonferenzen verschiedene Wege ausprobiert, seine geplante „Lysistrata“-Aufführung digital zu gestalten. Nach ersten Versuchen an einer Online-Lesung und einer Livestream-Aufführung entschied sich die Gruppe am Ende dafür, das Stück als Hörspiel einzuüben. Diese Gruppe trifft sich augenblicklich montags um 17 Uhr über das Videoportal „Zoom“.Bereits ab 16 Uhr arbeitet Lars Dettmer virtuell mit einer neu formierten Gruppe Jugendlicher (14 bis 18 Jahre). Gemeinsam entwickelt wird hier eine Geschichte, die unterschiedliche Figuren in ihren je eigenen Raumschiffen zeigt. Plötzlich verändert sich deren Situation: Ein Gegenüber taucht auf – was nun?! Wer hier noch einsteigen möchte, kann das tun. Um Anmeldung gebeten wird unter: jungestheatersiegen@gmail.com.

"Nichts" von Janne Teller weiterentwickeln

Gleichfalls unter Leitung von Lars Dettmer inszenierte das Junge Theater das Stück „Nichts“ nach dem durchaus provokanten Jugendbuch der dänischen Autorin Janne Teller. Die zuvor schon ausverkaufte Aufführung am 26. März in der Lÿz-Reihe „Kultur4You“ fiel Corona zum Opfer, ein neuer Termin ist nun am 3. Dezember angesetzt. Die zusätzliche Zeit, so der Kursleiter, der das „unverschämte Glück“ hat, seit Dezember mit 13 Wochenstunden an der Gesamtschule Eiserfeld im Fach „Darstellen und Gestalten“ beschäftigt zu sein, biete der Gruppe die Möglichkeit, die Figuren (sechs Darsteller spielen eine ganze Schulklasse) und ihre Motivationen noch weiter zu entwickeln.

Leseprobe für den "Biedermann" von Max Frisch

Mit den vielerorts ermöglichten „Lockerungen“ richten sich nun auch die Projektgruppen des Vereins auf eine Wiederaufnahme des analogen Probens ein, das allerdings, wie Peer Ball betont, sehr behutsam. „Wir müssen nicht jeden Schritt sofort mitgehen“, sagt er. Und: „Wir schauen nach den Jugendlichen.“ Diese gäben letztlich den Takt vor. Im Rahmen des Genehmigten, des Machbaren und immer „unter Wahrung der Abstandsgebote“. So will sich eine Gruppe junger Erwachsener Ende Mai in einem, wie Kursleiter Torben Föllmer sagt, „groß angelegten Stuhlkreis“ zu einer Leseprobe treffen. Anhand von Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ soll ein politisches Theaterstück entstehen, das im Sinne eines „Wehret den Anfängen!“ durchaus die „Rattenfänger“ dieser Tage entlarven soll.In den vergangenen Wochen, das berichtet Torben Föllmer der SZ am Telefon, habe er sich mit dem „Noir“-Ensemble für Improvisationstheater entschieden. Es gehe um eine Selbsthilfegruppe, „humoristisch betrachtet“. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hätten ihm (bislang, denn nun geht es mit Zoom weiter) via Whatsapp Aufnahmen geschickt, auf die hin er dann wiederum Rückmeldungen gegeben habe. Am Ende soll es einen filmischen Trailer geben.

Föllmer: Darsteller im "Dschungelbuch"

Föllmer selbst hat Corona ziemlich hart getroffen: „Mit dem Lockdown ist mir komplett alles weggebrochen.“ So hätten im Apollo weitere „Dschungelbuch“-Aufführungen angestanden, es gab einen Werbe-Auftrag in Köln, und auch bei den Vorbereitungen fürs nächste Kinderstück im Siegener Theater wäre er dabei gewesen. Setzen konnte der in Siegen lebende Schauspieler auf die Soforthilfe vom Staat und weiß auch die engagierte Unterstützung des Jungen Theaters Siegen hoch zu schätzen. Hier lotet Vorsitzender Ball derzeit verschiedenste Fördermöglichkeiten aus, sieht sich durchaus in einem Dilemma, da der Verein bislang keine Ausfallhonorare zahlen konnte, menschlich-moralisch aber die Honorarkräfte nicht alleine lassen möchte. Dazu kommt die Sorge, in der Krise auch Mitglieder (augenblicklich sind es rund 70) zu verlieren, die Fäden der guten Anfänge „nach Corona“ nicht gleich wieder aufnehmen zu können.

"Schäm dich!" hofft auf Fortsetzung

Richtig gut unterstützt sieht Peer Ball die Sache des Jungen Theaters Siegen seitens des Siegen-Wittgensteiner Kreiskulturbüros. Hier können Probenräume genutzt werden, gibt es die Bühne als Plattform und sowohl monetäre als auch ganz praktische Unterstützung.Hilfreich für den Verein ist es, wenn in den Gruppen eine gewisse Kontinuität gewahrt werden kann. Wie im Projekt „Schäm dich!“, das sich unter Leitung von Hanna Giebeler, Jenni Baum Chacon und Lars Dettmer mit dem Thema des „Bodyshaming“, des Mobbings in Sachen Aussehen oder Statur, in sozialen Netzwerken auseinandersetzt. Ende 2019 gab es eine Ausstellung im Siegener „Freiraum“. Nun soll es – vorbehaltlich der Unterstützung des den Auftakt fördernden Landschaftsverbands Westfalen-Lippe – weitergehen. Die Idee: eine Plattform entstehen zu lassen, auf der das vorhandene und auch neu zu schaffende (Recherche-)Material präsentiert werden kann.

"Spiel:Farben" Kunterbunt, Neon und Noir
Autor:

Claudia Irle-Utsch (Redakteurin) aus Siegen

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