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Werner Koczwara im Kulturhaus Lÿz
Anekdotenhaftes Justizkabarett

Eine Pointe jagt die andere bei Justizkabarettist Werner Koczwara – am Samstag im Siegener Lÿz.
  • Eine Pointe jagt die andere bei Justizkabarettist Werner Koczwara – am Samstag im Siegener Lÿz.
  • Foto: David Wagener
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

daw Siegen. Werner Koczwara ist in Schwäbisch-Gmünd geboren. Dass Schwaben im Allgemeinen sparsam oder geradezu geizig sind, wird zum Inhalt einiger Witze an diesem Abend im Siegener Lÿz. Und so schafft er es direkt zu Beginn, die schwäbische Sparsamkeit mit seinem Steckenpferd, dem Justizkabarett, dessen Erfinder Koczwara ist, zu verbinden. Die Pointe seiner längeren Einleitung: Während es allerlei Versagen in diversen Bereichen zur Zeit der Corona-Pandemie gab, ist das Finanzamt Schwäbisch-Gmünd das Einzige, was in dieser Pandemie vorbildlich funktioniert hat. Immerhin haben sie seiner Absicht, in der Zeit, in der er kein Einkommen verzeichnet, auch keine Einkommenssteuer zu zahlen, in einem kurzen und schnell bearbeiteten Brief- und Formularwechsel stattgegeben.

daw Siegen. Werner Koczwara ist in Schwäbisch-Gmünd geboren. Dass Schwaben im Allgemeinen sparsam oder geradezu geizig sind, wird zum Inhalt einiger Witze an diesem Abend im Siegener Lÿz. Und so schafft er es direkt zu Beginn, die schwäbische Sparsamkeit mit seinem Steckenpferd, dem Justizkabarett, dessen Erfinder Koczwara ist, zu verbinden. Die Pointe seiner längeren Einleitung: Während es allerlei Versagen in diversen Bereichen zur Zeit der Corona-Pandemie gab, ist das Finanzamt Schwäbisch-Gmünd das Einzige, was in dieser Pandemie vorbildlich funktioniert hat. Immerhin haben sie seiner Absicht, in der Zeit, in der er kein Einkommen verzeichnet, auch keine Einkommenssteuer zu zahlen, in einem kurzen und schnell bearbeiteten Brief- und Formularwechsel stattgegeben.

Best-of der absurden Urteile und Gesetze

Das Programm, das der 1989 mit dem Kleinkunstpreis Salzburger Stier ausgezeichnete Kabarettist im Lÿz abspielt, ist nach eigenen Angaben ein realistisches, kritisches und satirisches Best-of. Weniger gefährlich als ein Best-of eines Facharztes, wie Koczwara erklärt, bei dem man als Patient wohl gerne darauf verzichten würde, die gesamte Palette an Behandlungsmethoden und Eingriffen während eines Besuchs kennenzulernen, aber dafür witziger. Das stimmt, dennoch verdeutlicht der nicht gänzlich runde Abend, dass auch das Justizkabarett nicht allzu gut für ein Best-of geeignet ist, denn zumindest bei diesem Autor zeigen sich schnell Ermüdungsanzeichen ob der anekdotenhaften Aneinanderreihung absurder Urteile und Gesetze.

Wenn ein Grenzstein verrückt wird ...

Fraglos ist es lustig, wenn Koczwara herausstellt, dass bei einem aus nur einer Person bestehenden Personalrat keine Trennung nach Geschlechtern vonnöten ist, oder dass das Gesetz von „verrückt gewordene(n) Grenzsteine(n)“ schreibt, oder dass schlafende Vögel nicht erschossen werden dürfen. Ebenso gibt es viel Gelächter bei abgewiesenen Klagen im Bereich Reisegesetz. Etwa wegen eines zu schnellen Sonnenuntergangs auf Mauritius oder mangelnder Lebensgefahr bei einem Abenteuerurlaub. Aber es ist jeweils ein kurzes Gelächter, denn die zu den Urteilen gehörenden Geschichten fehlen meist, und der Witz des Absurden liegt eben oftmals darin, dass das Absurde in normale Geschichten eingebettet ist. Stattdessen gibt es Pointen auf Pointen, und diese funktionieren nur noch teilweise, wenn sie der zur Pointe führenden Geschichte beraubt sind.

Mit Stan Laurel in den Humor geflüchtet

Im zweiten Teil des 90 Minuten kurzen Programms gibt es zu Beginn mit dem schwäbischen Block zu Koczwaras Kindheit und der Genese seines Wunsches, Komiker zu werden, immerhin etwas Abwechslung, und dieser Teil ist auch am besten gelungen, weil am interessantesten: Der Kabarettist erzählt von seiner Schulzeit und einer sadistischen Lehrerin und wie er bereits mit fünf Jahren von seinem Vater damit konfrontiert wurde, sterblich zu sein. Zuflucht bot ihm hier lediglich die Absurdität des Humors, die er durch den Komiker Stan Laurel kennenlernte.

Unterhaltsam, aber überfrachtet

Nach dem Einschub gibt es einen weiteren anekdotenhaften Ausflug in groteske Gefilde der Justiz, bevor Koczwara anhand einer angeblichen Abiturrechenaufgabe den Wandel der Gesellschaft im Laufe der Jahre satirisch widerspiegelt. Das funktioniert sehr gut und gibt zu Recht viel Applaus.
Mit einer mäßig amüsanten deutschsprachigen Version des Liedes „Fever“ und weiteren Anekdoten endet der Abend, der, wenngleich unterhaltsam, doch durch die Masse an Kuriositäten und das Fehlen der dazugehörigen Geschichten überfrachtet ist. Koczwara ist kein schlechter Kabarettist, aber sein Best-of, das zu viel zu stark verkürzt wiedergibt, überzeugt nicht. Genau wie bei dem Best-of des Facharztes gilt auch hier: Weniger ist manchmal mehr.

Autor:

Redaktion Kultur

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