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Bremer Shakespeare Company mit „Angela I.“ im Apollo-Theater
Angela Merkel vor triumphalem Auferstehen

Angelas Kollegen auf dem politischen Parkett befinden sich seit Jahren in der Warteschleife. Nun ist sie weg, doch wie wird es weitergehen? Im Bild (hinten v. l.: Michael Meyer, Peter Lüchinger; vorne v. l.: Markus Seuss, Silke Buchholz).
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  • Angelas Kollegen auf dem politischen Parkett befinden sich seit Jahren in der Warteschleife. Nun ist sie weg, doch wie wird es weitergehen? Im Bild (hinten v. l.: Michael Meyer, Peter Lüchinger; vorne v. l.: Markus Seuss, Silke Buchholz).
  • Foto: Bärbel Althaus
  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

ba Siegen. Angela ist weg! Ist dies nun Fluch oder Segen? Die einstigen Kollegen aus der Politik (Silke Buchholz, Peter Lüchinger, Michael Meyer, Markus Seuss) stehen jedenfalls in den Startlöchern, um sie adäquat zu ersetzen. Zwar äußern sie Betroffenheit, doch keimt bereits Hoffnung auf, aus dem Schatten der Kanzlerin herauszutreten und die eigene politische Karriere voranzutreiben. Die Bremer Shakespeare Company bot mit Katja Hensels Stück „Angela I.“ unter Regie von Stefan Otteni den rund 350 Zuschauern im Siegener Apollo-Theater am Donnerstagabend ein Szenario, das zwar erheiterte, doch gleichermaßen Endzeitstimmung vermittelte.

ba Siegen. Angela ist weg! Ist dies nun Fluch oder Segen? Die einstigen Kollegen aus der Politik (Silke Buchholz, Peter Lüchinger, Michael Meyer, Markus Seuss) stehen jedenfalls in den Startlöchern, um sie adäquat zu ersetzen. Zwar äußern sie Betroffenheit, doch keimt bereits Hoffnung auf, aus dem Schatten der Kanzlerin herauszutreten und die eigene politische Karriere voranzutreiben. Die Bremer Shakespeare Company bot mit Katja Hensels Stück „Angela I.“ unter Regie von Stefan Otteni den rund 350 Zuschauern im Siegener Apollo-Theater am Donnerstagabend ein Szenario, das zwar erheiterte, doch gleichermaßen Endzeitstimmung vermittelte.

Zeit für Neuanfang scheint reif

Die Demokratie scheint gescheitert, der Zusammenhalt der Parteifreunde nur noch auf dem Fußballplatz zu bestehen (wobei Mitglieder einer bestimmten Partei nicht ins Spiel einbezogen werden). Während Merkels Chauffeur (Markus Seuss) ihre Stylistin (Petra Janina-Schultz) anflirtet, die Kinder auf neongrünen Bobby-Cars über die Bühne rollend „Zalando“ und „Amazon Prime“ spielen, offenbart die Praktikantin des Bundestags (Theresa Rose), was im Laufe der Zeit aus ihnen werden kann. Erscheint sie doch kaugummikauend und mit Kopfhörern auf den Ohren eher desillusioniert als motiviert.
Angela Merkels (Silke Buchholz) Plan für Deutschland ist offensichtlich gescheitert, die Zeit für einen Neuanfang reif. Während der karriereorientierte Politiker seine Niere an Parteigegner spenden will, um dies zu seinem Vorteil zu nutzen, driftet sein Kollege burnoutgeplagt zum Suizid. Hält er es doch nicht mehr aus, zur Zielscheibe des gesellschaftlichen Frusts zu werden und von seiner eigentlichen Welt abgeschnitten zu sein. „Meine Kinder wurden mehr von ihr geprägt als von mir“, stellt er resignierend fest.

Ist Deutschland völlig verwirrt?

Dabei ist ihm und seinen drei Kollegen Demokratie ein wirkliches Bedürfnis. Doch augenscheinlich regiert ohnehin nicht die Politik, sondern die Wirtschaft. So zerfällt das Land zunehmend, es werden Rauchbomben gezündet und die Politiker mit undefinierbar anmutenden Materialien beworfen. Ist es nun Pudding oder eine Plazenta, die am Blazer klebt? Die Verunsicherung wächst, scheint Deutschland doch ohne Merkels Führung völlig verwirrt zu sein. Katja Hensel skizziert Angela mit vertrauten Attributen. Der farbige Merkel-Blazer, die „alternativlosen“ Entscheidungen sowie die berühmt-berüchtigte Merkel-Raute, die anfangs nicht mehr gelingen will, dürfen nicht fehlen. Wir glauben, sie zu kennen, doch tatsächlich ist Angela Merkel „eine Frau mit sieben Siegeln“. Und während der Bundesadler die Reichstagskuppel verlassen hat, um über Berlin zu kreisen, schmiedet Angela gemäß ihrer „Wir-schaffen-das“-Mentalität mitten im Chaos ein triumphales Auferstehen.

Zocken mit Loki Schmidt

Natürlich dürfen bei einer Inszenierung der Shakespeare Company adäquate Annäherungen zum großen Dichter nicht fehlen. So zocken Loki Schmidt, Hannelore Kohl und Doris Schröder-Kopf als „Macbeth-Hexen“ Skat, das Publikum mutiert in Anlehnung an King Lear zu „King ihr“, und der Selbstmord wird als Klippensturz inszeniert. Gloucester lässt grüßen. Bombastische Wagner-Klänge und Bowies „Heroes“ sorgen zudem für Dramatik und Ergriffenheit. Denn: Angela hat es geschafft. Sie wird zur Königin gekrönt. Auch wenn nicht mehr alle Zuschauer nach zweieinhalb Stunden dieses Ereignis erleben, scheint es doch vor allem eines zu sein: alternativlos!

Autor:

Bärbel Althaus (Freie Mitarbeiterin) aus Wilnsdorf

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