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"Antuung": Zu viel gewollt?

SZ-Redakteurin Dr. Gunhild Müller-Zimmermann.
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Viele Emotionen waren am Donnerstagsabend im Spiel bei der Diskussion über die „Antuung“, den Eingriff in den Stadtraum von Hagen Keller und Lena Hugger, der in der Fällung einer Weide am Siegufer gipfelte. Ziel der Kunstaktion: auf unseren zerstörerischen Umgang mit der Umwelt hinzuweisen. Dankenswerterweise hat das Bruchwerk-Theater diese Diskussion organisiert (www.bruchwerk-theater.de).
Zu viele Emotionen waren im Spiel: Die Analyse der Aktion und der Reaktionen darauf versank im Gefühlssumpf und offenbarte dabei gravierende Theorie-Defizite. Es zeigte sich, dass die intendierte künstlerische Anregung zum Nachdenken über das eigene Umwelt-Handeln von den Akteuren am Donnerstag nicht überzeugend hergeleitet werden konnte.

Viele Emotionen waren am Donnerstagsabend im Spiel bei der Diskussion über die „Antuung“, den Eingriff in den Stadtraum von Hagen Keller und Lena Hugger, der in der Fällung einer Weide am Siegufer gipfelte. Ziel der Kunstaktion: auf unseren zerstörerischen Umgang mit der Umwelt hinzuweisen. Dankenswerterweise hat das Bruchwerk-Theater diese Diskussion organisiert (www.bruchwerk-theater.de).
Zu viele Emotionen waren im Spiel: Die Analyse der Aktion und der Reaktionen darauf versank im Gefühlssumpf und offenbarte dabei gravierende Theorie-Defizite. Es zeigte sich, dass die intendierte künstlerische Anregung zum Nachdenken über das eigene Umwelt-Handeln von den Akteuren am Donnerstag nicht überzeugend hergeleitet werden konnte. Vielleicht wurde zu viel gewollt: Die Mischung aus Selbsthilfegruppen-Standards wie „Gebt ab, was Euch belastet, damit wir es gemeinsam zu Grabe tragen“, Sauftour (auch wenn die als dionysische Erfahrung deklariert wird, es fehlt der Bezug zum Klima-Handeln) und provokanter Intervention im öffentlichen Raum franste aus, war nicht stringent und ungewöhnlich genug, um über die erste Emotion hinaus zu tragen. Auch wenn das Anliegen natürlich existentiell ist.
Die Diskussion kam auch nur selten über das verständliche Entsetzen über menschenverachtende Netz-Kommentare zur Aktion hinaus. Der „Verantwortliche“ dafür war übrigens auch schnell gefunden: der Bürgermeister, der von „Chaoten“ gesprochen und damit die „braune Suppe umgerührt“ hat. – Klingt arg nach „Opfer-Rolle“, die es überflüssig macht, das eigene Handeln zu reflektieren …
Fragwürdig war auch der Umgang mit der wichtigen Frage nach der Berechtigung von Gewalt in der Kunst. Mit einem sophistischen Kniff wurde sie weggewischt: Die Akteure hätten „keine Macht“, daher sei die Fällung auch keine Gewaltausübung. – Seit wann hat jemand mit einer betriebsbereiten Motorsäge in der Hand keine „Macht“?! Dieser Umgang mit Gewalt wirft die Frage nach der Deutungshoheit auf …
Nach klassischer Tragödientheorie, die auch für diese theatralisch-interveniernde Aktion gelten könnte, folgt auf den Schrecken die Katharsis, die Reinigung der Seele. Auch wer sich auf die Idee hinter der Aktion einlässt, hat keinen Erkenntnisgewinn: Dazu ist die Aktion zu diffus …

g.mueller-zimmermann@siegener-zeitung.de

Hagen Keller wehrt sich: Antuung nicht auf Baumfällung reduzieren

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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