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Hinter den Kulissen - kurz bevor es losgeht
Auf den letzten Drücker Strom für BAP

Et hätt noch immer jot jejange. Kurz vor dem BAP-Konzert fiel 2016 bei KulturPur der Strom aus. Hinter der Bühne rotierten die Veranstalter. Mit einiger Verspätung konnten Wolfgang Niedecken und Band dann doch noch auftreten.
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  • Et hätt noch immer jot jejange. Kurz vor dem BAP-Konzert fiel 2016 bei KulturPur der Strom aus. Hinter der Bühne rotierten die Veranstalter. Mit einiger Verspätung konnten Wolfgang Niedecken und Band dann doch noch auftreten.
  • Foto: René Achenbach
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

zel - Kurz vor knapp reißen Saiten, fällt der Strom aus. Denis Scheck ließ auf sich warten, und die Philharmonie sieht blau.

zel Siegen. „Noch 30 Sekunden bis zum Auftritt, Mr. Belafonte!“ Dank Scooter konnten wir die größten Stars in ihrer Garderobe erleben, bevor sie ihren Auftritt in der sensationellsten, fabelhaftesten super „Muppet Show“ hatten. Was hinter der Bühne passiert, bevor es heißt: „Den Vorhang auf, hallo!“, das kriegt das Publikum im Saal nicht mit, soll es auch nicht. Sind da Hektik, Schweißperlen, Gewusel oder Meditation und Tunnelblick, ganz kurz, bevor es losgeht in Theater, Kirche, Museum, Zelt und Stadthalle? Was passiert auf den allerletzten Drücker, wann kommen Veranstalter ins Schwitzen? Wir haben nachgefragt.

zel - Kurz vor knapp reißen Saiten, fällt der Strom aus. Denis Scheck ließ auf sich warten, und die Philharmonie sieht blau.

zel Siegen. „Noch 30 Sekunden bis zum Auftritt, Mr. Belafonte!“ Dank Scooter konnten wir die größten Stars in ihrer Garderobe erleben, bevor sie ihren Auftritt in der sensationellsten, fabelhaftesten super „Muppet Show“ hatten. Was hinter der Bühne passiert, bevor es heißt: „Den Vorhang auf, hallo!“, das kriegt das Publikum im Saal nicht mit, soll es auch nicht. Sind da Hektik, Schweißperlen, Gewusel oder Meditation und Tunnelblick, ganz kurz, bevor es losgeht in Theater, Kirche, Museum, Zelt und Stadthalle? Was passiert auf den allerletzten Drücker, wann kommen Veranstalter ins Schwitzen? Wir haben nachgefragt.

Philharmonie Südwestfalen im blauen Tunnel

Michael Nassauer, Intendant der Philharmonie Südwestfalen, verrät, dass die rund 60 Musikerinnen und Musiker kurz vor ihrem Auftritt, etwa bei einem Konzert im Apollo-Theater Siegen, nicht rot, sondern blau sehen. Da haben sie sich schon eingespielt und umgezogen, falls sie nicht schon in Dienstkleidung erscheinen. Genutzt wird im engen Backstage-Bereich jede Nische. Kurz bevor die Türen für die Philharmonie Südwestfalen aufgehen, sammeln sich die meisten, manche können sich aber auch gut noch unterhalten, manche spielen ein schweres Solo nochmal durch, das gibt Sicherheit. „Dann richtet sich alles auf den Tunnel“, sagt Nassauer, das Licht hinter der Bühne wird dunkler und blau, „ab dann muss man parat stehen“.Kurz vor knapp organisiert werden müssen vielleicht mal Manschettenknöpfe, weil man sehr wohl das Frackhemd, aber die eben nicht eingepackt hat. „Menschliches Versagen kann man nie ausschließen“, weiß der Intendant, aber „man kriegt Routine mit den Jahren“.

300 Musikschüler koordinieren - das geht nur im Team

"Frisch gestrichen XXL" ist ein Mammutprojekt der Fritz-Busch-Musikschule in der Siegerlandhalle. Hinter den Kulissen werden die Auftritte der vielen jungen Musiker nach einem ausgetüftelten Plan koordiniert.
  • "Frisch gestrichen XXL" ist ein Mammutprojekt der Fritz-Busch-Musikschule in der Siegerlandhalle. Hinter den Kulissen werden die Auftritte der vielen jungen Musiker nach einem ausgetüftelten Plan koordiniert.
  • Foto: SZ-Archiv/Isabel Lippitz
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Angelika Braumann, Leiterin der Fritz-Busch-Musikschule Siegen, hütet bei großen Konzerten wie „Frisch gestrichen“ mit rund 300 Streichern plus Chören einen Sack Flöhe. Sie setzt auf eine gute Vorbereitung im Team und auf einen ausgetüftelten Plan, wann welche Kinder wie auf die Bühne müssen – „wie ein Regieplan im Theater“. Erste Hilfe und kurzfristiges Umdisponieren kurz vorm Konzert sind nötig bei gerissenen Saiten, einem gebrochenen Cello-Steg (Instrumentenbauer Clas Reimers konnte mit einem Leih-Cello aushelfen!), bei vergessenen Noten und bei Mega-Aufregung.

In Kreuztal fehlten mal 50 Stühle

Holger Glasmachers, Leiter von Kreuztal-Kultur, erinnert sich an einen Abend, das ist allerdings schon lange her, da hatte er – damals noch als Mitarbeiter von Michael Townsend – in der Stadthalle nach einem falschen Bestuhlungsplan aufgebaut. „Wir haben neun verschiedene Bühnenvariationen“, erklärt er, und er hatte eine zu große Bühne geplant, sodass 50 Plätze fehlten. „Wir haben auf den letzten Drücker und im Schweinsgalopp überall Stühle hingestellt und die Leute mit Geld und Sekt bestochen.“ Ist alles gerade nochmal gutgegangen.

Schnaps und Sockentausch bei der Stadtkapelle Betzdorf

Schwarze Socken sind Pflicht bei der Stadtkapelle Betzdorf. Wenn ein Musiker orangefarbene anhat, muss er mit einem Freund von Freunden tauschen. Es soll doch alles ordentlich aussehen!
  • Schwarze Socken sind Pflicht bei der Stadtkapelle Betzdorf. Wenn ein Musiker orangefarbene anhat, muss er mit einem Freund von Freunden tauschen. Es soll doch alles ordentlich aussehen!
  • Foto: Gabi Wertebach
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Julia Stinner, Pressesprecherin der Stadtkapelle Betzdorf, hat die „Auf-den-letzten-Drücker“-Anfrage der SZ in die WhatsApp-Gruppe des Orchesters gegeben und allerlei Rückmeldungen erhalten: Eine Musikerin – welches Instrument sie spielt, tut nichts zur Sache – trinkt fünf Minuten vor dem Auftritt einen Schnaps und lutscht Hustenbonbons. Eine andere schrieb, sie müsse am Tag des Konzerts fast gar nicht, aber in den fünf Minuten, bevor’s losgeht, natürlich superdringend auf Toilette, wieder eine andere versucht, ihre Nervosität durch bewusstes Atmen in den Griff zu kriegen. In Sachen Kleiderordnung macht Julia Stinner der Kapelle eigentlich ganz klare Ansagen – und trotzdem: Beim Zapfenstreich zum Abschied von Landrat Michael Lieber hatte doch einer orangefarbene Socken an! Es fand sich ein Freund von Freunden mit schwarzen Strümpfen, und kurz vor dem wichtigen und feierlichen Auftritt kam es noch zum Sockentausch.

Denis Scheck ließ bei "vielSeitig" auf sich warten

Heiß ersehnt: Auf den allerletzten Drücker kam „Druckfrisch“-Mann Denis Scheck ins 2012 ins Lÿz, um die Eröffnung des Literaturfestivals "vielSeitig" zu moderieren. Er hatte in Köln im Stau gestanden. Das Publikum merkte nichts, Scheck moderierte sofort professionell und souverän.
  • Heiß ersehnt: Auf den allerletzten Drücker kam „Druckfrisch“-Mann Denis Scheck ins 2012 ins Lÿz, um die Eröffnung des Literaturfestivals "vielSeitig" zu moderieren. Er hatte in Köln im Stau gestanden. Das Publikum merkte nichts, Scheck moderierte sofort professionell und souverän.
  • Foto: Claudia Irle-Utsch
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Patrick Zöller, beim Kreis-Kulturbüro Siegen-Wittgenstein u. a. zuständig für das Literaturfestival „vielSeitig“, erinnert sich gut an den Oktober 2012, als unter dem Titel „Wortwechsel“ das Lesefest im Lÿz mit einem literarischen Kabarett eröffnet werden sollte – allein: Es fehlte Moderator Denis Scheck. Der damalige Landrat Paul Breuer begrüßte schon – und hinter der Bühne rotierte Zöller, der sich im Geiste, völlig unvorbereitet, selbst moderieren sah. Auf den allerletzten Drücker kam „Druckfrisch“-Mann Scheck herein – er hatte in Köln im Stau gestanden –, einen Stapel Bücher zwischen Hand und Kinn geklemmt, und moderierte sofort professionell und souverän. Zöller saß im Publikum und hat vom Beginn nicht viel mitgekriegt: „Da fällt erstmal nur die Anspannung von einem ab.“

TIL sind kurz vorm Auftritt "zusammen und jeder für sich"

Bevor die Band TIL aus Wenden auf der Bühne explodiert, gehen die drei Musiker Eniz, Dennis und Jona noch mal die Setlist durch, nehmen sich in den Arm, und dann fokussiert sich jeder - "zusammen und jeder für sich".
  • Bevor die Band TIL aus Wenden auf der Bühne explodiert, gehen die drei Musiker Eniz, Dennis und Jona noch mal die Setlist durch, nehmen sich in den Arm, und dann fokussiert sich jeder - "zusammen und jeder für sich".
  • Foto: Johanna Meier
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

Eniz Gülen, Bassist und Backgroundsänger bei der Band TIL aus Wenden: Die junge Band ist kurz vorm Auftritt, bei Aufbau und Soundcheck, hochkonzentriert. „Dann gehen wir von der Bühne runter, gehen zu dritt die Setlist durch und nehmen uns einmal in den Arm“, sagt Eniz. Die letzten fünf Minuten vor dem Konzert ist dann jeder ganz still, hört Musik, ganz fokussiert, „wir sind zusammen und jeder für sich“, und dann geht’s los. TIL lieben ihre Fans und machen auch Fotos mit ihnen, aber ganz kurz vor dem Auftritt sind Eniz, Dennis und Jona doch gern für sich. Einmal haben TIL auf ihrer Schultour durch 250 Schulen in ganz Deutschland ein Konzert auf den allerletzten Drücker abgesagt, erinnert sich Eniz: In der Schule in Potsdam sei kein Ansprechpartner zu kriegen gewesen, keiner hätte sich um die Band gekümmert, in der Turnhalle sollte noch eine andere Veranstaltung stattfinden. Da haben die Wendener zusammengepackt.

Ute Debus braucht nach dem Einsingen Ruhe

KMD Ute Debus trifft sich mit ihren Chören nach einer ca. einstündigen Einsingprobe, die zwei Stunden vor Konzertbeginn angesetzt wird, nochmals eine Viertelstunde vor Konzertbeginn zum Ruhigwerden, Sich-Konzentrieren über Atemübungen und Summübungen. Als ihr persönliches Ritual vor Konzerten nennt sie absolute Ruhe und ca. zehnminütige Enstpannungsübungen (Qigong oder Tai Chi) nach der Einsingprobe.

Die Leder-Tore von Lena Henke kamen keinen Tag zu früh

Die neuen Arbeiten „My Trust“ und „Your Trust“ von Rubensförderpreisträgerin Lena Henke – Tore mit Pferdefüßen aus Spezialgips, die Frank Peter von Reitsport Peter in Siegen mit Leder bezogen hat – kamen keine Minute zu früh im Museum an: drei Tage vor Eröffnung.
  • Die neuen Arbeiten „My Trust“ und „Your Trust“ von Rubensförderpreisträgerin Lena Henke – Tore mit Pferdefüßen aus Spezialgips, die Frank Peter von Reitsport Peter in Siegen mit Leder bezogen hat – kamen keine Minute zu früh im Museum an: drei Tage vor Eröffnung.
  • Foto: Museum für Gegenwartskunst
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

Stefanie Scheit-Koppitz, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit im Museum für Gegenwartskunst Siegen: Um das Haus möglichst nur kurz zu schließen, sei beim Ausstellungsumbau alles sehr eng getaktet. Auf die letzte Minute werden Beschriftungen anbracht, Glasdeckel von Vitrinen gereinigt. Die neuen Arbeiten „My Trust“ und „Your Trust“ von Rubensförderpreisträgerin Lena Henke – Tore mit Pferdefüßen aus Spezialgips, die Frank Peter von Reitsport Peter in Siegen mit Leder bezogen hat – kamen keine Minute zu früh im Museum an: drei Tage vor Eröffnung. Wenn die an dem ihnen zugedachten Platz nicht gut ausgesehen hätten, „hätte man Teile der Ausstellung umbauen müssen“ – das braucht man nicht wirklich.

Beim "Goldenen Monaco" geht es mit "Jetzt" los

Janik Vickus, 2019 Gesamtleiter der Gala „Der Goldene Monaco“: Jeder und jede, der oder die an der studentischen Filmpreisverleihung beteiligt ist, ist heftig aufgeregt. Gerade beim Auftakt zur Gala muss viel gut klappen: Film-Intro, Live-Kamera und Moderatoren wollen mit einem „Jetzt“ von hinter der Bühne koordiniert sein. Mit dem Umzug von der Siegerlandhalle ins Apollo haben die Organisatoren sich selber ausgetrickst, wie Vickus sagt: Es gab keine Live-Kamera mehr, nur den filmischen Opener und dann die Moderatoren: „Wenn’s richtig losgeht, ist es eigentlich schon losgegangen“, und irgendwann sei man dann im Flow.

Schließlich floss der Strom für BAP bei KulturPur wieder

Et hätt noch immer jot jejange. Kurz vor dem BAP-Konzert fiel 2016 bei KulturPur der Strom aus. Hinter der Bühne rotierten die Veranstalter. Mit einiger Verspätung konnten Wolfgang Niedecken und Band dann doch noch auftreten.
  • Et hätt noch immer jot jejange. Kurz vor dem BAP-Konzert fiel 2016 bei KulturPur der Strom aus. Hinter der Bühne rotierten die Veranstalter. Mit einiger Verspätung konnten Wolfgang Niedecken und Band dann doch noch auftreten.
  • Foto: René Achenbach
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Jens von Heyden, Leiter des Kreis-Kulturbüros, hatte seinen Auf-den-letzten-Drücker-Moment als Orga-Leiter bei KulturPur 2016. BAP sollten auftreten, das Zelt war randvoll, aber gut fünf Minuten vor Showbeginn um 21 Uhr gingen – „trügerisches Zeichen“ – die Notbeleuchtungen an. Fehler in einem Aggregat, Stromausfall. Hinter der Bühne hieß es trotz Adrenalinschüben kühlen Kopf bewahren, Reden mit dem Management (die gaben den Veranstaltern 45 Minuten), Techniker koordinieren: „Ein Wettlauf gegen die Zeit“ war das, immer mit der Frage im Kopf: „Was machen wir, wenn wir das nicht mehr hinbekommen?“ Haben sie aber, kurz vor knapp. „Da ist schon ein wenig Schweiß geflossen“, sagt von Heyden, „das hat mich nicht kaltgelassen“. Die ersten Kölsche Tön wird niemand so gern gehört haben wie er.

Autor:

Regine Wenzel (Redakteurin) aus Siegen

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