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Mary Bauermeister kommt 1995 in Siegen zu spät zur eigenen Vernissage
Auf der Suche nach Steinen …

Ihre Linsenobjekte sind nicht nur optische „Spielerei“, sondern Spiel mit der Weltsicht … Mary Bauermeister ist am Montagabend mit dem ersten Kunstpreis des Landes NRW ausgezeichnet worden.
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  • Ihre Linsenobjekte sind nicht nur optische „Spielerei“, sondern Spiel mit der Weltsicht … Mary Bauermeister ist am Montagabend mit dem ersten Kunstpreis des Landes NRW ausgezeichnet worden.
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gmz - Der erste Kunstpreis des Landes NRW geht an die Rösrather Künstlerin Mary Bauermeister.
gmz/sz Siegen/Düsseldorf.  Die Vernissage-Gäste warten. „Die kommt doch nie zu Ausstellungseröffnungen!“, heißt es am 26. April 1995, abends um kurz nach 18 Uhr. Doch die Organisatoren der umfangreichen Mary-Bauermeister-Ausstellung „Licht und Erde“ im neuen ETL-Sarx-Gebäude an der Leimbachstraße Siegen zeigen sich zuversichtlich: "Sie hat zugesagt, dass sie kommt!" Also wartet man mit der Eröffnung, 30 Minuten, eine Stunde. Die Gäste werden unruhiger …
Und dann, mit anderthalb Stunden Verspätung, trifft der Ehrengast doch noch ein: Mary Bauermeister erscheint zur Eröffnung ihrer Ausstellung in Siegen.

gmz - Der erste Kunstpreis des Landes NRW geht an die Rösrather Künstlerin Mary Bauermeister.
gmz/sz Siegen/Düsseldorf.  Die Vernissage-Gäste warten. „Die kommt doch nie zu Ausstellungseröffnungen!“, heißt es am 26. April 1995, abends um kurz nach 18 Uhr. Doch die Organisatoren der umfangreichen Mary-Bauermeister-Ausstellung „Licht und Erde“ im neuen ETL-Sarx-Gebäude an der Leimbachstraße Siegen zeigen sich zuversichtlich: "Sie hat zugesagt, dass sie kommt!" Also wartet man mit der Eröffnung, 30 Minuten, eine Stunde. Die Gäste werden unruhiger …
Und dann, mit anderthalb Stunden Verspätung, trifft der Ehrengast doch noch ein: Mary Bauermeister erscheint zur Eröffnung ihrer Ausstellung in Siegen.

Bauermeister erhält ersten NRW-Kunstpreis

Am gestrigen Abend wurde ihr der neu etablierte und mit 25000 Euro dotierte Kunstpreis des Landes NRW in einem Festakt im K 21 in Düsseldorf für ihr Gesamtwerk verliehen. Die Jury begründete die Auszeichnung der 87-Jährigen, deren Kölner Atelier in den frühen 1960ern ein Treffpunkt für die (Fluxus-)Künstler der Zeit und eine Keimzelle für die Fluxus-Kunst war, wie folgt: „Das Werk von Mary Bauermeister hat über den rheinischen und deutschen Kontext hinaus Weltgeltung erlangt. Sie hat Kunst und Leben immer miteinander verbunden und in ihrer künstlerischen Praxis transdisziplinär gearbeitet, lange bevor dies zu einer theoretischen Kategorie der Kunst wurde. Hoch engagiert in der Förderung des künstlerischen Nachwuchses ist Mary Bauermeister inzwischen das, was man einen ‚artist’s artist‘ nennt: eine Künstlerin, die nachfolgende Generationen von Künstlerinnen und Künstlern prägt und inspiriert. Mit dem Kunstpreis 2021 möchten wir dieses herausragende, jahrzehntelange Schaffen würdigen. Ich gratuliere Frau Bauermeister sehr herzlich zu der Auszeichnung“, so Ministerpräsident Hendrik Wüst laut Mitteilung. Er sollte ihr den Preis auch überreichen.

Auf der Suche nach Steinen ...

Doch zurück zur Ausstellung in Siegen: Inge Thomsen, die die Ausstellung damals organisiert hat, erläutert, warum die Künstlerin damals zu spät kam: Mary Bauermeister fuhr von ihrem Haus in Rösrath-Forsbach (das mit dem märchenhaften Garten) an der Sieg entlang nach Siegen und hielt immer wieder an, um am Siegufer nach besonderen Steinen Ausschau zu halten. Mary Bauermeisters Steinbilder sind schließlich eines ihrer Markenzeichen, von denen auch einige in der, wie Inge Thomsen sagt, erfolgreichen Schau in Siegen zu sehen waren: „Kleine“, „Große“ und „Zeitlose Steinbilder“ waren dabei.

Mythische Urkräfte

In ihrer Kunst, die „Urkräfte in mythischen Formen“ sichtbar macht, wie die SZ damals über die Schau sagte, geht es um das Zusammenspiel verschiedener Naturkräfte, menschlicher Gestaltungsformen und religiöser Vorstellungen. Es geht der spirituell denkenden Künstlerin auch um synästhetische Erfahrung von Klang und Bild (die Noten ihres Lebensgefährten Stockhausen setzte sie in Bildern um). Es geht um die Bedeutung von Licht oder Dunkel im Kontext religiöser Verehrung oder religiöser Erkenntnis- oder Umwandlungsprozesse: Licht, auch in seiner technischen Form, ist wesentlicher Bestandteil ihrer Kunst.

Malen mit Licht

 Insofern ist es auch nicht verwunderlich, dass Mary Bauermeister Inge und Christian Thomsen sofort zusagte, bei ETL Sarx Elektrogroßhandel auszustellen, als Thomsens und der damalige, kunstaffine Sarx-Geschäftsführer Fraenkel sie ansprachen, die geplante Ausstellungsreihe „Licht – Technik – Kunst“ zu eröffnen. Eine Fortsetzung der Reihe kam dann aber wegen Veränderungen in der Geschäftsführung nicht zustande. Thomsens kannten Mary Bauermeister unter anderem durch deren Tochter Julika, die bei der Performance „in medias Rubens“ 1991 in den Räumen tanzte, die einmal das Lÿz werden sollten.
Natur- und Architekturbezogenheit sind Themen, die damals so aktuell waren, wie sie heute sind, wie Christian Thomsen in seiner Einführung damals sagte. Sie „vereint in ihrem Lebenswerk Kultur und Natur, Musik, Literatur und bildende Kunst, Himmel und Erde, weite Welt und heimische Scholle“, schreibt Kulturredakteurin Regine Wenzel in der SZ am 28. April 2012 zur Bauermeister-Ausstellung im Frauenmuseum Bonn.

Die "Welt" im Fokus der Linsen

Und wer Mary Bauermeisters inzwischen sehr gesuchte Linsenobjekte kennt, weiß, wie sehr das Spiel der Linse unseren Blick schärfen könnte, eine optische und gedankliche Herausforderung für Auge und Vorstellungskraft darstellt: Sie nehmen die Anliegen der Welt auf der anderen Seite der Linse in den Fokus, verwandeln sie in Poesie, in Licht, in architektonische Strukturen, vielleicht auch in Klang.
Jungen Künstlerinnen und Künstlern gibt sie immer den Rat: „Macht, was ihr wollt.“ „Experimentierfreude, unbedingte Offenheit und interdisziplinäres Wirken“ zeichnen Bauermeisters Werk aus, heißt es aus dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft, das auch fünf Förderpreise für junge Künstlerinnen und Künstler aus den Sparten Baukunst, Darstellende Kunst, Literatur, Musik sowie Visuelle Künste vergibt.

Ihre Linsenobjekte sind nicht nur optische „Spielerei“, sondern Spiel mit der Weltsicht … Mary Bauermeister ist am Montagabend mit dem ersten Kunstpreis des Landes NRW ausgezeichnet worden.
Steinbilder und -objekte sind integraler Bestandteil von Bauermeisters künstlerischem Repertoire.
Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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