SZ

Prof. Carsten Wiebusch an der Martini-Orgel
Auftakt zu 27. Siegener Orgelwochen

Prof. Carsten Wiebusch eröffnete mit „Choräle verschiedenster Art“ fulminant die 27. Siegener Orgelwochen.
  • Prof. Carsten Wiebusch eröffnete mit „Choräle verschiedenster Art“ fulminant die 27. Siegener Orgelwochen.
  • Foto: Isabel Lippitz
  • hochgeladen von Redaktion Kultur

lip Siegen. Schon lange hat man kein so veranstaltungsreiches Wochenende wie das vergangene mehr erlebt. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass am Samstagabend  nur knapp 30 Zuhörer das außergewöhnliche Orgelkonzert in der Martinikirche zur Eröffnung er 27. Siegener Orgelwochen erleben wollten. Der Solist, Carsten Wiebusch von der Frankfurter Musikhochschule, beeindruckt mit Preisen, weltweiten Konzertauftritten, CD-Einspielungen (Label Audite) und Rundfunk-Aufnahmen.
Dupré im Klang-KaleidoskopDas Programm, etwas tiefstapelnd „Choräle verschiedenster Art“ (nach Bachs Titel der „Schübler-Choräle“) genannt, war eine Zusammenschau barocker, romantischer und französischer Choralbearbeitungen im weitesten Sinne.

lip Siegen. Schon lange hat man kein so veranstaltungsreiches Wochenende wie das vergangene mehr erlebt. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass am Samstagabend  nur knapp 30 Zuhörer das außergewöhnliche Orgelkonzert in der Martinikirche zur Eröffnung er 27. Siegener Orgelwochen erleben wollten. Der Solist, Carsten Wiebusch von der Frankfurter Musikhochschule, beeindruckt mit Preisen, weltweiten Konzertauftritten, CD-Einspielungen (Label Audite) und Rundfunk-Aufnahmen.

Dupré im Klang-Kaleidoskop

Das Programm, etwas tiefstapelnd „Choräle verschiedenster Art“ (nach Bachs Titel der „Schübler-Choräle“) genannt, war eine Zusammenschau barocker, romantischer und französischer Choralbearbeitungen im weitesten Sinne. Marcel Duprés „Le monde dans l ´attente du Sauveur“ erwies sich als Kaleidoskop an Klängen, Harmoniewechseln und Stimmungen. Wie Carsten Wiebusch erläuterte, hat Dupré das auf einem gregorianischen Hymnus basierende Stück 1921 in Whanamakers Store in Philadelphia erstmals improvisierend aufgeführt. Die 39 Register der dreimanualigen Orgel samt Schwellwerk und Pedal waren in immer neuen Klang-Kombinationen zu hören. Von hellem Flötenton und gedämpften Zungenregistern bis zum lodernd grellen, vollen Werk erschien der Hymnus dynamisch und harmonisch verhüllt und umspielt.

Buxtehude, Nach und die Klang-Varoationen

In barockem Gewand, aber ebenso farbenreich und fantasievoll, hat Dietrich Buxtehude seine Choralfantasie „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ angelegt: ein „prachtvoll überbordendes Werk“, laut Carsten Wiebusch, virtuos von ihm dargeboten. Triosonaten sind die Bachschen „Sechs Choräle von verschiedener Art“, die mit strenger Kontrapunktik und großartiger Melodieerfindung gebaut sind. Drei ganz unterschiedliche Choräle spielte der Organist, teils in ungewöhnlichen Registrierungen. Herrlich und sehr flink das bekannte „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ BWV 645. „Meine Seele erhebt den Herren“ erklang in gedämpften Zungenregistern und mit dem Thema im tiefen Pedal.

Mendelssohn Bartholdy in neuen Klangfarben

Zum Träumen und Meditieren lud zunächst die Sonate Nr. 6 d-Moll „Vater unser im Himmelreich“ von Felix Mendelssohn Bartholdy ein. Das dreisätzige, choralumspielende lange Werk wurde von Carsten Wiebusch in ständig neue Farben, Tempi und Spielweisen gewandet und kulminierte nach rasanten Steigerungen in dem machtvollen Choral. Die aus dessen Anfangstönen gebildete Fuga, schweifend und ruhevoll, mündete in den lieblich leisen Schlussteil.

Franck und der expressive Klang

César Franck, nur 13 Jahre jünger als Mendelssohn, gibt sich in seiner „hemmungslos expressiven“ Tonsprache zwar als Bachverehrer zu erkennen, ist aber bereits viel moderner und freier von alten Vorbildern. Eine ganz eigenes Musikuniversum hat Olivier Messiaen geschaffen. Der gregorianische Choral in seiner rhythmisch freien, mittelalterlichen Melodik „Dieu est saint“ ist Inspirationsquelle, ebenso wie Vogelstimmen, die er für Vorbilder der alten Gesänge hält. So wie der Organist sie spielte, konnte man Zaunkönig, Amsel, Grasmücke und Buchfink tatsächlich erkennen. Gänzlich ins Schwärmen kann man geraten angesichts des Schlusses: Der „Choral varié sur le ,Veni creator‘“ von Maurice Duruflé war ein rauschhafter, oft dissonant alle Zungenregister kombinierender Abschluss.
Der lange Applaus wurde mit einer flotten Zugabe belohnt: einer eigenen Bearbeitung für Orgel: „Präludium D-Dur“ aus dem „Wohltemperierten Klavier“ von Bach.
Isabel Lippitz

Autor:

Redaktion Kultur

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen