Literaturnobelpreis für Olga Tokarczuk
Autorin hält Lesung in Siegen

Olga Tokarczuk

sz Siegen/Stockholm. Der (nachgeholte) Literaturnobelpreis für das Jahr 2018 geht an die polnische Schriftstellerin Olga Tokarczuk. Schon vor der Nachricht, die am Donnerstag in Stockholm verkündet worden ist, war klar, dass die Autorin am Freitag auf dem Weg zur Buchmesse in Frankfurt und im Rahmen einer großen Lesereise auch in Siegen haltmachen würde. Geplant war, dass sie ab 18 Uhr in der Villa Sauer am Obergraben 23 aus ihrem bislang größten und vielleicht bedeutendsten Werk „Die Jakobsbücher“ lesen sollte. Augenblicklich klärt die veranstaltende Universität Siegen, ob die Lesung möglicherweise in einem größeren Raum stattfinden kann.

Dr. Natasza Stelmaszyk moderiert

Die Lesung wird in Kooperation von "Polonica nova", einer Lesereihe mit polnischer Literatur, der Stabstelle für Wissenschaft in der Stadt der Universität Siegen und der Philosophischen Fakultät der Uni Siegen veranstaltet. Der Eintritt ist frei. Als Moderatorin und Dolmetscherin fungiert Dr. Natasza Stelmaszyk ("Polonica nova"). Die deutsche Übersetzung des Buches liest Anna Maria Weber.

Tokarczuk hat schon einmal in Siegen gelesen

Olga Tokarczuk stand mehrfach auf der Gästeliste der Siegener Literaturwissenschaftlerin Dr. Natasza Stelmaszyk. Drei Mal habe sie Tokarczuk schon nach Siegen eingeladen, zwei Mal habe diese kurzfristig absagen müssen, berichtete Stelmaszyk auf Anfrage der Siegener Zeitung. Beim ersten Mal wegen des Man-Booker-Preises, beim zweiten Mal wegen des Book Award, für den sie nominiert war. Nun komme sie an diesem Freitag nach Siegen, just am Tag nach der Literaturnobelpreis-Bekanntgabe. Allerdings, so Stelmaszyk, sei Tokarczuk vor zehn Jahren schon einmal in Siegen gewesen, damals im Rahmen einer „langen Nacht der polnischen Literatur“. Sie selbst sei nicht überrascht davon, dass die Polin nun mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet werde. In ihrer Promotion hat Stelmaszyk „untersucht, wie neue Autoren aus Polen nach der Wende in Deutschland rezipiert wurden“. Zu diesen Literaten habe auch Olga Tokarczuk gehört – und sie nachhaltig beeindruckt. Ihre Texte träfen „auf den Punkt genau in unsere Zeit“.

Preisgekrönt: "Die Jakobsbücher"

Olga Tokarczuk wurde 1962 in Sulechów geboren. Sie studierte Psychologie in Warschau und lebt heute in Breslau und in den polnischen Bergen. Ihr nun in deutscher Übersetzung erschienener, preisgekrönter Roman „Die Jakobsbücher“ handelt von der historischen Figur Jakob Frank. Als Anführer einer mystischen Bewegung will er seinem Volk, den osteuropäischen Juden, den Eintritt in die Moderne ermöglichen. „Die Geschichte von Jakob Frank ist so erstaunlich, dass man es kaum glauben kann, dass sie tatsächlich geschehen ist“, sagt Olga Tokarczuk selbst.  Die Autorin zeichnet hier das vielseitige Porträt eines kontroversen Protagonisten und zeigt reale und fiktive Einblicke in die krisenhafte Lebenswirklichkeit an der Schwelle zu unserer Zeit. Es ist ein europäischer Groß-Roman, der uns einen Spiegel vor Augen hält.

Appell an unsere Vernunft

„Die Jakobsbücher“ ist ein historischer gut recherchierter Roman, der aber vor allem von unserer Gegenwart erzählt. Tokarczuk zeigt uns, wer wir sind, woher wir kommen und was uns auch heute ausmacht. Die Psyche der Protagonisten wie auch die der Leser spielen in ihren Werken eine besondere Rolle. Doch ihr geht es nicht nur um die Menschen – ihre Werke sind auch ein starkes ökologisches Manifest und ein Appell an unsere Vernunft. Über nicht immer leichte Themen spricht sie in einer zugleich starken wie auch sehr poetischen, schönen, wohltuenden und hypnotisierenden Sprache. Sie selbst ist ein aufmerksamer Zuhörer und ein angenehmer, publikumsnaher Gesprächspartner.

Olga Tokarczuk schon mehrfach ausgezeichnet

Einige von Olga Tokarczuks international ausgezeichnete Romanen (u. a. Man Booker International Prize, polnischer Nike-Literaturpreis, Brücke-Berlin-Preis) wurden in 25 Sprachen veröffentlicht und sorgen auch aufgrund ihrer gesellschaftskritischen Aussagen immer wieder für Aufsehen. Dass mit Olga Tokarczuk eine Literaturnobelpreisträgerin nach Siegen kommt, würdigt die Stadt: Die Autorin darf sich ins Goldene Buch eintragen.

Autor:

Redaktion Kultur aus Siegen

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