Schauspieler hat autobiografischen Roman geschrieben
Axel Milberg spricht über "Düsternbrook"

Axel Milberg hat mit "Düsternbrook" einen autobiografischen Roman geschrieben.

la München. Es ist keine Autobiografie, die der Schauspieler Axel Milberg, den Fernsehzuschauern vor allem als Kieler „Tatort“-Kommissar Klaus Borowski bekannt, mit „Düsternbrook“ geschrieben hat. Es ist eher ein Roman mit biografischen Zügen, der da spielt, wo er geboren wurde: im Kieler Viertel „Düsternbrook“. Wo er aufwuchs mit seinen Geschwistern Hans und Manuela, wo er die Stadt an der Förde oft allein und mit Freunden erkundete. Die Mutter Ärztin, der Vater Rechtsanwalt, dessen Kanzlei-Werbespruch „Kannst du deine Frau nicht leiden, geh‘ zu Milberg, lass dich scheiden“ schmal und lang über den Seitenfenstern der Kieler Straßenbahn klebte.

Entdeckt von Dieter Dorn

Eine Stadt, die ihm zu eng wurde, bevor er nach München zog und von 1979 bis 1981 an der Otto-Falckenberg-Schule das Schauspielstudium absolvierte. Wo er von Dieter Dorn entdeckt, an die Münchener Kammerspiele engagiert wurde und die nächsten 15 Jahre fast ausschließlich Theater spielte, bevor er zu einem der gefragtesten Kino- und TV-Schauspieler in Deutschland wurde. Jetzt, fast 40 Jahre später, hat er den nötigen Abstand zu seiner Geburtsstadt. „Ich habe“, sagt Milberg, „damals meine Heimat fast wie eine Wüste empfunden. Wenig Ermutigung, keine künstlerische Welt, alles war sehr weit weg von der Hafenstadt an der Ostsee mit den langen Wintern.“ In seinem Roman ist er wieder Kind, pubertierender Jugendlicher, frisch verliebter Student.

Axel Milberg: „Ich habe eher auf andere geblickt, beim Erinnern, beim Schreiben, beim Finden.“

Hat er nicht befürchtet, bei einem autobiografischen Roman (erschienen bei Piper) zu viel von sich selbst preiszugeben? „Ich bin überzeugt“, sagt Milberg, „dass nur das wirklich Persönliche andere erreichen kann. Ich meine nicht das Private, sondern das unverwechselbare Persönliche.“

Axel Milberg: "Erinnerungen trügen

Wenn man „Düsternbrook“ liest und sich einfindet, dann sieht man Axel Milberg vor sich. Der Mann, der so etwas Verschmitztes an sich hat, bei dem man sich immer nicht ganz sicher ist: Ist die Antwort ironisch gemeint oder nicht? Doch zurück zur Ernsthaftigkeit. Der Münchner sagt auf die Frage, was in dem Roman Fiktion und was Realität ist: „Ich weiß es nicht. Es bringt auch nichts, es zu trennen. Selbst die Erinnerungen trügen ja. Auch Erfindungen sind Interpretationen, und es stellt sich immer beim Schreiben die Frage: Was lasse ich weg, was betone ich, wo stelle ich mich selber hin? Und welche Sprache spreche ich?“ Die bürgerliche Welt, aus der viele kommen, aber über die man nur wenig hört, die beschreibt Milberg. „Es wird immer an den extremen Rändern der Gesellschaft gesucht, bei den Superreichen und den Opfern und Ausgegrenzten. Das ist sicher auch gut so, aber die glitzernde, laue Welt des Mittelstandes, der Bildungsschicht, beherbergt auch alles. Da fehlt das Extreme ebenso wenig wie die Sehnsucht oder das Trauma. Und das zeige ich: Seht mal, so was passierte damals oder trug uns aus der Kurve.“

Gerade entsteht ein neuer "Tatort"

Axel Milberg steht augenblicklich für eine neue „Tatort“-Folge vor der Kamera, hat das Fernsehspiel „Nordholm“ abgedreht, weitere Folgen der NDR-Kultserie „Neues aus Büttenwarder“ und die Fortsetzung von „Meister des Todes“, einem Film über die Verstrickungen der deutschen Waffenindustrie in globale Kriege.
Trotz der Präsenz – hat er keine Befürchtung gehabt, in die Schublade „Noch ein Promibuch“ gesteckt zu werden? Milberg: „Ich finde das Wort ,Promi‘ schlimm. Es ist irgendwie altmodisch und vorbei.“

Milberg begegnete dem Weltstar Fröbe

In „Düsternbrook“ beschreibt Axel Milberg viele kleine Geschichten seiner Kinder- und Jugendzeit. Sei es der Besuch von Erich von Däniken in der Schule, der über Außerirdische sprach, oder seine Begegnung mit Gert Fröbe, dem Weltstar, der in Kiel gastierte. „Dem zu begegnen als Abiturient, war verrückt. Und wirkte lange nach.“ In der Garderobe gab Fröbe dem jungen Kieler einen zentralen Satz mit auf den Weg: „Du kannst es schaffen, wenn du wirklich willst.“ Und ermutigte ihn, Schauspieler zu werden.  Milberg ist ein sehr pointierter und humorvoller Erzähler, mit einem Blick für das Detail im familiären Kosmos. Vielleicht ein Erbe seines Großvaters, der ihn immer „mein kleiner Murkelmeier“ nannte.

Autor:

Jörg Langendorf aus Siegen

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