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Friedrich Gauwerky spielte in Martinikirche Werke für Violoncello
Bach trifft neue Musik

Friedrich Gauwerky spielte live und im Stream in der Martinikirche Werke für Violoncello solo zum Thema „Der Glaube“, teils sogar mit zwei Bögen!
  • Friedrich Gauwerky spielte live und im Stream in der Martinikirche Werke für Violoncello solo zum Thema „Der Glaube“, teils sogar mit zwei Bögen!
  • Foto: Isabell Lippitz
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lip Siegen. Wer nach der langen Lockdown-Pause endlich wieder ein Konzert live erleben wollte, konnte dies am Samstagabend in der Siegener Martinikirche tun. Allerdings waren die drei bekannten GGG-Hürden  zu überwinden, so dass doch nur 28 Menschen die mit 500 Stühlen perfekt coronamäßig neu ausgerichtete Kirche „füllten“. Zu Hause konnte man im Livestream das vom Bach-Chor Siegen veranstaltete Konzert ebenfalls erleben, das unter dem Titel „Der Glaube: Spiritualität und Andacht“ Werke von Bach mit neuer Musik verband. Kantor Peter Scholl zeigte sich in seiner Begrüßung hocherfreut, mit diesem Konzertformat wieder ein Stück Normalität zurückzugewinnen und mit dem Cellisten Friedrich Gauwerky einen großartigen Interpreten verpflichtet zu haben.

lip Siegen. Wer nach der langen Lockdown-Pause endlich wieder ein Konzert live erleben wollte, konnte dies am Samstagabend in der Siegener Martinikirche tun. Allerdings waren die drei bekannten GGG-Hürden  zu überwinden, so dass doch nur 28 Menschen die mit 500 Stühlen perfekt coronamäßig neu ausgerichtete Kirche „füllten“. Zu Hause konnte man im Livestream das vom Bach-Chor Siegen veranstaltete Konzert ebenfalls erleben, das unter dem Titel „Der Glaube: Spiritualität und Andacht“ Werke von Bach mit neuer Musik verband. Kantor Peter Scholl zeigte sich in seiner Begrüßung hocherfreut, mit diesem Konzertformat wieder ein Stück Normalität zurückzugewinnen und mit dem Cellisten Friedrich Gauwerky einen großartigen Interpreten verpflichtet zu haben.

Gauwerky: ein international renommierter Cellist

Gauwerky ist in zahlreichen Konzerten des Siegener Studios für Neue Musik aufgetreten und als Cellist weltweit solistisch tätig. In Hamburg aufgewachsen, war er Student und Assistent von Siegfried Palm. Er hat bei vielen Rundfunk-, CD- und Fernsehproduktionen mitgewirkt, hat an Hochschulen und Universitäten, u .a. in Köln (seit 1978), London, Kalifornien und Adelaide (Australien) gelehrt und ist neben barocker, klassischer und romantischer Musikinterpretation   gefragt als Spezialist für neue und neueste Musik.

Bachs "Suite für Cello": eine Innovation 

Applaus, ein lange vermisstes Geräusch, empfing den Interpreten. Die sechs Sätze der vor 300 Jahren entstandenen „Suite für Violoncello solo Nr.1 G-Dur, BWV 1007“ von Johann Sebastian Bach ging der Cellist allesamt, mit Ausnahme der bedächtig schreitenden Sarabande, mit Emphase, Virtuosität und agogischer Flexibilität an. Die das ganze Werk durchziehenden Dreiklangbrechungen, mal tieftönend, mal sanft und hell, wechselten sich in „Prelude“ und „Allemande“ mit rasanten Läufen durch höchste Höhen und sonore Tiefen ab. Leichtfüßiger Dreiertakt in der "Courante", energisch und soft zugleich, die beiden "Menuette" huschend und zupackend, und eine sich rasant im Kreise drehende "Gigue" begeisterten: Großer Applaus auch nach der Darbietung!
Gauwerky betonte in seiner Moderation, dass es zu Bachs Zeiten nicht üblich war, das Cello als Solinstrument zu spielen und dass die Komposition deshalb als eine in Bachs tiefem Glauben verwurzelte Innovation zu werten sei. Pablo Casals hat 1911 die Suiten uraufgeführt.

Kurtág und "der Glaube"

„Az Hit“ (Der Glaube) ist der 1. Satz eines ursprünglich für Solosopran geschriebenen Werkes des ungarischen Komponisten György Kurtág (*1926) betitelt, das auf Texten des barocken Priesters Péter Bornemisza basiert. Gauwerky gab den gesanglichen Melodien, Doppelgriffen und Verzierungen Intensität und atmosphärische Dichte.

Heyn und unerhörte Klänge

Faszinierende Eigenart besaß das nächste Stück „Blues in B-flat“ von Volker Heyn (*1938). Gauwerky musste sein Cello umstimmen: drei Saiten auf den Ton b in Oktavabständen, eine Saite auf f. Das zehnminütige Stück bestand fast nur aus langen Einzeltönen, durch abrupte, geräuschhafte Forteakzente unterbrochen und mit subtilen, irisierenden Obertoneffekten durchsetzt. Mit zwei Bögen streichend, klopfend, kratzend, zupfend und rutschend entstanden wahrlich unerhörte, verzaubernde Klänge. Die Zuhörer dankten mit langem Klatschen.

Sculthorpes "originäre australische Tongebung"

Den australischen Komponisten Peter Sculthorpe (1929–2014) lernte Gauwerky während seiner Lehrtätigkeit in Adelaide kennen. Dessen „Requiem“ ist laut Gauwerky von „originärer australischer“ Tongebung. Die sechs Sätze boten Raum für blühende Melodik, dunkelgründige Mehrstimmigkeit und virtuose Läufe. Der Cellist ließ die traurig klagenden Teile ("Kyrie", "Lacrimosa", "Libera me")  und die ätherisch verklärten Sätze ("Qui Mariam", "Lux aeterna") mit allen cellistischen Raffinessen und mit wunderbar süffigem Ton zu einem eindrucksvollen Konzertabschluss werden.
Isabell Lippitz

Autor:

Redaktion Kultur

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