Zwei Tanzgalas im Apollo-Theater
Ballettschule Meister und die Passion des Tanzes

Zum Finale, dem ornamental getanzten Walzer aus dem Delíbes-Ballett „Coppélia, das Mädchen mit den Glasaugen“, trugen die Elevinnen neue Kostüme, vom Förderverein „Rhythmen der Freundschaft“ der Ballettschule Meister angeschafft.
  • Zum Finale, dem ornamental getanzten Walzer aus dem Delíbes-Ballett „Coppélia, das Mädchen mit den Glasaugen“, trugen die Elevinnen neue Kostüme, vom Förderverein „Rhythmen der Freundschaft“ der Ballettschule Meister angeschafft.
  • Foto: Ballettschule
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

ne Siegen. Dass Siegen so recht eigentlich eine Stadt des Tanzes ist, drängt sich nicht sofort und jedem auf, wenn irgendwo von Siegen gesprochen wird. In der nationalen Tanzszene allerdings schon, denn dass in der Krönchenstadt gleich ein paar gute Schulen zu Hause sind, betont, wie sehr eine gute Körperbildung geschätzt wird an der Sieg. Und dass Tanzen Leidenschaft ist, unterstrich am Wochenende (der Rezensent besuchte die Gala am Samstagabend) Werner Hahn, Leiter der Veranstaltungsreihe „Junges Apollo“ (JAp), der als Moderator zweimal einen fast ausverkauften Apollo-Saal begrüßen konnte und charmant durch das gut zweieinhalbstündige Programm führte. Hahn versprach zu Recht eine unterhaltsame, bunte Schau der Spitzenleistungen und schwärmte von der „puren Passion des Tanzes“. Nur kurz ging er auf die wieder große Ernte der Schule bezüglich nationaler und internationaler Preise ein (die SZ berichtete ausführlich) – und unterbrach die fulminante Revue der wirbelnden Körper gelegentlich, um Mitarbeiterinnen der Schule kurz vorzustellen, um neugierig auf kommende Tänze zu machen, aber auch die viele ehrenamtliche Arbeit zum Beispiel des Kostümschneiderns hervorzuheben und den Förderverein, den Freundeskreis der seit 2005 in Weidenau ansässigen Schule, vorzustellen.

Begabtenförderung in der Ballett-Meister-Schule

Den Reigen der 36 Programmpunkte eröffnete die Modern-Gruppe der Tanz- und Sonderpädagogin Kathrin Ising, die Stücke „Infra“ und „Gypsy Train“ leiteten die beiden Programmhälften ein: präzise die Synchronizität der Tänzerinnen, voller Elan die Bewegungen, die Körperspannungen emphatisch, dass man den Spaß am Tanz glauben konnte. Und sehen. Danach dann ein Nationaltanz der ganz Kleinen, bevor mit „Progresso“, getanzt von Diana Mertin, wieder eine mehrfach preisgekrönte Choreografie der ehemaligen Meister-Schülerin Valeria Schulz, die mittlerweile ein Profistudium an der Hochschule für Tanz und Darstellende Kunst in München absolviert, das Publikum verzauberte. Begabtenförderung also ist auch das Metier von Larissa Meister und Igor Michailov. Evelyn Pogorazdov ist eine so eine junge begabte Elevin, und die noch nicht vierzehnjährige Luz Vetter, die eine schöne „Laurencia“ tanzte, eine freche Jazzdance-Choreo in „I love Paris“ oder ganz erdverbunden modern und existentialistisch im Pas de deux mit Evelyn Pogorazdov als „Lost Sisters“: grandios.

Streetdance und klassische Ausbildung - beides geht

Die Ballettschule Larissa Meister bildet ihre Elevinnen in vielen unterschiedlichen Tanzstilen aus, neben Modern und Streetdance auch Jazzdance und Hip-Hop, dann die von Tanzpädagogin Natalia Malan einstudierten und vielfach preisgekrönten National- und Charaktertänze, die auch im Apollo-Theater stets begeistertes Publikum generieren. Doch unersetzbare Basis ist die klassische Ausbildung russischer Schule, sind Körper- und Muskelaufbau, die festen Schritte, die allen Tänzerinnen und Tänzern die Türen zu individuellem Ausdruck und beruflichem Erfolg öffnen. Evelyn Satanowski verzauberte als klassische „Sylphide“, Lea-Sophie Muth in „La Byjadera“ und Evelyn Pogorazdov im „Tanz mit den Glöckchen“: schöne Schrittfolgen, elegante, harmonische Armbewegungen, erstaunliche „grands jetés“ und wirbelnde Fouettés en tournant. Alessia Zuev, Annelie Fleck, Eva Chadt, Clara Heisterkamp und Marie-Sophie Schnorrenberg sind Schülerinnen, die ihr Potential in adretten Soli oder feinem Pas de trois deutlich machten.

Valeria Schulze kam extra aus München

Diana Mertin kann auch Choreografie – Larissa und Igor unterstützen die Ambitionen ihrer Elevinnen zur Gestaltung eigener Ballette: Mertin überrascht mit perfektem Solo in der lustigen Choreografie „Hühnerhof“ mit 28 kleinen „Küken“. Ein professioneller Höhepunkt war kurz vor dem farbenfrohen Finale der rund 200 Schülerinnen und Schüler die auf luziden Mozart choreografierte zeitgenössische Tanzperformance von der aus München angereisten Valeria Schulze mit Tanzpartner Stefane Meseguer Alves: Da konnte man nur staunen und mit Freude sehen, wohin eine gute Tanzschulausbildung führen kann – zu ästhetisch und intellektuell auf der Höhe des künstlerischen Diskurses stehenden Darbietungen feinsten Niveaus. Applaus, Applaus.

Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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