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Thomas Baumgärtel findet am Museum für Gegenwartskunst keinen „Bananenort“
Banane bleibt in der Spraydose

Die Fassade am Haupteingang des Museums für Gegenwartskunst sei eine architektonische Setzung von Architekt Josef-Paul Kleihues. Man könne nicht einfach in sie eingreifen mit einer Spray-Aktion, so Museumsleiter Thomas Thiel. Auch nicht mit Baumgärtels gesprayter Banane.
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  • Die Fassade am Haupteingang des Museums für Gegenwartskunst sei eine architektonische Setzung von Architekt Josef-Paul Kleihues. Man könne nicht einfach in sie eingreifen mit einer Spray-Aktion, so Museumsleiter Thomas Thiel. Auch nicht mit Baumgärtels gesprayter Banane.
  • Foto: Axel Williams
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gmz - Der „Bananensprayer“ und der Leiter des Museums für Gegenwartskunst haben unterschiedliche Vorstellungen von der Aktion.
gmz Siegen.  Der „Bananensprayer“ war unterwegs: Am Freitag vor einer Woche (wir berichteten) hat Thomas Baumgärtel an verschiedenen Orten in der Region seine Bananen gesprayt. Die mit der Schablone gesprühten Früchte, die ein wenig an Andy Warhols „Velvet-Underground-Banana“ erinnern, finden sich an mehr als 4000 Kulturorten in Deutschland und auch weltweit meist rechts neben dem Haupteingang. Sie sind Zeichen seiner Wertschätzung für die kulturelle Arbeit.
Seit 1995 nutzt Baumgärtel in seinem Werk das Bild der "Banane"Die Banane taucht in Baumgärtels Werk seit 1995 immer wieder auf.

gmz - Der „Bananensprayer“ und der Leiter des Museums für Gegenwartskunst haben unterschiedliche Vorstellungen von der Aktion.
gmz Siegen.  Der „Bananensprayer“ war unterwegs: Am Freitag vor einer Woche (wir berichteten) hat Thomas Baumgärtel an verschiedenen Orten in der Region seine Bananen gesprayt. Die mit der Schablone gesprühten Früchte, die ein wenig an Andy Warhols „Velvet-Underground-Banana“ erinnern, finden sich an mehr als 4000 Kulturorten in Deutschland und auch weltweit meist rechts neben dem Haupteingang. Sie sind Zeichen seiner Wertschätzung für die kulturelle Arbeit.

Seit 1995 nutzt Baumgärtel in seinem Werk das Bild der "Banane"

Die Banane taucht in Baumgärtels Werk seit 1995 immer wieder auf. Im vergangenen Jahr reagierte er mit der „Impfbanane“ auf den Einsatz von Menschen und Einrichtungen für das Impfen als wirksamem Schutz gegen das Coronavirus, wie am Weidenauer Marienheim. Aber auch „normale“ Bananen sprayte er neben die Eingänge etlicher Kultureinrichtungen der Region. Darunter sollte auch das Museum für Gegenwartskunst Siegen sein, wie in der Mitteilung zur Aktion zu lesen war. Doch dazu kam es nicht, wie Baumgärtel in einem Instagram-Post und einer anschließenden Pressemitteilung moniert. MGKSiegen-Leiter Thomas Thiel hatte, wie er auf Nachfrage der SZ sagte, im Vorfeld mit Thomas Baumgärtel über die Aktion gesprochen, allerdings nie konkret über den Ort. Ihm sei nicht bewusst gewesen, so Thiel weiter, dass Baumgärtel nur einen Ort neben dem Haupteingang für seine Aktion akzeptiere. Das sei im Vorfeld auch so nicht kommuniziert worden.

Thiel: Museumsfassade nicht geeignet

Da es sich bei der Fassade des Museums für Gegenwartskunst aber um eine „architektonische Setzung“ von Josef Paul Kleihues handelt, mit der der Architekt den Haupteingang und die Situation von altem Telegrafenamt und Schlossplatz städtebaulich akzentuierte, könne man dort nicht ohne weiteres eingreifen. Deshalb habe er, Thiel, mit der Stadt als Gebäude-Verantwortlicher vor der Ankunft Baumgärtels zwei Alternativen abgestimmt: einmal am ehemaligen Haupteingang an der Alten Poststraße oder links neben dem jetzigen Haupteingang, aber „um die Ecke“, sodass die Banane von Besuchern, die von der Alten Poststraße zum Museum gehen, gesehen wird. Die Abstimmung sei allerdings nicht mit dem Künstler erfolgt, so Thiel.

Unterschiedliche Blickwinkel und Beurteilungen

Als Thomas Baumgärtel vergangene Woche seine Aktion durchführen wollte, stand „unglücklicherweise“, so Thiel, ein Baucontainer vor dieser Stelle links neben dem Eingang, sodass der Graffiti-Künstler diesen Ort in seinem Post als „um die Ecke an einem Müllcontainer“ empfand, den ehemaligen Haupteingang, der durchaus prominent wahrzunehmen ist, als „Rückeingang“. „Ich hatte erwartet, dass ein Museumsdirektor mein Spraybananen-Projekt an Fassaden von Kunstorten kennt, oder sich vor dem Termin wenigstens darüber informiert“, fährt Thomas Baumgärtel in seinem Post fort. Im SZ_Gespräch sagt Baumgärtel, das er sich „komisch behandelt“ fühlte, so, als sei die „Banane“ eigentlich nicht erwünscht. Baumgärtel weiter: „Es muss ja auch niemand die gesprayte ,Banane‘ haben“, aber man habe die Aktion ja vereinbart. Und ob sich die Position „um die Ecke“ gut mache in dem Bildband, der zur Aktion erstellt wird?

"Banane blieb in der Dose"

Da keine Einigung auf die Schnelle möglich war, „blieb die Dose am Museum zu“, schreibt Thomas Baumgärtel. Man sei aber nicht im Streit auseinander gegangen, so der Siegener Museumsleiter. Thomas Baumgärtel schreibt in seinem Post, der in Auszügen auch als Pressemitteilung von MdL Jens Kamieth, der die „Bananen“-Aktion begleitet hat, verschickt wurde: „Wir (Baumgärtel und Thiel, Anmerkung der Redaktion) sind so verblieben, dass Herr Thiel um Genehmigung fragt für die eigentliche Fassade und wir dann weiter schauen. Falls es dann gewünscht sein sollte, könnte ich es in nächster Zeit oder in ein paar Jahren, wenn ich wieder einmal in Siegen sein sollte, nachholen.“

Gute Lösung für alle finden

Dass diese Debatte jetzt im Netz geführt werde, so Thomas Thiel, wundere ihn doch sehr. Baumgärtel empfindet die Aktion am Museum im Nachhinein „merkwürdig“, hofft aber, dass doch „für alle eine gute Lösung" gefunden wird.

Die Fassade am Haupteingang des Museums für Gegenwartskunst sei eine architektonische Setzung von Architekt Josef-Paul Kleihues. Man könne nicht einfach in sie eingreifen mit einer Spray-Aktion, so Museumsleiter Thomas Thiel. Auch nicht mit Baumgärtels gesprayter Banane.
Rechts neben dem Eingang, am Sockel des Grafentrakts: Thomas Baumgärtels „Banane“ ziert auch das Siegerlandmuseum im Oberen Schloss.	So eine Banane hätte auch am Museum für Gegenwartskunst gesprayt werden sollen.
Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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