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Das MGKSiegen lässt die Siegerländer Fachwerkhäuser neu fotografieren
Begegnung mit Bechers

Der Fotograf Philipp Ottendörfer erstellt im Auftrag des Siegener Museums für Gegenwartskunst neue Aufnahmen der berühmten Becher-Häuser in Eiserfeld.
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  • Der Fotograf Philipp Ottendörfer erstellt im Auftrag des Siegener Museums für Gegenwartskunst neue Aufnahmen der berühmten Becher-Häuser in Eiserfeld.
  • Foto: René Traut
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gmz - Der MGKSiegen-Flyer zum "Rundgang Eisderfeld" wird digitalisiert und dabei um Infos erweitert.
gmz Eiserfeld.  Eigentlich sei es erstaunlich, sagt Nora Memmert, Forschungsvolontärin am Museum für Gegenwartskunst Siegen (MGKSiegen), dass die Siegerländer Fachwerkhäuser, die durch die Fotografien von Bernd und Hilla Becher Weltberühmtheit erlangt haben, nicht unter Denkmalschutz stünden. Bernd (mit regionalen Wurzeln) und Hilla Becher haben als Begründer der Düsseldorfer Fotoschule die riegellosen Siegerländer Fachwerkhäuser, die es als Haustyp nur in einem engen Umkreis um Siegen gibt, seit den späten 1950er-Jahren fotografiert und damit auch für die Nachwelt festgehalten.
Die große Serie wurde 1977 veröffentlicht („Die Fachwerkhäuser des Siegener Industriegebietes“).

gmz - Der MGKSiegen-Flyer zum "Rundgang Eisderfeld" wird digitalisiert und dabei um Infos erweitert.
gmz Eiserfeld.  Eigentlich sei es erstaunlich, sagt Nora Memmert, Forschungsvolontärin am Museum für Gegenwartskunst Siegen (MGKSiegen), dass die Siegerländer Fachwerkhäuser, die durch die Fotografien von Bernd und Hilla Becher Weltberühmtheit erlangt haben, nicht unter Denkmalschutz stünden. Bernd (mit regionalen Wurzeln) und Hilla Becher haben als Begründer der Düsseldorfer Fotoschule die riegellosen Siegerländer Fachwerkhäuser, die es als Haustyp nur in einem engen Umkreis um Siegen gibt, seit den späten 1950er-Jahren fotografiert und damit auch für die Nachwelt festgehalten.
Die große Serie wurde 1977 veröffentlicht („Die Fachwerkhäuser des Siegener Industriegebietes“). Sie nimmt das Einzelhaus mit allen (individualisierenden) Details in den Blick, bis hin zu den Bewohnern, die vereinzelt hinter einer Gardine erkennbar sind. Die Fotoreihe steht aber für das serielle, dokumentarische Herangehen, das einen Typus auslotet, eine Typologie dieses Hauses erstellt. Sie ist eine Dokumentation, die zu dem Zeitpunkt begonnen wurde, als der immer stärkere spürbare Strukturwandel in der Region auch einen Wandel im Umgang mit diesen Häusern einläutete.
Das Museum für Gegenwartskunst Siegen (MGKSiegen) zählt „Becher-Häuser-Tableaus“ zum Bestand der Sammlung des Hauses (die Fotografien wurden bereits zur Eröffnung präsentiert), mit einigen dafür neu abgezogenen Aufnahmen, die Bernd und Hilla Becher selbst aus ihrem Archiv ausgewählt haben. Die Siegener Präsentation stelle „die Essenz der Fachwerkhäuser“ dar, hat Hilla Becher einmal festgestellt, wie Pressesprecherin Stefanie Scheit-Koppitz im Gespräch mit der Kulturredaktion der SZ sagt.

Flyer führt in Eiserfeld zu Becher-Häusern

Vor drei Jahren haben die damalige Museumsleiterin Dr. Eva Schmidt und Stefanie Scheit-Koppitz einen Rundgang konzipiert, der anhand der Becher-Fotos zu den verbleibenden Fachwerkhäusern in Eiserfeld führt. Alt und neu werden in dem Flyer gegenübergestellt und mit Erläuterungen versehen. Dieser Flyer wird jetzt digitalisiert: Nora Memmert beschäftigt sich in ihrem Forschungsvolontariat, das vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW finanziert wird, mit den Themen Digitalisierung und Museum. Sie schafft eine Online-Version des Flyers, versieht ihn im Netz mit einer interaktiven Karte, weiteren Texten und Audios – und mit neuen Fotos.

Philipp Ottendörfer ist auf den Spuren der Bechers

Die macht derzeit der in Zürich lebende Fotograf Philipp Ottendörfer, der zum Beispiel auch eine Fotoserie „Synagogen in Deutschland“ erstellt hat. Für einen Fotografen sei es natürlich sehr interessant, sich auf die Spuren der Bechers zu begeben, betont er beim SZ-Gespräch, und „das noch einmal aufzunehmen, was die beiden vor 60 Jahren fotografiert haben“. Der im Foto festgehaltene Moment von vor 60 Jahren und der heutige begegnen sich. Er versuche, sagt Ottendörfer, wie Bechers damals auch einen etwas erhöhten Standpunkt einzunehmen (mit Hilfe eines ziemlich hohen Stativs), um das Haus nicht „überhöht“ scheinen zu lassen, fotografiert möglichst bei bedecktem Himmel (oder bei leichtem Regen: Bei Bechers gebe es auch Aufnahmen mit nassen Straßen) und beobachtet, wie durch die Wahl des Standpunkts der Horizont nach oben wandert. Dieses „kreative Nachstellen“ wirft Fragen auf: Wie hat sich die Fotografie in den vergangenen 60 Jahren verändert? Und wie nicht? In dieser Wiederbegegnung mit den 20 Häusern des Flyers werden der Fotograf und der Betrachter vor diese Frage gestellt.

Nora Memmert entwickelt ein Digitalkonzept

Nora Memmert, die in Bonn und Bochum Kunstgeschichte sowie Musik- und Theaterwissenschaft studiert hat und seit Juli 2020 ihr Volontariat beim MGKSiegen absolviert, stellt in ihrer digitalisierten Version des Rundgangs, die im Frühjahr online gehen soll, natürlich nicht nur die Becher-Bilder und die von Philipp Ottendörfer gegenüber. Sie gibt dem Betrachter weitere Informationen an die Hand, bzw. in den Mausklick. Schafft einen „Mehrwert“. Zu acht der Häuser im Rundgang (zu denen, die sich in der Sammlung des MGKSiegen befinden) wird es Podcasts geben, in denen sich der Online-Museumsgänger oder Eiserfeld-Rundgang-Schlenderer z. B. Informationen über die Besonderheiten der Häuser anhören kann: So weist das Haus an der Eiserntalstraße, das während des Pressetermins fotografiert wird, eine Art Mansardendach mit geschmückten Gaubenfenstern auf. Schmuckformen sind besonders an den Häusern entlang der Hauptstraßen zu finden, erläutert Nora Memmert. Außerdem wird sie Informationen anbieten über die Geschichte des Wohnens, über die einzelner Häuser, über die „Standpunktfindung“ der Fotografen Bernd und Hilla Becher, über Fragen des Denkmalschutzes, über die Wirkungsgeschichte der Bechers und anderes mehr.
Sie hat mit etlichen Hausbewohnern gesprochen, wurde, wie es Philipp Ottendörfer formuliert, „freundlich empfangen“: Die Bewohner wüssten um die Bedeutung der Häuser. So wie Fotograf und Museum. – Was macht also ein Museum in Zeiten von Corona? Ein Museum kümmert sich um seine Kunst. Innen wie außen.

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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