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Baustellenbesichtigung im Haus der Musik
Beste Arbeitsbedingungen für die Philharmonie Südwestfalen

Gleich doppelt tritt das Haus der Musik in der Siegener Oranienstraße in Erscheinung. Der Rohbau ist fertiggestellt, jetzt geht es an den Innenausbau.
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  • Gleich doppelt tritt das Haus der Musik in der Siegener Oranienstraße in Erscheinung. Der Rohbau ist fertiggestellt, jetzt geht es an den Innenausbau.
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gmz Siegen. Es riecht noch nach frischem Beton im Haus der Musik an der Siegener Oranienstraße. Überall wird gearbeitet, Dämmmaterial angebracht, Kabel werden verlegt…  Bei der Besichtigung der Baustelle muss man vorsichtig über die Leitungen für die Fußbodenheizung steigen, damit man nichts beschädigt. Man läuft durch den Rohbau wie durch das „Innenleben“ eines Hauses, das Innere, das später unter den Verkleidungen nicht mehr zu sehen sein wird.
Das Haus der Musik ist im Werden. Ende des Jahres, so Uwe Hübner von der Firma Bauwert, die die Projektleitung hat, soll das Haus bezugsfertig sein. Dann hat die Philharmonie Südwestfalen ein eigenes Probenhaus, was nicht viele Orchester in Deutschland zur Verfügung haben, weiß Uwe Hübner.

gmz Siegen. Es riecht noch nach frischem Beton im Haus der Musik an der Siegener Oranienstraße. Überall wird gearbeitet, Dämmmaterial angebracht, Kabel werden verlegt…  Bei der Besichtigung der Baustelle muss man vorsichtig über die Leitungen für die Fußbodenheizung steigen, damit man nichts beschädigt. Man läuft durch den Rohbau wie durch das „Innenleben“ eines Hauses, das Innere, das später unter den Verkleidungen nicht mehr zu sehen sein wird.
Das Haus der Musik ist im Werden. Ende des Jahres, so Uwe Hübner von der Firma Bauwert, die die Projektleitung hat, soll das Haus bezugsfertig sein. Dann hat die Philharmonie Südwestfalen ein eigenes Probenhaus, was nicht viele Orchester in Deutschland zur Verfügung haben, weiß Uwe Hübner. Einige haben ja auch einen festen Spielort, ein Stammhaus sozusagen, in dem sie auch ihr festes Quartier haben.

Der Traum von einem Probenhaus...

Viele der 130 Profi-Orchester in Deutschland, ergänzt Philharmonie-Intendant Michael Nassauer im SZ-Gespräch, haben aber auch „nur“ einen Probensaal mit einigen weiteren Räumen zur Verfügung. Ein eigenes Probenhaus zu haben sei schon etwas Besonderes, fügt er an. Er habe jetzt schon Anfragen von Kollegen, die ebenfalls diesen Traum vom eigenen Probenhaus hätten und sich anschauen wollten, wie das in Siegen aussieht. Und, ergänzt er, mit Blick auf den Umzug, viele Kollegen, Dirigenten oder Solisten, die in der kommenden Saison mit der Philharmonie auftreten werden, fragten nach, ob sie denn schon im neuen Haus probten oder noch in der Schützenhalle in Hilchenbach …  Das Haus, sagt er, sei also auch von Interesse in der Fachwelt.

Schützenhalle Hilchenbach bisheriges Domizil

Die heimische Philharmonie hat derzeit ihr Domizil bekanntermaßen in der Schützenhalle Hilchenbach. Dort ist ihr fester Probenort. Sie tritt im Apollo-Theater Siegen auf, spielt aber auch an vielen Orten in der Region, wie in Dahlbruch oder auch mal in Wilnsdorf, Bad Berleburg, Neunkirchen oder Iserlohn. In Hilchenbach, wo sich die Musiker die Räumlichkeiten mit den Schützen teilen, sind, so praktisch die Lösung zunächst war, im Laufe der Jahre die Nachteile dieser gemeinsamen Nutzung immer deutlicher geworden. Zumindest für die Philharmonie (die SZ berichtete mehrfach).

Hoch, groß und luftig

Die Rückwand des Probensaals.

Wenn also ein eigenes Probenhaus gebaut wird – und das Haus ist nicht für Konzerte geplant, sondern nur für den Probenbetrieb – was benötigt ein Orchester? Welche Räume? Welche Arbeitsbedingungen?
Zunächst einmal einen Probenraum, sagt Uwe Hübner. Der liegt im neuen Gebäude in Richtung Weiß und ist über ein paar Stufen, die hinunterführen, von dem hellen, freundlichen Foyer (Eingang Oranienstraße) aus zu erreichen. Hoch, groß und luftig ist dieser Raum. Seine Bühne fasst ein 70-Personen-Orchester, kann auch einen 100-Stimmen-Chor vertragen oder ein weiteres Orchester, das bei Kooperationsprojekten dazu kommt, führt Michael Nassauer aus. Dann wird die Bühne erweitert.

Uwe Hübner verweist aufs Volumen

Im großen Probensaal liegt das Dämmmaterial, das an Wänden und Decke und Boden angebracht wird.
  • Im großen Probensaal liegt das Dämmmaterial, das an Wänden und Decke und Boden angebracht wird.
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Ein großes Orchester braucht auch einen großen Klangraum, so Uwe Hübner: „Musik hat auch etwas mit Volumen zu tun!“, betont er. Zum Volumen muss die bauliche Klangoptimierung kommen. Dabei wurden die Bauherren, die Stiftung Philharmonie Südwestfalen, von der Firma Peutz Consult in Düsseldorf beraten. Die spezielle Verkleidung bzw. die innere Schale des Raumes aus klangakustischen Elementen sorgt für den optimalen Ton, sodass die Musiker sich hören können, aber nicht erdrückt werden vom Spiel der anderen Instrumente.
Der Probenraum, der Tageslicht durch Zwerghäuser in der Decke erhält, ist einschließlich der Fundamente von dem Rest des Gebäudes entkoppelt: Eine Schallübertragung nach außen ist so praktisch ausgeschlossen; in der Hinsicht ist für „Ruhe nach außen“ gesorgt.

Platz für 190 Zuhörer

Der Probensaal hat übrigens auch Platz für einige Zuhörer. Wenn nur das Orchester spiele, so Nassauer, sei Platz für circa 190 Zuhörerinnen und Zuhörer. Da sei vieles denkbar, überlegt er weiter: Raum für Workshop-Teilnehmer oder Musikschülerinnen und -schüler, die auf ihre Lehrerinnen und Lehrer warten (viele von ihnen unterrichten ja auch an der heimischen Musikschule). Man habe aber auch vor, Kindergärten und Schulklassen einzuladen für bestimmte Projekte. Und: Man sei offen, für das, was sich entwickle. „Wir wissen jetzt noch gar nicht, was alles möglich sein wird“, weil „so ein Probenhaus“ bisher nicht existiert habe. Ziel sei es jedenfalls, das Haus zu einem Ort zu machen, der Kulturerlebnisse selbstverständlich möglich macht.

Verwaltung und schalldichte Stimmzimmer

An den Türen zu den einzelnen Stimmzimmerrn hängen Schilder die auf die spätere Nutzung hinweisen.
  • An den Türen zu den einzelnen Stimmzimmerrn hängen Schilder die auf die spätere Nutzung hinweisen.
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Was muss ein Probenhaus über den Probensaal hinaus noch bieten? Es müssen Räume für die Verwaltung des Orchesters bereitstehen, für die Intendanz, den Dirigenten oder die Dirigentin und für Solisten. Für Noten und Instrumente. Die gibt es in den oberen Stockwerken des Hauses der Musik. Und, ganz wichtig: Für das Stimmen der Instrumente und das Einspielen werden Räume benötigt, die schalldicht sind. Wer schon einmal in der Schützenhalle war, weiß, wie „laut“ es dort ist. Wenn die Hörner sich einspielen oder der Schlagzeuger übt, dann hat das ganze Haus „was davon“. Im Haus der Musik wird das anders sein. Es gibt insgesamt zehn Stimmzimmer, erläutert Uwe Hübner, für jede Stimme/Instrumentengruppe eines. Sie sind unterschiedlich groß, je nach Anzahl der Musikerinnen und Musiker in den Stimmen.

Oft keine Übungsmöglichkeiten

Diese Stimmzimmer sind „enorm wichtig“, betont Michael Nassauer. Sie stehen nämlich den Musikern auch zum Proben zur Verfügung: Man habe festgestellt, dass es dringend notwendig sei, solche ruhigen Übungsräume anzubieten, weil in den Wohnungen, zumal gemieteten, oft keine Übungsmöglichkeiten bestünden. In einem Mehrfamilienhaus könnten die Nachbarn schonmal auf die Barrikaden gehen, wenn ein Schlagzeuger zwei, drei Stunden täglich übe …  Oder er könne erst gar keine Wohnung mieten, wenn er sich als Profimusiker zu erkennen gebe. Mit dem Haus der Musik und den Probe-Möglichkeiten könne dieses Problem minimiert werden, betont der Intendant.

Entkoppelte Räume

Der innere Fußboden ist von der Geschossdecke entkoppelt (hier im Raum für die Schlagwerker).
  • Der innere Fußboden ist von der Geschossdecke entkoppelt (hier im Raum für die Schlagwerker).
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Drei dieser Stimmzimmer, die für die „lauten Instrumente“, also das schwere Blech (Trompeten, Posaunen und Tuben), für die Hörner und für das Schlagwerk, gibt es, Räume, die, wie der Probensaal, vom Rest des Gebäudes entkoppelt sind und zusätzlich durch Treppenhäuser, Nasszellen oder andere Serviceräume von den angrenzenden Stimmzimmern getrennt werden. Die Entkopplung erfolgt wie im Probensaal über eine innere, mit bauakustischen Elementen bestückten Schale, die sich auch in den „normalen“ Stimmzimmern für die Holzbläser oder die Streicher findet. In den drei „lauten Räumen“ sind aber zusätzlich auch die Decke und der Fußboden entkoppelt: Der Boden ruht auf Federtöpfen, die Raum-Fußboden und die Geschoss-Decke darunter baulich trennen, die Raumdecke ist ebenfalls abgehängt und akustisch von der Geschoss-Decke getrennt. Der innere Raum schwebt also in dem äußeren, es sind Räume innerhalb der Räume.

Flatterecho vermeiden

Dazu kommt: Die Räume sind nicht rechteckig, die Raumwinkel haben 110 Grad, die Wände stehen also leicht schräg. Dadurch wird das Flatterecho vermieden. Auch die Schlagwerker können also völlig ungestört und nicht störend proben! Fenster, Türen und Lüftungsschächte bzw. -anlagen sind ja auch oft Schallüberträger. Deshalb sind die Kanäle der Lüftungen gedämmt, sodass es zu keiner Schall-Telefonie kommt. Fenster und Türen sind weitestgehend schalldicht. Dazu kommt: Die Räume haben keine großen und nur wenige Fenster, was die Schallübertragung weiter reduziert.

Die innere Decke hat kaum eine Verbindung zur äußeren.

Wichtig für die Nachbarschaft: Der Lkw, der nach Auswärts-Konzerten nachts die Instrumente zurückbringt, hat einen Stellplatz im Gebäude, klimatisiert. Dann muss nachts nicht unbedingt ausgeladen werden. Die großen Instrumente können dann in den Instrumentenraum, der sich an der Rückseite des Probensaals befindet, entladen werden (ebenfalls im Hinblick auf die empfindlichen Instrumente klimatisiert).
Im Untergeschoss des Gebäudes sind die Technikräume und einige Parkplätze. Bei Weiß-Hochwasser kann dieser Bereich überschwemmt werden – normalerweise ohne große Folgen. Die Türen der Technikräume sollen dem Wasser widerstehen können.

Die Tiefgarage unter dem Haus bietet Platz für 20 Pkw und ist zugleich "Überflutungsfläche", wenn die Weiß über die Ufer tritt.
  • Die Tiefgarage unter dem Haus bietet Platz für 20 Pkw und ist zugleich "Überflutungsfläche", wenn die Weiß über die Ufer tritt.
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17 Millionen für diesen "reinen Zweckbau"

Viele Überlegungen sind in dieses reine Werkstatt-Probenhaus geflossen. Die Firma Quast hat die Erdarbeiten und den Rohbau übernommen, die Firma Runkel ist für den Innenausbau zuständig, die Firma Bauwert hat die Projektleitung, und als vierter im Bunde der in Siegen bekannten Bau-Akteure ist das Architekturbüro Willms Oestereich-Rappaport aus Aachen tätig. Die detaillierte Vorbereitung, so Hübner, sorge dafür, dass die Kosten für diesen „reinen Zweckbau“ trotz der der gestiegenen Materialkosten im vorgesehenen Rahmen von 17 Millionen Euro bleiben. Auch zeitlich liege man im Plan. Ende des Jahres kann die Philharmonie einziehen. Das heimische Orchester ist dann mitten „e dr Stadt“!

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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