Bergknappenkapelle probt unter Corona-Bedingungen
Blasmusik mit „Ploppschutz“

Die Siegerländer Bergknappenkapelle probte in der vorigen Woche an ungewohntem Ort, auf dem Parkplatz der Niederscheldener Firma Amkon. Inzwischen erlaubt das Land NRW die Probe auch wieder in geschlossenen, wenngleich gut durchlüfteten Räumen, so dass die Knappen wieder im Volkshaus musizieren können.
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  • Die Siegerländer Bergknappenkapelle probte in der vorigen Woche an ungewohntem Ort, auf dem Parkplatz der Niederscheldener Firma Amkon. Inzwischen erlaubt das Land NRW die Probe auch wieder in geschlossenen, wenngleich gut durchlüfteten Räumen, so dass die Knappen wieder im Volkshaus musizieren können.
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  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

ciu Niederschelden/Siegen. „Die lange Zeit des Wartens ist seit letzter Woche vorbei.“ – Sichtlich erleichtert berichtet Carsten Daub von dieser ersten Probe im Freien. Ein bisschen Land in Sicht für den Vorsitzenden der Siegerländer Bergknappenkapelle Niederschelden, die am vorigen Donnerstag erstmals nach der Corona-Auszeit wieder zusammen gespielt hat. Möglich war das auf dem Parkplatz der Niederscheldener Firma Amkon; an diesem Donnerstag wird sogar wieder eine Übungsstunde im Knappen-Zuhause, dem Volkshaus, stattfinden können. Von Woche zu Woche hangeln sich Vereine wie dieser durch ein Labyrinth der verordneten Möglichkeiten, fühlen sich mal gut unterstützt (so lobt Carsten Daub ausdrücklich das Ordnungsamt der Stadt Siegen), mal passabel informiert (der Volksmusikerbund NRW leitet dieInformationen des Landes regelmäßig weiter), mal aber auch verunsichert.
Seit die Länder über Lockerungsmaßnahmen entscheiden und nicht mehr der Bund, so jedenfalls ist die Wahrnehmung des Knappen-Chefs, hätten die Angaben eine recht geringe Halbwertzeit. Was vor ein paar Tagen noch gegolten habe, gelte nicht mehr, oder wieder doch?!

Was die NRW-Corona-Schutzverordnung sagt

Maßgeblich im Bereich der Chöre und Orchester ist die Anlage „Hygiene- und Infektionsschutzstandards“ zur Corona-Schutzverordnung NRW – und hier jener Punkt, der Standards für Musiker und Sänger im Orchester- und Theaterbetrieb (einschließlich der Proben) regelt. Darin heißt es aktuell unter anderem, dass …

  • … aufgrund des größeren Bewegungsradius und des größeren Aerosolausstoßes beim Musizieren ein Mindestabstand von zwei Metern einzuhalten sei;
  • … die Reinigung von Blasinstrumenten, wenn möglich, nicht in den Konzert- oder Übungsräumen erfolgen sollte. „Das bei Blechblasinstrumenten während des Spielens entstehende Kondenswasser gemischt mit Speichel ist als potentiell infektiös anzusehen und muss mit Einmaltüchern aufgefangen werden. Ein bloßes ,Ausblasen‘ ist zu unterlassen.“ Es müssen Einmaltücher verwendet, anschließend die Hände gewaschen oder desinfiziert werden.
  • … bei Blechblasinstrumenten zur Vermeidung der Verbreitung von Aerosolen über Instrumentenklappen und Schalltrichter ein Schutz aus transparentem Material oder dicht gewebten Seidentüchern (auch „Ploppschutz“) vor dem Schalltrichter der Instrumente zu verwenden sei. „Zur Vermeidung der Verteilung von Aerosol in den Arbeitsbereich der vor der Blechbläsergruppe sitzenden Musikerinnen und Musiker sollte ein Schutz aus transparentem Material aufgestellt werden, der den Schalltrichter der jeweiligen Instrumente ausreichend überragt, so dass auch bei Bewegung des Instrumentes beim Spiel ein ausreichender Schutz gewährt ist.“

Diese Anforderungen, so Carsten Daub, hätten sich zuletzt noch einmal verschärft, bei der Probe in der vorigen Woche sei von „Ploppschutz“ noch keine Rede gewesen.

Musikunterricht wieder möglich

Unterricht ist laut NRW-Verordnung nun auch bei Blasinstrumenten bis Quintettstärke erlaubt. Mit der Folge, dass auch die Bergknappen ihren Instrumentalunterricht wieder aufnehmen konnten. Aktuell, so der Vorsitzende, hätten sie rund 20 Kinder und Jugendliche in der Ausbildung, darunter drei Jungs an der Tuba. Abgesehen von der Schulung des Nachwuchses seien die Proben bei den „Zwergknappen“ bis nach den Ferien ausgesetzt. Bedauerlich, denn gerade in diesem Frühjahr seien etliche Jugendliche vor dem Sprung ins „große“ Orchester gewesen. Ihnen gelte nun die Einladung, bei den wöchentlichen Proben mitzumachen, wobei das Probenziel noch fern ist: der Auftritt im Herbst in der Siegener Schlosspark-Reihe „Sonntagnachmittags um vier“.

Uni-Big-Band Siegen probte am Haardter Berg

Hier wird an diesem Sonntag die Big-Band der Universität Siegen aufspielen. Auch dieses Ensemble traf sich jetzt unter freiem Himmel zur ersten Probe nach vielen Wochen – auf dem Haardter Berg in Weidenau. Bandleader Martin Reuthner verspricht eine musikalische Mischung aus Vergangenem und Neuem, darunter auch Musik des US-amerikanischen Jazzers Bob Florence (1932–2008). Die Uni-Big-Band, die eigentlich im Jahr ihres 40-jährigen Bestehens ein richtig rundes Jubiläumsprogramm in petto hatte, wird im Schlosspark in etwas kleinerer Besetzung spielen. Die Abstandsregeln machen’s nötig, auch wenn Profi-Trompeter Martin Reuthner die nicht ganz nachvollziehen kann. Der Luftausstoß bei Blasinstrumenten mit Trichter sei „kugelförmig“, mehr Wolke als Strahl, und gehe nicht in Ausstoßrichtung. An dieser Stelle hinke die Politik hinter der Realität hinterher. Gleichwohl seien er und seine Musiker bemüht, sich an die offiziellen Vorgaben zu halten.

Gesundheit an erster Stelle

Das unterstreicht auch Carsten Daub von der Bergknappenkapelle: „Die Gesundheit der Musiker steht an erster Stelle.“ Zudem wolle man durch ein mögliches Fehlverhalten in keinster Weise zum „Stein des Anstoßes“ werden. Gute Nachrichten sind es, die die Musikerinnen und Musiker in diesen schwierigen Zeiten verbreiten wollen. Dazu gehört(e) die Beteiligung an der vom Volksmusikerbund ausgerufenen Aktion „Musik am Fenster“, dazu gehört(e) auch die Homeoffice-Version des Marsches „Bergmannsgruß“, bei YouTube schon vielhundertfach aufgerufen und in Anleitung und Zusammenschnitt ermöglicht vom rührigen Dirigenten der Knappen, Sven M. Hellinghausen.

Hellinghausen leitet drei weitere Blasorchester: die Bergkapelle Vereinigung 1903 Birken-Honigsessen, die Bindweider Bergkapelle und den Musikverein Luckenbach.Diese Vereine haben ihren Sitz allesamt in Rheinland-Pfalz, wo es bislang auf Basis der 8. Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes kaum eine Perspektive für das Musizieren im Vereinsalltag gibt. Darauf hat der Präsident des dortigen Landesmusikverbands, Achim Hallerbach (Neuwied), am Pfingstwochenende in einer Pressemitteilung hingewiesen. Ein erster, aktueller Schritt mit einer „Probe im Freien“ (das unternahmen gerade zum Beispiel auch die Siegtaler Musikanten Mudersbach) sei zwar getan, aber nur für einen kleinen Teil der Vereine möglich. Deshalb benötigten Blasmusikvereine und Chöre „eine verlässliche und umsetzbare Hygienekonzeption, damit neben der musikalischen Kultur- und Brauchtumspflege auch das soziale Miteinander wieder ermöglicht werden könne“.

Philharmonie nimmt Bläser "an Bord"

Bei der Philharmonie Südwestfalen, die bei ihren jetzt anstehenden Konzerten im Apollo noch als reines Streichorchester auftritt, können ab Montag „ein paar wenige“ Bläser „wieder mit an Bord“, wie Intendant Michael Nassauer mitteilt. Der Rahmen: ein Dirigierkurs.

Die Siegerländer Bergknappenkapelle probte in der vorigen Woche an ungewohntem Ort, auf dem Parkplatz der Niederscheldener Firma Amkon. Inzwischen erlaubt das Land NRW die Probe auch wieder in geschlossenen, wenngleich gut durchlüfteten Räumen, so dass die Knappen wieder im Volkshaus musizieren können.
Unter freiem Himmel probte die Uni-Big-Band unter Leitung von Martin Reuthner (M.). Die Musiker bereiteten sich vor auf ihren Auftritt bei „Sonntagnachmittags um vier im Schlossgarten“ vor. Hier jazzen sie – nach Noten und nach den geltenden Regeln.
Autor:

Claudia Irle-Utsch (Redakteurin) aus Siegen

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