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Theater-Werkstätten „tollMut“ und „Neon“ melden sich zu Wort
Bruchwerk-Gruppen bleiben kreativ - trotzdem!

Lars Dettmer (l.) und David Penndorf schwelgten in Erinnerungen, erzählten Anekdoten und sprachen über Momente kreativer Neuorientierung.
  • Lars Dettmer (l.) und David Penndorf schwelgten in Erinnerungen, erzählten Anekdoten und sprachen über Momente kreativer Neuorientierung.
  • Foto: Bruchwerk-Theater
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

jca Siegen. Das für vergangenen Donnerstag im Bruchwerk-Theater geplante Impro-Match der Theatergruppe „tollMut“ konnte aufgrund der Corona-Maßnahmen leider nicht stattfinden. Improvisiert wurde dennoch: David Penndorf als Leiter der Theatergruppe „tollMut“ und Lars Dettmer als Leiter des Jugendclubs „Neon“ trafen sich zum Dialog, schwelgten in Erinnerungen an „wahres“ Theater, erzählten Anekdoten von vergangenen Schauspielen und sprachen über Momente kreativer Neuorientierung.Es entstand ein Dialog, aus dem die Sehnsucht nach Partizipation und die Hoffnung auf Normalität sprach, aber vor allen Dingen entstand ein Gespräch über kreative Chancen virtueller Gegebenheiten zu Zeiten von Social Distancing.

jca Siegen. Das für vergangenen Donnerstag im Bruchwerk-Theater geplante Impro-Match der Theatergruppe „tollMut“ konnte aufgrund der Corona-Maßnahmen leider nicht stattfinden. Improvisiert wurde dennoch: David Penndorf als Leiter der Theatergruppe „tollMut“ und Lars Dettmer als Leiter des Jugendclubs „Neon“ trafen sich zum Dialog, schwelgten in Erinnerungen an „wahres“ Theater, erzählten Anekdoten von vergangenen Schauspielen und sprachen über Momente kreativer Neuorientierung.Es entstand ein Dialog, aus dem die Sehnsucht nach Partizipation und die Hoffnung auf Normalität sprach, aber vor allen Dingen entstand ein Gespräch über kreative Chancen virtueller Gegebenheiten zu Zeiten von Social Distancing.

"tollMut" fing im "Casablanca" an zu proben

Im Erinnern an Gewesenes werden beispielsweise die ersten Stunden der „tollMut“-Theatergruppe nochmals von Penndorf wiederbelebt, als im „Casablanca“ zwischen den Gästen und einer mit Bierkästen improvisierten Bühne spontan geprobt wurde. Oder des anfänglichen Ticketverkaufs an der Siegener Uni gedacht, der nach einem Verbot seitens der „Sicherheit“ nicht mehr an einem Tisch in der Mensa stattfinden durfte und für den stattdessen spontan ein Bauchkasten umgeschnallt wurde.

Diese Sehnsucht nach "Körperlichkeit"

Im Gegensatz zur Arbeit professioneller Künstler, die zumindest proben und ihre Ergebnisse über virtuelle Formate präsentieren können, wird es um die Hobby-Künstler vermeintlich stiller. Doch auch sie „proben“ allein in ihren Zimmern, lesen in gemeinsamen Runden „Stück für Stück“ und stellen sich den kreativen Aufgaben ihrer Gruppenleiter – voller Sehnsucht, tatsächlich wieder zusammenkommen und nicht nur „verbal und kognitiv“ gemeinsam in einen Raum treten zu dürfen, sondern ihre Improvisationen und Interpretationen künstlerischer Akte wieder mit gemeinschaftlicher „Körperlichkeit“ füllen zu können.Eine Auswahl improvisatorischer Kunstakte der Mitglieder im eigenen Heim, die im Livestream eingeblendet werden, können zwar keinesfalls einen Theaterbesuch ersetzen, doch zeigen sie in ihrer ganzen Fülle das, was Kunst ausmacht: Kreativität.

"Immer wieder trotzdem"

„Immer wieder trotzdem sagen“, betont Dettmer während des Gesprächs. Trotz Coronakrise, trotz weiterer Einschränkungen, trotz wenig Partizipation in einer kulturellen Sparte, die doch eigentlich von ebendieser lebt, ist ein „Trotzdem kreativ bleiben“ und der Weg, virtuelle Formate neu zu entdecken und auszureizen, die momentan einzige Möglichkeit, Theater am Leben zu erhalten – bleibt doch stets die leise Frage, die Penndorf schließlich benennt: „Ist das eigentlich (noch) Theater?“ Auch wenn es langsam „eng“ um die Kreativität und Möglichkeiten virtueller Formate wird, bietet die Theater-Werkstatt „tollMut“ mit ihrem „narrativen Telefon“ „eine Art stille Post für Erwachsene“, eine interessante Alternative.Im Livestream eingeblendet, erzählen Mitglieder der Gruppe eine Geschichte, die immer wieder neu interpretiert wird und nicht nur den Protagonisten – zur Erheiterung der Zuschauer – in seinen abenteuerlichsten Variationen auftreten lässt, sondern in der getreu der stillen Post im letzten Video der Reihe aus Thorben plötzlich Balthasar wird.

"Romeo und Julia" auf Rädern geplant

Optimistisch in die Zukunft blickend, ist bereits ein Projekt geplant, das eine „Romeo-und-Julia“- Inszenierung auf Rädern ermöglichen möchte. Auf einem Truck soll das Stück von Ort zu Ort fahren und Kunsthungrigen Open-Air-Theater bieten, erläutert Penndorf.

"Neon" will "Your Story" zeigen

Auch in der Theatergruppe „Neon“ bleibt es Corona zum Trotz künstlerisch: „Your Story“ zeigt Pias Inszenierung sozialer Isolation auf realistische Art und Weise. Ihre schwankenden Emotionen, geplagt von gähnender Langeweile im einen Moment, übermannt von der Einsamkeit und Verzweiflung, ironischer Egalität und Depersonalisation im nächsten Moment – eine Story, die den Kern der Zeit zu treffen scheint.

Theatralisch zu Hause ... schwierig!

Frei nach der Devise „Alles, was in Las Vegas passiert, bleibt auch in Las Vegas“ fehle Jugendlichen jedoch momentan vor allem der geschützte Raum der Probe, so Dettmer im virtuellen Dialog. Plötzlich werde das eigene Zimmer zum Proberaum; das Springen und Hüpfen, das Theatralische und Emotionale, was eigentlich einen tatsächlichen Proberaum erfüllen sollte, könne da so manche besorgte Mutter ins Zimmer locken, erzählt Dettmer den Zuschauern des Livestreams.

Nicht ohne zu schütteln!

Neben Fans und Mitwirkenden des Bruchwerk-Theaters sind auch der Virtuelle Hut und der Dichter Crauss mit dabei und beteiligen sich im parallel verlaufenden Chat an der konstruktiven Unterhaltung der Dialogpartner Dettmer und Penndorf.Wer das in der „tollMut“-Theatergruppe traditionelle „Schütteln“ am Anfang des Streams vermisste: Nach ca. 20 Minuten wurde es nach anfänglichen technischen Problemen nachgeholt. Ein Zusammenschnitt vorab eingereichter „Vorne-, Hinten-, Rechts- und Links-Schüttler“ von Mitgliedern und Fans versinnbildlichte letztlich den bleibenden Optimismus Theaterschaffender alternativer Formate.

Letzte Rund mit Hörspiel "In Ewigkeit"

Getreu dem Motto der hybriden Livestream-Reihe wird vor allem über das jeweils gemeinsame Projekt der Theatergruppen, dasselbe Thema und dieselbe Isolation eine Nähe geschaffen, die den Zuschauer mit in den Raum der Gemeinschaft reißt.Am nächsten Donnerstag geht das Bruchwerk-Theater mit dem Hörspiel „In Ewigkeit“ (Claudia Weber, Milan Pešl) in seine vorerst letzte Runde der hybriden Livestream-Reihe.

Autor:

Redaktion Kultur

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