Mit mediterranem Flair
Capella Cantabilis mit Johannes Monno

Die Capella Cantabilis unter der Leitung von Ute Debus musizierte gemeinsam mit Konzertgitarrist Johannes Monno.

ne Siegen/Dahlbruch/Dillenburg. Am Wochenende hatte sich das Kammerchorensemble Capella Cantabilis viel vorgenommen: Gleich zu drei Konzerten tourten die zwölf Sängerinnen und sieben Sänger – die meisten gestandene Kirchenmusikerinnen, Musik-Lehrende oder Studierende – durch die Region, um einem stets interessierten Publikum mediterrane und südamerikanische Musik vornehmlich aus dem 20. Jahrhundert vorzustellen. Eingeladen dazu hatte die seit 1998 existierende Vokalformation unter der Leitung von Ute Debus und unter dem Dach der Kantorei Siegen mit dem 1968 im Hessischen geborenen Johannes Monno einen international erfolgreichen Konzertgitarristen, dessen virtuoses Gitarrenspiel in Soloprogrammen wie auch in drei bekannten Kammermusikensembles für Furore sorgt und eine bemerkenswerte Diskografie generiert. Monno studierte Ende der 80er-Jahre bei José Tomas in Alicante und anschließend an der Kölner Musikhochschule bei Hubert Käppel und Konrad Junghänel, seit 2004 bekleidet er selbst eine Professur an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart.

Katalanische Volkslieder von Llobet

Bei den Konzerten in Dahlbruch (am Samstag vom Gebrüder-Busch-Kreis in der kath. Kirche initiiert), in der ev. Kirche in Dillenburg am Sonntagnachmittag und in Siegens Nikolaikirche am Sonntagabend (dieses Konzert besuchte der Rezensent) brachte Monno drei katalanische Volkslieder von Miguel Llobet zur Aufführung, daneben geriet „Pavanas y Canarios“ von Gaspar Sanz (1640–ca.1710) als einzige Exkursion in die Alte Musik zu einem Höhepunkt des Konzertes, so zauberhaft klar die Akkorde, so präzis und rhythmisch, dass Monno logischerweise eine rein perkussive Kadenz ans Ende der barocken Lieder anschloss. Melancholisch die Tonadilla und der Tango vom 1980 in Barcelona gestorbenen Katalanen Emilio Pujol, die beide überleiteten zum das Konzert abschließenden Stück von Mario Castelnuovo Tedesco für gemischten Chor und Gitarre.

Capella Cantabilis brillierte

Zuvor aber brillierte der Chor mit schwierigem vokalistischen Repertoire. Synkopen, dichte chromatische Klangkaskaden und beständiger Rhythmuswechsel – die Capella Cantabilis jedoch meisterte so klangschöne Kompositionen wie „Verano Porteno“ von Astor Piazzolla zum Entree und den charismatischen Salmo 150 (Psalm 150) vom 1950 im brasilianischen Petropolis geborenen Ernani Aguiar souverän. Vom Erneuerer des argentinischen Tangos, dem 1992 gestorbenen Piazzolla, sangen die 19 Sängerinnen und Sänger viele Vokalisen, etwa die drei Stücke „Reminiscere“, „La muerte del angel“ und „Adios nonino“. Lichte Klangkunst, mitreißend synkopiert und mit dem Charme eines Audrey-Hepburn-Filmes.

Applaus für Monno und die Capella Cantabilis

Das abschließende „Romancero Gitano“ op. 152 des späteren Hollywood-Filmmusik-Komponisten Mario Castelnuovo Tedesco (1895–1968), eine Komposition nach sieben Gedichten von Frederico Garcia Lorca für gemischten Chor und Gitarre, setzte dem insgesamt gelungenen Konzert einen fulminanten Abschluss: Kongenial begleitete Johannes Monno den engagierten Chor, leitete die Übergänge, die Interludien zu den Gedichten feinsinnig mit dem richtigen Gespür für die Gestimmtheit der Lorca‘schen Lyrik ein, die, oft melancholisch, zum Beispiel die andalusische Landschaft beschreibt, das harte Leben der Menschen. Prasselnder Applaus zum Schluss motivierte die Musikerinnen und Musiker zu einer Zugabe: noch einmal die himmlischen Vokalisen, Klang- und Lautmalereien von Piazzolla – damit man heiter und beinahe im Tangoschritt in den Sommer hinaustreten konnte.

Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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