Apollo-Theaterstück über "Fridays-For-Future"-Bewegung
Das wird ein heißer Herbst

Jeanne d’Arc (Eleni Giotitsas, vorne l.) und Isa (Leona Scholl, vorne r.) kommen sich näher – im Stück „Ich atme gerne Sauerstoff“, das gerade im Apollo-Sommercamp entsteht. Insgesamt 20 jugendliche Schauspieler (in der hinteren Reihe v. l.: Mascha Burkardt, Sayed Asad Akhlagi und Emma Stötzel) proben zwei Sommerferien-Wochen lang zusammen mit Werner Hahn. Es geht um die „Fridays-For-Future“-Bewegung und so viel mehr.
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  • Jeanne d’Arc (Eleni Giotitsas, vorne l.) und Isa (Leona Scholl, vorne r.) kommen sich näher – im Stück „Ich atme gerne Sauerstoff“, das gerade im Apollo-Sommercamp entsteht. Insgesamt 20 jugendliche Schauspieler (in der hinteren Reihe v. l.: Mascha Burkardt, Sayed Asad Akhlagi und Emma Stötzel) proben zwei Sommerferien-Wochen lang zusammen mit Werner Hahn. Es geht um die „Fridays-For-Future“-Bewegung und so viel mehr.
  • Foto: Regine Wenzel
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

zel Siegen. „I want you to panic.“ Das aus 19 Mündern, das fasst einen direkt beim ersten Mal an. Die reglosen Schauspieler lassen keinen Widerspruch zu. „Our house is on fire.“ Sie atmen wie ein Organismus, sie folgen dem Rhythmus eines Herzens. Und das war nur eine Probe. Da kommt was auf uns zu, Siegen. Nicht nur macht uns die aktuelle Hitze zu schaffen, auch der Herbst wird heiß. Am 18. Oktober hat im Siegener Apollo-Theater „Ich atme gerne Sauerstoff“ Premiere, das gerade auf der Probebühne im Foyer des Theaters entsteht.
20 Leute zwischen 13 und 18 Jahren nehmen am 3. Apollo-Sommercamp teil und proben das Stück von Werner Hahn. „Die Dinge überschlagen sich“, sagt der für das Junge Apollo verantwortliche stellv. Intendant, „wir sind Teil des Prozesses“. Er meint natürlich die „Fridays-For-Future“-Bewegung, die vor einem Jahr in Schweden begann und von der niemand weiß, wohin es geht – mit Greta Thunberg und den ganzen jungen Menschen, die den Erwachsenen sagen, dass es jetzt reicht mit Hoffen und Glauben, dass es Zeit ist für Handlungen, Zeit, die Erde zu retten.

Jesus, Gandhi, Lennon: Kometen wie Greta 

Aus Dramaturgie-Gründen hat Werner Hahn in die Geschichte geblickt und festgestellt, dass Friedens- oder Protestbewegungen immer tragisch-tödlich geendet sind. Martin Luther King, Gandhi, John Lennon und Jesus führt er an, Kometen wie Greta, die Frage sei eigentlich nur: „Wann verblasst oder verglüht er?“ Greta beim Papst, Greta bei Merkel, Greta mit allen möglichen Preisen geehrt… Sie wird die „Jeanne d’Arc des Klimas“ genannt – und was wäre das für ein Theatermacher, wenn er da nicht an Schiller dächte? So schräg, wie Werner Hahn sagt, ist die Idee doch gar nicht: Er erweckt die Jungfrau von Orleans in seinem Stück zum Leben – die Schauspieler sprechen Auszüge aus dem Original-Text –, und die erweckt ein Mädchen von heute zur Klimaaktivistin.

Ist G5 der größere Klimakiller?

Diese Isa ist die Protagonistin. Finden wir die jetzt gut, oder fliegen wir für drei Tage nach Mallorca? Ist die Fliegerei vielleicht gar nicht der größte Klimakiller, sondern G5? Müssen wir jetzt auf YouTube-Videos und all das verzichten? Die Generation ist gespalten, es ist unübersichtlich. Isa wird im Netz angefeindet, verleumdet, auch von einer Gruppe Computernerds, die gegen Geld im Netz „haten“. Auch ein windig-schmieriger Politiker spielt mit, gespielt von Karsten Burkardt, dem einzigen Erwachsenen in der Truppe. Mit ihm hat das Apollo schon öfter zusammengearbeitet. Diesem Politiker wird Jeanne d’Arc noch an Leib und Leben gehen. Tipp: lieber mal nicht mit einem Happy End rechnen!

Apollo-Sommercamp wird zum Ensemble

Die 20 jungen Schauspieler, die aus Betzdorf und Syrien, Hilchenbach und Afghanistan kommen, proben zwei Wochen in ihren Sommerferien, jeden Tag ab ungefähr 10 bis ungefähr 18, 19 Uhr. Die abends gelernten Texte werden morgens in einer Leseprobe, dann in einer Stellprobe gebraucht – „und dann sitzt das“, sagt Werner Hahn, der das Engagement der Teilnehmer nicht hoch genug loben kann. Manche hätten noch nie gespielt, manche kämen vom Ballett, elf von ihnen hätten schon am vorigen Apollo-Sommercamp („Magic Ring“) teilgenommen – und jetzt sind sie ein Theaterensemble.

Zu ungeduldig, zu spät

Vielleicht lassen sich eigene widersprüchliche Gedanken zu „Fridays For Future“ übers Theater klären: „Unsere Aktionen sind zu klein“, sagen sie im Stück, „Wir sind zu ungeduldig“ und „Wir sind zu spät“. Das Theater sehen sie als Ergänzung zur Demonstration. Ihr Stück spielt die Gruppe insgesamt fünf Mal, auch an Freitagvormittagen für Schulklassen. Den Besuch müssten die Schuldirektoren genehmigen, sagt Werner Hahn. Erstmals treten die Sommercamp-Teilnehmer nicht im Apollino auf, sondern auf der großen Apollo-Bühne. Weitere vier Probentage sind nach den Ferien noch vorgesehen, und dann noch eine intensive Woche in den Herbstferien. Vielleicht muss das Stück angepasst werden, wenn sich in Sachen „Fridays For Future“ wichtige Neuigkeiten ergeben, vielleicht auch nicht. Was bislang zu sehen war, bildet das Schwanken der Jugendlichen zwischen Ungeduld und Realismus sehr gut ab, so gut, dass sogar Erwachsene es verstehen. Also: Schau hin, was deine Kinder machen! Sie machen Theater, sie machen sich Sorgen, sie machen dich verantwortlich. Es hat keiner gesagt, dass es einfach wird.

Autor:

Regine Wenzel (Redakteurin) aus Siegen

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