SZ

"Psychomania" in der Fißmer-Anlage: Germania-Intervention beendet
Dem Kriegerischen mit Lebendigkeit begegnet

David Rauer und Samuel Treindl haben mit „Psychomania“ das Germania-Standbild in der Oberstadt temporär installativ verändert. Am Samstag wurde die Installation, an der auch Passanten mitgewirkt haben, abgebaut.
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  • David Rauer und Samuel Treindl haben mit „Psychomania“ das Germania-Standbild in der Oberstadt temporär installativ verändert. Am Samstag wurde die Installation, an der auch Passanten mitgewirkt haben, abgebaut.
  • Foto: Dr. Gunhild Müller-Zimmermann
  • hochgeladen von Redaktion Kultur

gmz Siegen. Da steht sie wieder unverkleidet auf ihrem Podest, die Germania-Statue in der Fißmer-Anlage in Siegen. Das Schwert hält sie fest in der einen Hand, den Siegeskranz in der anderen. Nicht siegessicher, sondern eher ein wenig kampfesmüde blickt sie in die Ferne, die Statue, die von Prof. Friedrich Reusch 1878 entworfen wurde. Sie erinnert an die Kriege vor Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871, die ein  großes politisches Projekt des ausgehenden 19. Jahrhunderts war.
Eigentlich führt sie ein sehr ruhiges Dasein, die Dame Germania. Zu ihren Füßen lässt man sich gerne mal nieder, um sich, mit Eis oder Getränk in der Hand, zu unterhalten. Das behelligt sie nicht weiter, nur die Tauben in Siegens Oberstadt fliegen sie regelmäßig an und zerzausen ihre Frisur.

gmz Siegen. Da steht sie wieder unverkleidet auf ihrem Podest, die Germania-Statue in der Fißmer-Anlage in Siegen. Das Schwert hält sie fest in der einen Hand, den Siegeskranz in der anderen. Nicht siegessicher, sondern eher ein wenig kampfesmüde blickt sie in die Ferne, die Statue, die von Prof. Friedrich Reusch 1878 entworfen wurde. Sie erinnert an die Kriege vor Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871, die ein  großes politisches Projekt des ausgehenden 19. Jahrhunderts war.
Eigentlich führt sie ein sehr ruhiges Dasein, die Dame Germania. Zu ihren Füßen lässt man sich gerne mal nieder, um sich, mit Eis oder Getränk in der Hand, zu unterhalten. Das behelligt sie nicht weiter, nur die Tauben in Siegens Oberstadt fliegen sie regelmäßig an und zerzausen ihre Frisur.
In den vergangenen gut 14 Tagen allerdings war die Germania-Statue in ihrer Ruhe „gestört“. Eingehüllt war sie in ein Geflecht aus grünen und rosafarbenen Rohren, an denen alle möglichen Gegenstände befestigt waren, die die Figur gleichzeitig umgaben und den Blick auf sie lenkten. David Rauer und Samuel Treindl haben dieses Projekt im Rahmen des Urban-Art-Festivals „Out & About“ betreut (wir berichteten), haben die Installation, die den bekannten Ort wieder neu und frisch wahrnehmen ließ, am Samstag wieder angebaut. Übrig blieben grüne und rosafarbene Rohre und verschiedene Abformungen: der Helm zu Füßen der Figur, mit Krönchen und Hermesflügeln, ein Smartphone, ein Fantasie-Unterwassertierchen, eine Trinkflasche mit Trinkhalm oder ...

Vom Bildhauerischen zur Kommunikation

Auch blieben viele Gespräche im Gedächtnis, erzählen die beiden beim SZ-Besuch. Passanten blieben stehen, ärgerten sich („eine künstlerisch wichtige Reaktion“, weil sie zeige, dass man, wie gewollt, die Wahrnehmung der Menschen zunächst irritiert, hoffentlich dann auch verändert habe, sagen die beiden). Andere Passanten waren interessiert, arbeiteten mit, formten bildhauerische Elemente ab, die die Germania ausmachen, formten dann aber auch Gegenstände, die ihnen wichtig waren, holten sie sogar von zu Hause, um sie vor Ort abzuformen und am temporären Kunstwerk anzubringen zu lassen. Dem „Kriegerischen“ sei man „mit Lebendigkeit begegnet“, sagen die Macher.
Dabei habe eine interessante Entwicklung eingesetzt, so Rauer und Treindl: Einerseits wirkten die in der Distanz, als filigrane, aber farblich Aufmerksamkeit heischen Erweiterung der Figur angebrachten Gegenstände auf die Statue. Wenn „die Germania“ statt eines Schwertes ein Smartphone in der Hand zu halten scheint, sagt das viel über unsere Zeit, über die damalige, und wie wir sie heute sehen. Andererseits, so die beiden Künstler, die schon viele derartige Interventionen im öffentlichen Raum in verschiedenen Städten inszeniert haben, rückte der Fokus der Gespräche und der Einwirkungen immer mehr ins Hier und Heute, ins Persönliche, was auch auf sie gewirkt habe. „Psychomania“ hieß das Projekt ja auch, Psychologie und Germania trafen aufeinander, die Intervention (weniger die Germania) wurde Gesprächsanlass!

Wahrnehmen und Nachdenken 

Das sich-in-Frage-Stellen ist Teil des Prozesses. Deshalb sei es auch gut, dass diese Installationen temporär sind, öffentlich und nur kurz in den Stadtraum eingriffen. Der kann, das ist ein Fazit der Arbeit, von jedem wahrgenommen und (mit)gestaltet werden. Diese Erkenntnis könne man in einem musealen Umfeld nicht so leicht vermitteln, wissen die beiden, weil man dort manche Menschen überhaupt nicht erreiche. Und so bleibt am Ende die Frage, wie denn ein Monument aussähe, wenn es heute aufgestellt würde? – Tauben wären im öffentlichen Raum auf jeden Fall dabei …
Weitere Infos:  www.urban-art-siegen.de
Die Kulturabteilung der Stadt Siegen, so Eike Jungheim von Kultur Siegen, habe die tempoäre, „flüchtige Kunst“ von „Psychomania“ in einem Video festgehalten: https://www.youtube.com/watch?v=Az0Pg8T4vXo.

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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