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Tanzprojekt YourStory zeigt "Die dunkle Tür"
Den Lockdown zertanzt

Druckvoll, wild und eng durcheinander: Eingeschlossen sein mit anderen, aber doch irgendwie weitermachen, wird getanzt vom Projektensemble YourStory in der Otto-Flick-Halle Kreuztal.
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  • Druckvoll, wild und eng durcheinander: Eingeschlossen sein mit anderen, aber doch irgendwie weitermachen, wird getanzt vom Projektensemble YourStory in der Otto-Flick-Halle Kreuztal.
  • Foto: Olaf Neopan Schwanke
  • hochgeladen von Peter Barden (Redakteur)

ne Kreuztal. Vergangenen Sonntagnachmittag bildete sich eine lange Schlange vor der feingliedrigen, 1960 gebauten Otto-Flick-Halle mit dem hübschen Neonschriftzug in Kreuztal, darunter viele junge Menschen waren. Was nicht Wunder nimmt, denn es galt, das szenische Ergebnis eines gut eineinhalb Jahre währenden Projekts zu bestaunen und zu bewundern, das die städtische Tanzschule Spitzentanz und das Tanztheater Kreuztal unter der Gesamtleitung und Choreografie Britta Papps und der Regie von Theaterpädagoge Lars Dettmer dem Publikum...

ne Kreuztal. Vergangenen Sonntagnachmittag bildete sich eine lange Schlange vor der feingliedrigen, 1960 gebauten Otto-Flick-Halle mit dem hübschen Neonschriftzug in Kreuztal, darunter viele junge Menschen waren. Was nicht Wunder nimmt, denn es galt, das szenische Ergebnis eines gut eineinhalb Jahre währenden Projekts zu bestaunen und zu bewundern, das die städtische Tanzschule Spitzentanz und das Tanztheater Kreuztal unter der Gesamtleitung und Choreografie Britta Papps und der Regie von Theaterpädagoge Lars Dettmer dem Publikum vorstellte.

Klaustrophobes Setting

YourStory, die Projektreihe mit und von Jugendlichen, entwickelte mit „Die dunkle Tür“ eine dystopische Bühnensituation mit dem verrätselten Plot eines „Escape-Room-Game“ mit Seitenblick auf den süffisanten Flair von Sartres „Geschlossene Gesellschaft“ und ein bisschen „creepy challenge“ aktueller Netzkultur. Lars Dettmer zeichnet für Text und Regie verantwortlich, via Onlinemeeting-Tools entwickelte er zusammen mit Jugendlichen die Handlung, die Rollen und deren Reaktionen auf das klaustrophobe Setting.

"Wie kommt man hier heraus?"

Leute sind in einem Raum gefangen, ohne Erinnerung, und nur ein paar Requisiten treiben die Handlung weiter, immer befeuert von sozialen Interaktionen der Protagonisten untereinander, die mit den anstehenden Konflikten – der unbekannten Situation – in bekannten Handlungsmustern umgehen: Da gibt es die Zweifler, die Verschwörer, die Religiösen, die Wissenschaftsgläubigen, die auf Logik und Rationalität bauen. Es dreht sich um Fragen wie: „Wie kommt man hier heraus – und ist das hinter der Tür schlimmer oder besser als das, was man hat?“

Eine Lösung wird nicht versprochen

Freiheit oder Hölle könnten dahinter verborgen sein. Das herauszufinden bedarf es einiger getanzter Volten und gefundener Gegenstände: Asthma-Spray, Schlüssel, Kiste, Taschentuch, Symbole in einem Buch und über der Tür sind solche Angelpunkte – und dass dann auch mal Dante vorkommt mit seinem Inferno aus der „Göttlichen Komödie“ und dem emblematischen Sinnspruch über dessen Höllentor, ist eine feine Reminiszenz an den pädagogischen Auftrag.
Das Ende bleibt in seiner Wiederholung dystopisch, eine Lösung wird nicht versprochen, das Dilemma dauert an, und Entwicklung muss erneut scheitern. Das wird schließlich in einem Epilog aller Metaphern entkleidet und als Aufruf zu Humanismus in Zeiten von Pandemie und Vereinzelung allen Anwesenden mit dem breiten Filzstift ins Gewissen geschrieben, bis es quietscht. Was nicht schlimm ist, denn manchmal ist scharfe Kontur und Ausrufezeichen hinter Forderungen nach Nähe, Empathie und Solidarität dienlich.

Spektakuläre Mooves

Die ausgewählte Musik, oft von „2wei“, jener Musikformation, die klassische Pop-Standards neu arrangiert und instrumentiert („Hit the Road, Jack“ in einer Gruselvariation, oder Armstrongs „Wonderful World“ beispielsweise) schuf eine fantastische Klangfolie für die druckvollen Choreografien und spektakulären Mooves, die Britta Papp mit den gut 35 jungen Frauen und einem jungen Mann auf die enge Bühne brachte.

Stürmischer Applaus

Klar: In einem eingeschlossenen Raum kann niemand die Bühne verlassen – und so sind immer alle präsent und tanzen Corps de ballet. Eindrucksvolle Lichttechnik von Tobias Schemoly und taktgenaue Musikeinspielungen und Audiotexte von Lukas Poppe tun ein Übriges, um die gut einstündige Tanztheaterperformance zu einem homogenen wie eindrücklichen Ereignis werden zu lassen, dem lange anhaltender und stürmischer Applaus folgen musste. Schade bloß, das nur eine Aufführung geplant war, aber man weiß ja nie, wann sich welche Türen öffnen.

Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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