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Forsthaus Hohenroth: Ausstellung von Dr. Marlies Obier
Der Wolf ist im Märchen immer böse

Sie laden zum Besuch der Ausstellung im Waldlandhaus Forsthaus Hohenroth ein (v. l.): Thomas Vehoff (Verein Waldland Hohenroth), Dr. Marlies Obier, Diethard Altrogge (Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein).
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  • Sie laden zum Besuch der Ausstellung im Waldlandhaus Forsthaus Hohenroth ein (v. l.): Thomas Vehoff (Verein Waldland Hohenroth), Dr. Marlies Obier, Diethard Altrogge (Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein).
  • Foto: Regionalforstamt
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Dr. Marlies Obier entführt auf Hohenroth in den Märchenwald der Brüder Grimm.

ciu Obersdorf/Brauersdorf. Es scheint, als habe jemand mit Tannenzapfen eine Spur gelegt. Denn der Weg, der über die Lichtung in den hohen Wald führt, droht, sich zu verlieren im dichten Grün, einem Raum für das Verbergen. Wo Fuchs und Reh Ruhe finden, kann auch der Mensch geborgen sein.

Dieses Bild, eine von fast 30 Fotografien und/oder Collagen im goldenen Rahmen, verweist auf manches von dem, was die in Obersdorf lebende Literaturhistorikerin und Künstlerin Dr. Marlies Obier in ihrer neuen Ausstellung aussagen möchte: „Ins weite Land der Sprache“, ab Sonntag (29.

Dr. Marlies Obier entführt auf Hohenroth in den Märchenwald der Brüder Grimm.

ciu Obersdorf/Brauersdorf. Es scheint, als habe jemand mit Tannenzapfen eine Spur gelegt. Denn der Weg, der über die Lichtung in den hohen Wald führt, droht, sich zu verlieren im dichten Grün, einem Raum für das Verbergen. Wo Fuchs und Reh Ruhe finden, kann auch der Mensch geborgen sein.

Die Faszination des Waldes ist wiederkehrendes Motiv in den Arbeiten von Dr. Marlies Obier. Ihr aktuelles künstlerisches Projekt widmet sich dem Wald in den Märchen der Brüder Grimm.
  • Die Faszination des Waldes ist wiederkehrendes Motiv in den Arbeiten von Dr. Marlies Obier. Ihr aktuelles künstlerisches Projekt widmet sich dem Wald in den Märchen der Brüder Grimm.
  • Foto: Dr. Marlies Obier
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Dieses Bild, eine von fast 30 Fotografien und/oder Collagen im goldenen Rahmen, verweist auf manches von dem, was die in Obersdorf lebende Literaturhistorikerin und Künstlerin Dr. Marlies Obier in ihrer neuen Ausstellung aussagen möchte: „Ins weite Land der Sprache“, ab Sonntag (29. September) im Waldlandhaus des Forsthauses Hohenroth zu sehen, entführt in den „Märchenwald der Brüder Grimm“ – und damit auf ein Terrain, das nach außen hin bedrohlich wirkt, von seinem Wesen her aber zum Hort werden kann. Wie dem Marienkind, das, wegen eines Vergehens vom Himmel verstoßen, Zuflucht in einem alten hohlen Baum findet, sommers wie winters von den Wald-Früchten genährt wird und letztlich als geläuterte Königs-Gattin Erlösung findet.

Der Wolf ist immer der "böse Wolf"

Gefahr dräut im Wald vor allem vom Wolf, der, wie Marlies Obier in ihrer Analyse der Grimm’schen Märchen schreibt, „immer ein böser Wolf“ bleibt – Verwandlung (wie beim Frosch oder den sieben Raben) ausgeschlossen. Der Wald verleiht den vordergründig Schwachen (Kindern wie Hänsel und Gretel, Frauen wie Schneewittchen …) ungeahnte Kräfte und schwächt die Mächtigen, denn der König, dem ja alles, und damit auch der Wald, gehört, muss sich beugen. All das, sagt Marlies Obier, sei natürlich märchenhaft, illusionär, ermutige aber gleichwohl auch zum Aufbegehren, zum Infragestellen des Gegebenen, zum Versuch, das eigene Glück zu machen. Und wo sonst ließe sich (hier verweist sie auf Bettine Brentano) alles denken als „in freier Luft“?!

Leben von Jacob und Wilhelm Grimm: ein Abenteuer

Es ist aber nicht allein die Beschäftigung mit dem Wald, die dieser neuen Ausstellung von Marlies Obier zugrunde liegt, sondern auch die Auseinandersetzung mit Leben und Werk der Brüder Jacob Grimm (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859). Sie hat sich vertieft in die Biografien, hat die von den beiden gesammelten Märchen in ihren originalen Fassungen gelesen und studiert und sich (erneut) davon anstecken lassen, „wie wunderbar es sein muss, ein Sprachforscher zu sein“, ein Abenteurer „im weiten Land der Sprache“. Mit der Kraft des Wortes lassen sich Dinge beschreiben, lässt sich Gesprochenes bewahren, Neues schaffen, das Denken lenken.

„darum heißen pflanze und baum im sanskrit padapâ, mit dem fuße trinkend“

– mit diesem Zitat von Jacob Grimm unterlegt Marlies Obier eine Fotografie vom Grunde des Waldes, mit Farn und Gräsern, herabgefallenem Laub, zerbrochenem Geäst und einem massiven Stamm, der fest im Erdreich gründet. Ein Beispiel für das Erhellende des Sprachvergleichs, der Suche nach Bedeutung. Wer diesem Pfad folgt, mag nach erquickenden Quellen graben und auf Ressourcen stoßen.

Marlies Obier ist inspiriert von Wald, Sprache, Literatur

Das „Märchenwald“-Projekt ist für Marlies Obier und das Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein die Fortsetzung einer Geschichte, die im Jahr 2004 mit einer Ausstellung über Joseph von Eichendorff begonnen hat; es folgten etliche weitere Präsentationen, in denen die Künstlerin die Themenkomplexe Wald, Sprache, Literatur miteinander verwob – in Wort und Bild und auch in Objekten. Letztere finden sich auch dieses Mal wieder: in Form kleiner Rollen aus Papier oder auch Holz, befüllt mit langen grünen Halmen, zusammengetragen, aufbewahrt wie ein Schatz.
Marlies Obier: „,Ins weite Land der Sprache‘–
Der Märchenwald der Brüder Grimm“.
Bis 31. Dezember, Waldlandhaus Forsthaus Hohenroth,
Freitag bis Sonntag sowie an Feiertagen von 14 bis 18 Uhr.
Eröffnung am Sonntag, 29. September, mit Vorträgen um 15 und 16 Uhr.
2020 ist die Schau in erweiterter Form im Grimm-Haus in Steinau zu sehen.

Sie laden zum Besuch der Ausstellung im Waldlandhaus Forsthaus Hohenroth ein (v. l.): Thomas Vehoff (Verein Waldland Hohenroth), Dr. Marlies Obier, Diethard Altrogge (Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein).
Die Faszination des Waldes ist wiederkehrendes Motiv in den Arbeiten von Dr. Marlies Obier. Ihr aktuelles künstlerisches Projekt widmet sich dem Wald in den Märchen der Brüder Grimm.
Autor:

Claudia Irle-Utsch (Redakteurin) aus Siegen

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