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Ecuador darf sich über Wagnertuben freuen
Deutsche Musiker ermöglichten „Bruckner-Projekt“

Sieben deutsche Musiker, darunter ein Wagnertuben-Quartett, wirkten mit bei der Aufführung der 7. Sinfonie von Anton Bruckner in der Alten Kathedrale in Ecuadors drittgrößter Stadt Cuenca, 2550 Meter hoch im südlichen Andenhochland gelegen.
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  • Sieben deutsche Musiker, darunter ein Wagnertuben-Quartett, wirkten mit bei der Aufführung der 7. Sinfonie von Anton Bruckner in der Alten Kathedrale in Ecuadors drittgrößter Stadt Cuenca, 2550 Meter hoch im südlichen Andenhochland gelegen.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

bst Dreis-Tiefenbach/Cuenca. Als der mit sechs Sinfonien erfolglose 59-jährige Anton Bruckner (1824–1896) Anfang 1883 an seiner 7. Sinfonie arbeitete, erreichte ihn die Nachricht vom Ableben seines Idols Richard Wagner. Im Gedenken seines „unerreichbaren Ideales in jener so bitteren Trauerzeit“ (O-Ton Bruckner) überarbeitete er das Andante unter Einbeziehung von vier Wagnertuben. Diese von Hornisten zu blasenden Instrumente hatte Wagner 30 Jahre zuvor ersonnen, um in seinem „Ring der Nibelungen“ das Klangfarbenspektrum im tiefen Blech zu vervollständigen. Als „klingendes Epitaph“ entstand so eine der berühmtesten Trauermusiken.

bst Dreis-Tiefenbach/Cuenca. Als der mit sechs Sinfonien erfolglose 59-jährige Anton Bruckner (1824–1896) Anfang 1883 an seiner 7. Sinfonie arbeitete, erreichte ihn die Nachricht vom Ableben seines Idols Richard Wagner. Im Gedenken seines „unerreichbaren Ideales in jener so bitteren Trauerzeit“ (O-Ton Bruckner) überarbeitete er das Andante unter Einbeziehung von vier Wagnertuben. Diese von Hornisten zu blasenden Instrumente hatte Wagner 30 Jahre zuvor ersonnen, um in seinem „Ring der Nibelungen“ das Klangfarbenspektrum im tiefen Blech zu vervollständigen. Als „klingendes Epitaph“ entstand so eine der berühmtesten Trauermusiken.

Ensemble Sonoros Viajeros bereiste Ecuador

Gern hätte der aus Lauenburg an der Elbe gebürtige Michael Meissner, seit 2016 Chefdirigent des staatlichen Sinfonieorchesters in Cuenca im südlichen Andenhochland Ecuadors, Bruckners späte Sinfonien aufgeführt, doch waren in Ecuador bislang keine Wagnertuben verfügbar. Als Meissner 2018 in Kontakt mit dem deutschen Reiseprojekt-Bläserensemble Sonoros Viajeros (klingende Reisende) kam und diesem bei der Organisation eines Konzerts im Februar 2019 in Cuenca half (die SZ berichtete), entstand zwischen ihm und Bernd Sensenschmidt aus Dreis-Tiefenbach die Idee, in Deutschland vier Wagnertuben für den deutschen Kulturverbund „Kultura“ in Ecuador zu beschaffen, der sie den vier staatlichen ecuadorianischen Sinfonieorchestern zur Verfügung stellt. Mitte 2019 gelang dies, im Januar reiste nun eine zwölfköpfige Gruppe (zur Hälfte aus dem Siegerland) mit den Wagnertuben nach und durch Ecuador. Sieben der Reisenden wirkten in der mittleren Woche beim „Bruckner-Projekt“ in Cuenca mit. Nach vier Probenhalbtagen kam es am 24. und 26. Januar in Cuenca zur Aufführung von Bruckners 7. Sinfonie E-Dur in der jeweils voll besetzten Alten Kathedrale, der ältesten Stadtkirche Ecuadors. Dabei erlangten die erstmals in Ecuador erklingenden Wagnertuben große öffentliche Aufmerksamkeit, auch der deutsche Botschafter Dr. Philipp Schauer und seine Frau waren aus der Hauptstadt Quito angereist. Dr. Schauer betonte in seinem Grußwort die historischen Verbindungen der Musik beider Kontinente.

Andrew Joy war Solohornist bei WDR-Orchester

Zur Hörbarmachung des Wagnertubenklangs begann das Konzert mit einem Adagio aus einem Orgelbüchlein von Bruckner, vom deutschen Hornisten Michael Höltzel (1936–2017) für vier Wagnertuben eingerichtet und hier ausgeführt von den deutschen Hornisten Kai Hennig von Lange, Andrea Lässig, Bernd Sensenschmidt und Volker Michel, ehe unter Leitung von Michael Meissner Bruckners Sinfonie Nr. 7 E-Dur erklang. Dabei wirkten auch Burkhard Schölpen (Tenorposaune) und Dr. Klaus-Jürgen Zöllner (Kontrabass) aus Siegen mit sowie Andrew Joy aus Köln, ehemals Solohornist beim WDR-Rundfunksinfonieorchester.  Meissner wählte relativ flotte Tempi, betonte die Kontraste zwischen filigranen, kammermusikalisch anmutenden und klangprächtigen Tutti-Passagen und nutzte die akustischen Möglichkeiten des großen Kathedralenmittelschiffs optimal. Mit hoher Spannung ließ er den ecuadorianisch-deutschen Klangkörper musizieren und sorgte u. a. beim Adagio dafür, dass mittels weit gespannter Bögen der emotionale Sinnzusammenhang erfahrbar werden konnte. Nach ausgedehnten Steigerungen im Scherzo erreichte der von einem Thema des ersten Satzes ausgehende Finalsatz („bewegt, doch nicht zu schnell“) einen fulminanten, strahlenden, fast schon übermütig wirkenden Abschluss der Sinfonie und löste großen, stehend erbrachten Applaus des Publikums aus.

Reise auch nach Quito und an den Río Napo

Nach sechs Tagen gemeinsamen Musizierens galten die sieben deutschen Musiker fast schon als „normale“ Orchesterkollegen, und so schwang beim Abschiednehmen bereits Vorfreude auf Projektteil 2 (mit Bruckners 9. Sinfonie) 2021, ebenfalls mit deutscher Beteiligung, mit. Die Reisegruppe fuhr zur Pazifikküste hinab, nachdem sie in der ersten Woche bereits Quito, eine Amazonasregenwald-Lodge am Río Napo, den Nationalpark Chimborazo (mit Erreichen der 5000-Meter-Marke bei der Whymper-Hütte, der höchste Gipfel erreicht 6290 Meter) sowie die „weltweit schwierigste Eisenbahnstrecke“ am Felsmassiv „Teufelsnase“ kennengelernt hatten. Organisiert und geleitet hat diese Rundreise die aus Dreis-Tiefenbach stammende Diplom-Geographin Inga Sensenschmidt, die in Ecuador als vom Tourismusministerium lizensierte „Guia nacional“ (Reiseleiterin mit Tätigkeitsberechtigung in den Nationalparks und ökologischen Reservaten) arbeitet.

Autor:

Bernd Sensenschmidt (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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