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Die Gruppe 3/55 baut für den Kunstwechsel ein digitales Haus
Die 20. Ausgabe ist 2.0

Public transport | Line 136“ (Acryl auf Leinwand und Plane), eine Arbeit von Katrin Blanke aus Schwerte. Insgesamt 34 Künstlerinnen und Künstler beziehen das digitale Kunstwechsel-Haus und präsentieren sich in ihren Räumen. Am Freitagmittag wird der Kunstwechsel 2.0 im Internet eröffnet.
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  • Public transport | Line 136“ (Acryl auf Leinwand und Plane), eine Arbeit von Katrin Blanke aus Schwerte. Insgesamt 34 Künstlerinnen und Künstler beziehen das digitale Kunstwechsel-Haus und präsentieren sich in ihren Räumen. Am Freitagmittag wird der Kunstwechsel 2.0 im Internet eröffnet.
  • Foto: Gruppe 3/55
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

zel Siegen. Letztes Novemberwochenende, Vorfreude auf den Kunstwechsel. Kunst sehen und kaufen, vielleicht auch ersteigern, Musik hören, Literatur vorgelesen bekommen, bei einer Performance zuschauen, tanzen und vor allem: die Menschen treffen, die man schon lange nicht mehr sah, die aber verlässlich bei dem von der Künstlergruppe 3/55 organisierten Kunstmarkt auftauchen, seit all den Jahren. All die Jahre fand der Kunstwechsel analog statt, in wechselnden leerstehenden Häusern und Ladenlokalen, die der Verein für kulturelles Engagement für ein Wochenende mit Kunst und Leben füllte.
Dieses Jahr steht nun der 20. Kunstwechsel an – der im Corona-Jahr keinesfalls ausfallen sollte, da war sich die Gruppe schnell einig.

zel Siegen. Letztes Novemberwochenende, Vorfreude auf den Kunstwechsel. Kunst sehen und kaufen, vielleicht auch ersteigern, Musik hören, Literatur vorgelesen bekommen, bei einer Performance zuschauen, tanzen und vor allem: die Menschen treffen, die man schon lange nicht mehr sah, die aber verlässlich bei dem von der Künstlergruppe 3/55 organisierten Kunstmarkt auftauchen, seit all den Jahren. All die Jahre fand der Kunstwechsel analog statt, in wechselnden leerstehenden Häusern und Ladenlokalen, die der Verein für kulturelles Engagement für ein Wochenende mit Kunst und Leben füllte.
Dieses Jahr steht nun der 20. Kunstwechsel an – der im Corona-Jahr keinesfalls ausfallen sollte, da war sich die Gruppe schnell einig. Sie hat dem Kunstwechsel, einer Institution im städtischen Kultur(er)leben, ein neues Haus im Internet gebaut, und dorthin zieht der Kunstwechsel 2.0, wie er jetzt heißt, gerade um. Die Türen öffnen sich Freitagmittag, das ganze Wochenende ist Programm. Die virtuelle Kunstschau auf www.kunstwechsel.de soll bis zum 31. Dezember zu begehen sein.

Die Räume für die Künstler sind bereitet, Café und WC gibt es auch. Sabine Ullrich, Thomas Greiner, Stephanie Wiebusch und Jule Sammartino (v. oben) von der Künstlergruppe 3/55 laden dazu ein, den Kunstwechsel dieses Jahr online zu entdecken.
  • Die Räume für die Künstler sind bereitet, Café und WC gibt es auch. Sabine Ullrich, Thomas Greiner, Stephanie Wiebusch und Jule Sammartino (v. oben) von der Künstlergruppe 3/55 laden dazu ein, den Kunstwechsel dieses Jahr online zu entdecken.
  • Foto: Gruppe 3/55
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Stipendium vom Land NRW

Der Umzug in das digitale Gebäude wurde möglich, weil der Designer Thomas Greiner, Mitglied der Gruppe 3/55, sich um ein Stipendium vom Land Nordrhein-Westfalen für „Künstlerinnen und Künstler zur Förderung ihrer künstlerischen Tätigkeit im Zusammenhang mit dem Ausbruch von Covid-19 im Jahr 2020“ beworben und dieses auch erhalten hat. Von den 7000 Euro konnten die Veranstalter Entwurf und Umsetzung/Organisation (greinerdesign) und die Programmierung der Internetseite (modulbüro) finanzieren. Mit der Plattform geben sie Künstlern eine Möglichkeit, sich darzustellen, sodass auch diese von der Förderung profitieren.

34 Zimmer für Künstlerinnen und Künstler

Der virtuelle Raum der Siegener Künstlerin Jule Sammartino.

Entstanden ist ein Grundriss mit 34 Zimmern, in denen die teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler – bekannte und neue, aus Siegen, NRW, Deutschland und auch aus Amsterdam und Rom, wie Jule Sammartino bei der Online-Pressekonferenz erklärte – sich und ihre Arbeiten zeigen können.
Für die Gestaltung ihrer Räume sind die Künstler selbst zuständig, ganz wie beim analogen Kunstwechsel. Thomas Greiner hat für die Teilnehmer eine Bedienungsanleitung zusammengestellt, damit sie recht einfach hier Bilder, Interviews und Videos einpflegen können. Hier stellen sie sich selbst vor mit Bildern und einem kleinen Text, und hier finden sich auch immer Links zu Homepages und Möglichkeiten der Kontaktaufnahme. In diesen Räumen soll ja auch Kunst den Besitzer wechseln. Wer sich also in eine Skulptur, eine Fotografie, ein Gemälde verguckt hat, kann sich direkt an den Produzenten wenden. Viele aktuelle gesellschaftliche Themen verspricht Mitorganisatorin Sabine Ullrich – von Kommunikation in Zeiten der Pandemie bis Borkenkäferplage...

Kaffee und Kuchen im Zoom-Café

Wer per Mausklick durch das Gebäude unterwegs ist, wird auch einige Überraschungen und Gimmicks entdecken, wenn er zum Beispiel mal durchs Treppenhaus läuft, den Aufzug nimmt oder aufs WC muss … Weil Kunstwechsel auf jeden Fall immer auch Begegnung bedeutet, hat von Freitag bis Sonntag, jeweils von 15 bis 17 Uhr, ein Café geöffnet, das man via Zoom besuchen kann. Eine kurze Anmeldung auf der Seite genügt. Hier gibt es virtuell Kaffee und Kuchen oder gleich eine ganze Flasche Digi-Schampus, die man mit echtem Geld bezahlen kann, um ganz real die Künstlerinnen und Künstler zu unterstützen. Viele hatten und haben coronabedingt kaum oder keine Möglichkeiten, auszustellen oder aufzutreten. Rezepte für Kuchen und Starkbier lassen sich downloaden.

Kunstwechsel heißt immer auch Begegnung und Vernetzung. Weil das coronabedingt dieses Novemberwochenende nicht geht, öffnet beim virtuellen Kunstmarkt in diesem Jahr ein Zoom-Café.
  • Kunstwechsel heißt immer auch Begegnung und Vernetzung. Weil das coronabedingt dieses Novemberwochenende nicht geht, öffnet beim virtuellen Kunstmarkt in diesem Jahr ein Zoom-Café.
  • Foto: Carsten Schmale
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

Netzwerk wächst im Inter-Netz

Dabeisein können jetzt auch diejenigen, die sonst nicht dabeisein könnten, weil sie zu weit weg wohnen – das Netzwerk, das der Kunstwechsel immer spinnen wollte, wächst im Inter-Netz weiter. Nostalgiker treten ein in den Zeittunnel und machen eine Reise zurück zu den 19 vergangenen Veranstaltungen – in die alte Landeszentralbank, ins ehemalige Arbeitsamt, in den leerstehenden Supermarkt...

Zuhause tanzen zu Loops von Küchenmeister

Wie immer gibt es auch in der 2.0-Ausgabe ein Rahmenprogramm aus Musik, Tanz, Performance und Text – und sogar Künstlerfest. Konrad Küchenmeister will die Gemeinde am Samstag zu Hause zum Kochen bringen mit „fetter, basslastiger, tanzbarer und handgemachter Loop-Musik“, wie es heißt. Zur Eröffnung ist die Berliner Saxophonistin Marion Schwan zu hören, eine Freundin von Jule Sammartino, die in der Corona-Krise ihren Jazz nicht mehr in Clubs, sondern auf der Straße spielt. Das Rahmenprogramm ist nicht live, sondern vorproduziert, sodass man immer mal wieder vorbeischauen kann. Unterstützer sind das Kulturbüro des Kreises Siegen-Wittgenstein und verschiedene Sponsoren.

Am Sonntag Versteigerung mit Dr. Ullrich

Allein ein „echter“ Termin steht ins Haus: Am Sonntag, 17 Uhr, ist Versteigerung mit Dr. Ullrich – auch die natürlich digital. Nach vorheriger Anmeldung kann man über die Chatfunktion Gebote für Kunstwerke abgeben, die die Teilnehmer zur Verfügung gestellt haben und die man sich vorab in aller Ruhe anschauen kann. Apropos in aller Ruhe: Diesmal kann man sich Zeit nehmen, spielerisch das virtuelle Gebäude voller Kunst entdecken: Das sei „wie eine große Bescherung“, findet Mitorganisatorin Stephanie Wiebusch – und wirklich: Beim Blick auf die Website, den die Gruppe 3/55 vorab ermöglichte, weht einen ein Hauch des alten Kunstwechsel-Gefühls an.

Simone Fröhler ist eine Künstlerin aus Herscheid. Sie stellt digital u.a. Kunst zur Borkenkäferplage aus.
  • Simone Fröhler ist eine Künstlerin aus Herscheid. Sie stellt digital u.a. Kunst zur Borkenkäferplage aus.
  • Foto: Gruppe 3/55
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

Online-Haus soll stehenbleiben

Auch wenn das Experiment online funktioniert: Wenn Corona weg ist und Begegnung wieder physisch möglich, wollen die Veranstalter den Kunstwechsel wieder analog stattfinden lassen. Das neu gebaute Online-Haus aber soll nicht verlassen werden. Hier könnten virtuelle Treffen von Künstlern stattfinden, bis es so weit ist. Warum soll auch die Kunst nicht zwischen On- und Offline hin- und herziehen? Es heißt ja auch Kunst-Wechsel.

Für das Kunstwechsel-Wochenende ist folgendes Programm geplant:

  • Freitag 27. November: A Marion Schwan/Robin Draganic (Saxophon/Bass/Berlin) und Performance „eher wässrig“ von Anne Müller & Markus Rindt (Brandenburg-Havel).
  • Samstag, 28. November: Tanzperformance „cuerpos de la memoria“ von Mariana Carranza (München) und Loops von Konrad Küchenmeister (Berlin).
  • Sonntag 29. November: Release-Gig von Julian Easily (Musiker und Songwriter aus Siegen), Lesung von Gofi Müller (Marburg) und 17 Uhr Zoom-Versteigerung von Kunstwerken der teilnehmenden Künstler mit Dr. Ullrich (mit Anmeldung auf der Homepage).
Autor:

Regine Wenzel (Redakteurin) aus Siegen

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