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Schauspieler Christian Berkel las im Lÿz aus Debütroman
Die „blinden Flecken“ in der Familie

Schauspieler und Autor Christian Berkel las im Siegener Kulturhaus Lÿz vor vollem Haus aus seinem Erstlingswerk „Der Apfelbaum“, in dem er die Geschichte seiner Familie generationenübergreifend beschreibt.
  • Schauspieler und Autor Christian Berkel las im Siegener Kulturhaus Lÿz vor vollem Haus aus seinem Erstlingswerk „Der Apfelbaum“, in dem er die Geschichte seiner Familie generationenübergreifend beschreibt.
  • Foto: Bärbel Althaus
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

ba Siegen. Sein Schauspieltalent bewies Christian Berkel bereits in seiner Kindheit, als er den Apfelbaum im heimischen Garten zu seiner ersten Bühne auserkor, vor ihm Stühle platzierte und Gästen Vorstellungen gab. Bis er auch zum Autor avancierte, dauerte es entschieden länger. Denn erst 2018 erschien sein Debütwerk „Der Apfelbaum“, in dem er die Geschichte seiner Familie erzählt. Zwischenzeitlich ist Berkel durch zahlreiche Rollen in Film und Fernsehen bekannt geworden, glänzte unter anderem in „Operation Walküre“, „Inglourious Basterds“ und „Der Untergang“ und legt als „Der Kriminalist“ Verbrechern gekonnt das Handwerk.

ba Siegen. Sein Schauspieltalent bewies Christian Berkel bereits in seiner Kindheit, als er den Apfelbaum im heimischen Garten zu seiner ersten Bühne auserkor, vor ihm Stühle platzierte und Gästen Vorstellungen gab. Bis er auch zum Autor avancierte, dauerte es entschieden länger. Denn erst 2018 erschien sein Debütwerk „Der Apfelbaum“, in dem er die Geschichte seiner Familie erzählt. Zwischenzeitlich ist Berkel durch zahlreiche Rollen in Film und Fernsehen bekannt geworden, glänzte unter anderem in „Operation Walküre“, „Inglourious Basterds“ und „Der Untergang“ und legt als „Der Kriminalist“ Verbrechern gekonnt das Handwerk.

Reise in die Vergangenheit von Berkels Familie 

Am Samstagabend sorgte er nun im Rahmen der Literaturreihe „Lÿz-Lit“ für ein volles Haus, als er die Zuschauer mit auf eine Reise in die Vergangenheit seiner Familie nahm. Wie fühlt sich ein Kind, dem gesagt wird, es sei „ein bisschen jüdisch“ und „nicht ganz deutsch“? Für Berkel war diese Aussage seiner Mutter über seine Herkunft ein einschneidendes Erlebnis. Er fühlte sich, „als ob mit ihm etwas nicht in Ordnung sei“, schließlich sei „nicht ganz“ gleichbedeutend mit „kaputt“.
Doch erst Jahrzehnte später begann er, sich mit seiner aus dieser Äußerung entstandenen Identitätskrise auseinanderzusetzen und die „blinden Flecken“, die es in seiner – wie in jeder anderen – Familie gebe, sichtbar zu machen. Habe er doch erkannt, dass gerade das, was der Mensch verschweige, wesentlich sei. Berkel beabsichtigte, seine Mutter systematisch zu befragen, sah sich aber mit ihrer schwindenden Erinnerung konfrontiert. So wurden echte Personen in seinem Buch zu Kunstfiguren und wahre Begebenheiten zur Fiktion.

Liebe der Eltern steht im Zentrum des Romans

Dabei steht die durchaus reale Liebe seiner Eltern Sala Nohl und Otto Berkel im Mittelpunkt des Romans. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde das ungleiche Paar auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Denn Sala hatte eine jüdische Mutter, während Otto als Sanitätsarzt bei der Wehrmacht in den Krieg zog. Flucht, Internierung und Emigration nach Argentinien bestimmen Salas Schicksal, während Otto die besten Jahre im Krieg und in Gefangenschaft verbringen muss. Letztendlich finden sie sich und ihre Liebe nach Jahren der Trennung wieder.

Literarisches trifft schauspielerisches Talent

Berkel nimmt das Publikum mit auf eine anschauliche Reise in die Vergangenheit. Zum Monte Verità im Tessin, auf dem Salas Vater Jean nach einer neuen Lebensform suchte und ihrer jüdischen Mutter Isa begegnete, in Ottos Berliner Zuhause, in dem sein Stiefvater ein schlagkräftiges Regiment führte, sowie in die Pyrenäen nach Gurs, wo Sala in einem Lager interniert war, aus dem sie glücklicherweise entkommen konnte.
Er berlinert, parliert auf Französisch und zeigt dabei neben literarischen Fähigkeiten einmal mehr sein schauspielerisches Talent. Wie damals, als er bereits unter dem Apfelbaum sein Publikum begeisterte. Auch im Lÿz konnte sich Christian Berkel, der abschließend darauf hinwies, wie wichtig es sei, auch in heutigen Zeiten „klar und deutlich Position“ zu beziehen, über anhaltenden Applaus freuen. Dass er zudem geduldig und bestgelaunt seine Bücher signierte, ließ die Lesung zu einem vollen Erfolg werden.

Autor:

Bärbel Althaus (Freie Mitarbeiterin) aus Wilnsdorf

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