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Kronjuwelen sind unterm Krönchen nicht zu holen
Die Kunst des Kunstraubs

Aus dem Rahmen gefallen: Von Rubens‘ „Löwenjagd“ sollten Spitzbuben besser die Finger lassen. Denn das Gemälde des in Siegen geborenen flämischen Malers passt nie und nimmer durch die Tür des Rubens-Saals – jedenfalls nicht unbeschadet. Mit diesem Raubtier sollte man sich also tunlichst nicht anlegen …
  • Aus dem Rahmen gefallen: Von Rubens‘ „Löwenjagd“ sollten Spitzbuben besser die Finger lassen. Denn das Gemälde des in Siegen geborenen flämischen Malers passt nie und nimmer durch die Tür des Rubens-Saals – jedenfalls nicht unbeschadet. Mit diesem Raubtier sollte man sich also tunlichst nicht anlegen …
  • Foto: Karl-Hermann Schlabach
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ph/gmz - Einen Diebstahl in vergleichbarer Dimension wie in Dresden hat es in der Region noch nicht gegeben.
ph/gmz Siegen. Wenn es nicht wahr wäre, würde man sich in einem Thriller wähnen. Goldraub, Millionen-Einbruch, Clan-Kriminalität – Bond-Stoff pur. In diesem Fall lässt die Realität manches Drehbuch blass aussehen: Am Morgen des 25. November 2019 dringen zwei Einbrecher in das Schatzkammermuseum im Dresdner Residenzschloss ein. Im Juwelenzimmer im historischen Grünen Gewölbe durchlöchern sie mit einer Axt eine Vitrine und schnappen sich über 20 barocke Schmuckstücke – Diamanten und Brillanten – von unschätzbarem Wert. Beim Eintreffen der Polizei haben sich die Diebe samt Beute längst aus dem Staub gemacht.

ph/gmz - Einen Diebstahl in vergleichbarer Dimension wie in Dresden hat es in der Region noch nicht gegeben.
ph/gmz Siegen. Wenn es nicht wahr wäre, würde man sich in einem Thriller wähnen. Goldraub, Millionen-Einbruch, Clan-Kriminalität – Bond-Stoff pur. In diesem Fall lässt die Realität manches Drehbuch blass aussehen: Am Morgen des 25. November 2019 dringen zwei Einbrecher in das Schatzkammermuseum im Dresdner Residenzschloss ein. Im Juwelenzimmer im historischen Grünen Gewölbe durchlöchern sie mit einer Axt eine Vitrine und schnappen sich über 20 barocke Schmuckstücke – Diamanten und Brillanten – von unschätzbarem Wert. Beim Eintreffen der Polizei haben sich die Diebe samt Beute längst aus dem Staub gemacht.
Eine Sonderkommission der sächsischen Kripo heftet sich an die Fersen, setzt eine Belohnung von einer halben Million Euro aus, sichert mehr als 700 Spuren und sichtet über 1000 Hinweise aus der Bevölkerung. Am frühen Dienstagmorgen dann der spektakuläre Showdown in Berlin: 1600 Polizisten und schwerbewaffnete Spezialeinsatzkommandos schlagen zu, hauptsächlich in Neukölln. Im Visier: Männer aus dem Remmo-Clan. Drei von fünf Verdächtigen werden festgenommen. Auf das Konto der mutmaßlichen Täter soll auch der Raub einer 100 Kilo schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum gehen.
Sind Kunstdiebstähle in dieser Dimension auch in der hiesigen Region denkbar? Und wie verhält es sich mit der Clan-Kriminalität im Sieger- und Sauerland? Die SZ hakte nach und erhielt Antworten.

Die Dresdner Dimension gibt es in Siegen nicht

Polizei: Ein Diebstahl in vergleichbarer Größenordnung wie im Fall des Dresdner Kunstraubs ist Siegen-Wittgensteins Kreispolizei-Pressesprecher Niklas Zankowski nicht bekannt. Ein solcher Raub wie im Elbflorenz lasse sich auch kaum auf das Kreisgebiet runterbrechen: „Da könnten wir höchstens spekulieren, und das tun wir nicht.“ Sollte solch ein unwahrscheinlicher Coup dennoch einmal eintreten, werde dieser natürlich einen sofortigen Großeinsatz auslösen. Mehr dazu könne man – „auch aus einsatztaktischen Gründen“ – nicht sagen, hält sich der Pressesprecher bedeckt.
Auch was etwaige Clan-Bildungen rund ums Rothaargebirge angeht, antwortet er kurz und bündig: „Clan-Kriminalität spielt in Siegen-Wittgenstein eine untergeordnete Rolle. Die Schwerpunkte liegen eher im Bereich des Ruhrgebiets.“
Museen: Die Museen sind verständlicherweise zurückhaltend mit Aussagen über Werte und Sicherung – auch aus versicherungsrechtlichen Aspekten. Klar ist, dass sowohl das Siegerlandmuseum als auch das Museum für Gegenwartskunst in Siegen über große Werte in ihren Räumlichkeiten verfügen. Welchen Marktwert sie haben, ist eine andere: Ein „spetz Döbbe“ hat sicher keinen! Weltberühmte Kunst, die derzeit nicht en vogue ist, ist auch nicht wirklich verkäuflich …

Marktwert macht Exponate interessant

Siegerlandmuseum: „Mir tut Dirk Syndram, Leiter des Grünen Gewölbes in Dresden, sehr leid“, sagt Prof. Dr. Ursula Blanchebarbe, Leiterin des Siegerlandmuseums, im SZ-Gespräch. Sie kennt Syndram noch aus ihrer Zeit in Bielefeld: „So ein Einbruch ist ein Schlag“ für den Kollegen, der kurz vor dem Ruhestand steht. Wie es um die Beute steht, lässt sich derzeit nur vermuten. Die Goldmünze aus dem Bode-Museum, so wurde ja spekuliert, sei vielleicht schon eingeschmolzen. Die Juwelen aus Dresden könnten aus den Fassungen genommen und separat verkauft worden sein. Aber nach einem solchen Diebstahl seien auch die Juweliere gewarnt, bei Ankäufen genau hinzuschauen. Im heimischen Museum, fährt sie fort, seien wenig Wertgegenstände, die auf dem Markt derzeit einen hohen Sammlerwert hätten. Und der Verkaufs- oder Sammlerwert erst mache ja einen Diebstahl „lohnenswert“.
Und die Rubens-Werke? Die Diskussion über Rubens-Original, Rubens-Werkstatt, Rubens-Umfeld, Rubens-Schule oder Rubens-Nachfolge sei – wie auch das wissenschaftliche Symposion zur „Kreuzabnahme“ im vergangenen Jahr gezeigt habe – derzeit so im Fluss, dass die Aussagen über Urheberschaft oft mit Fragezeichen zu versehen seien. Ob die Arbeiten dann einen lohnenswerten Marktwert hätten?
Vor mehr aus 30 Jahren soll einmal ein Bild aus der Sammlung des Siegerlandmuseums verschwunden sein: eine Landschaft von Deuker, die in der damaligen Wohnkultur gezeigt wurde. Aber seitdem sei ihr kein Fall bekannt, so Blanchebarbe. Die Sicherungen sind ja auch so, dass alles, was nötig sei zum Schutz der Exponate („Außenhautsicherung“, alarmgesicherte Hängung und Vitrinen) vorhanden sei.

"Brutalität des Vorgehens in Dresden ist erschütternd"

Museum für Gegenwartskunst: Die „Brutalität des Vorgehens“ in Dresden sei „erschütternd“, sagt Stefanie Scheit-Koppitz im Gespräch mit der SZ. Und weiter teilt das Museum mit: „Das Museum für Gegenwartskunst Siegen verfügt über professionelle Überwachungs- und Einbruchmeldesysteme zum Schutz seiner Kunstwerke, gemäß Museumstandards und Versicherungsauflagen. Bei den Sammlungswerken des MGK Siegen handelt es sich um sehr bekannte Gemälde, Grafiken, Fotografien, Skulpturen oder Installationskunst. Alle Arbeiten sind international veröffentlicht und gut dokumentiert, was den illegalen Handel erschwert und die Nachverfolgung erleichtert. Zu Rohstoffen einschmelzen lassen sie sich jedenfalls nicht.“

Autor:

Redaktion Kultur

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