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ASK zeigt in Zusammenarbeit mit drei BBK-Gruppen „ver-rückt 3“ im Haus Seel
Die Suche nach der Mitte

„Ver-rückt“: So heißt der Titel der Ausstellung, der unter der Federführung des BBK Bonn-Rhein/Sieg  an fünf verschiedenen Orten gezeigt wird. Ab diesem Donnerstag im Siegener Haus Seel. Fünf ASKler nehmen teil, Irmgard Hofmann aus Bonn (2. v. r.) ist eine der drei Organisatorinnen der Schau.
  • „Ver-rückt“: So heißt der Titel der Ausstellung, der unter der Federführung des BBK Bonn-Rhein/Sieg an fünf verschiedenen Orten gezeigt wird. Ab diesem Donnerstag im Siegener Haus Seel. Fünf ASKler nehmen teil, Irmgard Hofmann aus Bonn (2. v. r.) ist eine der drei Organisatorinnen der Schau.
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gmz - Vier Kunstgruppen stellen an fünf Orten aus. Gezeigt wird eine Auswahl von72 Projektteilnehmern. "ver-rückt" heißt die Schau im Haus Seel, die den Platz der Frühjahrsausstellung der ASK einnimmt.
gmz Siegen.  Das macht mich verrückt. Unaufhörlich summt, surrt und brummt diese dicke Fliege, sucht ein offenes Fenster. Sie will raus. Oh, nein, der Brummer hat jetzt auch noch Gesellschaft. Ich werd‘ verrückt hier! – Werde ich natürlich nicht, aber das Geräusch (ohne visuelle Unterstützung) ist schon sehr penetrant. Ein Bewegungsmelder in einer Installation von Maria Kontz (Bonn) löst das Insekten-Summen aus. Dabei sieht die Arbeit so harmlos aus: Kleine Lampions sitzen auf Stäben: Niedlich wirkt das. Eine putzige, heile, schön geordnete Welt ist das.

gmz - Vier Kunstgruppen stellen an fünf Orten aus. Gezeigt wird eine Auswahl von72 Projektteilnehmern. "ver-rückt" heißt die Schau im Haus Seel, die den Platz der Frühjahrsausstellung der ASK einnimmt.
gmz Siegen.  Das macht mich verrückt. Unaufhörlich summt, surrt und brummt diese dicke Fliege, sucht ein offenes Fenster. Sie will raus. Oh, nein, der Brummer hat jetzt auch noch Gesellschaft. Ich werd‘ verrückt hier! – Werde ich natürlich nicht, aber das Geräusch (ohne visuelle Unterstützung) ist schon sehr penetrant. Ein Bewegungsmelder in einer Installation von Maria Kontz (Bonn) löst das Insekten-Summen aus. Dabei sieht die Arbeit so harmlos aus: Kleine Lampions sitzen auf Stäben: Niedlich wirkt das. Eine putzige, heile, schön geordnete Welt ist das.

Installation will persönlich ansprechen

Die Fliege surrt aber noch immer, aggressiver jetzt. Der Nervfaktor steigt. Durch die persönliche, sinnliche Involviertheit setzen Fragen ein: Wo ist dieses Insekt, dass es keinen Ausweg findet? Kann ich es nicht in die Freiheit entlassen? Wenn ich mir dann den Titel der Installation ansehe, dann denke ich: Gut, dass es summt! „Glückosaat“ heißt die Arbeit nämlich. Die schöne, neue Ackerwelt ist gar nicht so schön, auch nicht so neu, sondern hat schon lange Auswirkungen auf unsere Umwelt. Eigentlich sollten nicht nur die Fliegen verrückt werden, sondern auch wir,  wenn wir versuchen, die Implikationen unserer Nahrungsmittelwirtschaft gegeneinander abzuwägen. Oder wir handeln – und machen der Fliege wenigstens das Fenster auf!

"ver-rückt 3": ASK und drei BBK-Verbände arbeiten gemeinsam

Diese Installation ist Teil der Ausstellung „ver-rückt 3“, die die ASK, die Arbeitsgemeinschaft Siegerländer Künstlerinnen und Künstler, in Zusammenarbeit mit den Bundesverbänden Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) Bonn-Rhein/Sieg, Düsseldorf und Aachen zusammengestellt hat. Federführend ist der BBK Bonn Rhein/Sieg, wie Irmgard Hofmann, eine der drei Bonner Projektverantwortlichen, bei der Vorstellung der Schau im Siegener Haus Seel erläuterte. An fünf Orten soll die Schau gezeigt werden, Siegen ist die dritte Station (daher „ver-rückt 3“).

Fünf Orte, fünf Ausstellungen, ein Pool an Exponaten

Die Genese des Konzepts ist  interessant: Die Bonner luden andere Kunstverbände zum Mitmachen ein. An jedem der fünf Orte kann das lokale Planungsteam sich aus dem Pool der 72 Einsendungen (mit teils mehreren Arbeiten pro Künstlerin oder Künstler) die auswählen, die an den jeweiligen Ort passen. So sind die Ausstellungen an allen fünf Orten leicht unterschiedlich. In Siegen sind 55 Arbeiten von 35 Teilnehmenden zu sehen.
Auch fünf ASK-Mitglieder haben sich an der Ausschreibung beteiligt: Arno Dirlewanger, Sabine Helsper-Müller, Kai-Uwe Körner, Ingo Schultze-Schnabl und Susanne Skalski. Diese fünf haben sich um die Siegener Ausstellung gekümmert, die auf Beschluss der ASKler die traditionelle Frühjahrsausstellung im frisch renovierten Haus Seel darstellt, übrigens erstmals offiziell mit dem neuen Logo (die SZ berichtete).

Klassisches Thema der Kunst: "ver-rückt"

Das gewählte Thema ist sicher eines, das Kunstschaffende zu allen Zeiten beschäftigt hat, denn Kunst geht ja oft der Frage nach dem Anderssein nach, nach dem Nicht-Genormten, nach dem neuen Blick auf Bekanntes. In der Ausstellung, in der Arbeiten an der Wand, Installationen und Plastiken zu sehen sind, ist ein großes Spektrum an Annäherungen ans „Ver-rückte“ zu sehen. Die Arbeiten zeigen, sagt Ingo Schultze-Schnabl, wie sich Künstler „vor Ort“ (im Gegensatz zum „großen Kunstbetrieb“) mit den Themen der Zeit auseinandersetzen. – Die Auseinandersetzung rückt so nahe an den Betrachter heran.

Verschiedene Annäherungen an die Problemstellung

Einige näher sich dem „Ver-rücken“ formal. Wie Susanne Skalski, deren ruhige Stillleben-Fotogramme mit Nähe und Ferne und der optisch täuschenden Wahrnehmung spielen, die die Frage nach dem korrekten Einschätzen der eigenen Perspektive stellen. Kai-Uwe Körner greift die Fragestellung inhaltlich wie formal auf: Sein fotografisches Selbstportrait im Spiegel löst sich auf, dafür erscheint der Betrachter als Spiegelung auf der Fläche, auf der eigentlich Körners Gesicht zu sehen sein sollte. Ingo Schultze-Schnabls Thema ist ja ohnehin das „Verrücken“: Seine unterbrochenen Bilder sind zwar perspektivisch immer korrekt, zwingen aber durch ihre Lückenhaftigkeit zur Ergänzung, zum „Verrücken“ des Gezeigten. In diesem Fall fordert er formal wie inhaltlich am Beispiel von Fotos von Boris Johnson und Zeitungsberichten auf, sich die Frage nach Bild, Abbild (in Wort und Bild) und Realität zu stellen.
Arno Dirlewanger zeigt „Überwacht“. Giftig-gelb legt sich die Überwachung als Ummantelung über den gezeichneten Kopf, dessen Auge eine Kamera ist. „Überwacht“ man also selbst? Gibt man durch sein Verhalten, seine Mediennutzung der Kontrolle Raum? Sabine Helsper-Müller thematisiert sehr abstrakt den Impakt einer „Verrückung“: Sie setzt Energie frei und zerstört.

Ressourcen und mehr

Ursula Schöller (Bonn) bringt verschiedene Aspekte der „Verrücktheit“ unserer Zeit auf den Punkt, wenn sie einen idyllischen Wald zeigt, der bei näherem Hinsehen aber unterlegt ist mit Börsennotierungen. Klima, Umweltschutz, Lebensqualität und wirtschaftliche Notwendigkeit sind mehr als nur „Ressourcen“. – Die Arbeiten sind Analysen der Verrückung und auch der Suche nach deren Ursachen. Die Mitte, von der aus man Verrückung konstatiert, muss jeder selbst suchen.
ASK und BBK: „ver-rückt 3“.
Haus Seel, Kornmarkt, Siegen.
Bis 22. August, dienstags bis sonntags
14 bis 18 Uhr, sonntags auch 11 bis 13 Uhr.
Eröffnung: Donnerstag, 19 Uhr.

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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