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28. Siegener Orgelnacht beendet die 27. Siegener Orgelwochen
Ein Fest der Musik

Zur 28. Siegener Orgelnacht trafen sich (v. l.) Sandra Lichte-Schneider, Ute Debus, Ulrich Stötzel, Helga Maria Lange, Jürgen Poggel, Matthias Scheer und Jörn Heller in der festlich zum Erntedank ausgeschmückten Nikolaikirche.
  • Zur 28. Siegener Orgelnacht trafen sich (v. l.) Sandra Lichte-Schneider, Ute Debus, Ulrich Stötzel, Helga Maria Lange, Jürgen Poggel, Matthias Scheer und Jörn Heller in der festlich zum Erntedank ausgeschmückten Nikolaikirche.
  • Foto: Olaf n. Schwanke
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ne Siegen. Herbstbeginn: Wenn der frischer werdende Wind pfeift, ist im Siegerland schon seit fast dreißig Jahren auch der Zeitpunkt, die größten Instrumente der Region zu feiern. Orgelwochen. Nach den leider viel zu exklusiv besuchten Solokonzerten renommierter Gastorganisten an den Orgeln von Nikolai, Martini und St. Joseph schloss die Veranstaltungsreihe am Samstag gewohnt vielseitig mit der 28. langen Orgelnacht ab, dem bestens besuchten Event mit Kult-Charakter. Das Organisationsteam der Konzertreihe – Ute Debus, Helga Maria Lange und...

ne Siegen. Herbstbeginn: Wenn der frischer werdende Wind pfeift, ist im Siegerland schon seit fast dreißig Jahren auch der Zeitpunkt, die größten Instrumente der Region zu feiern. Orgelwochen. Nach den leider viel zu exklusiv besuchten Solokonzerten renommierter Gastorganisten an den Orgeln von Nikolai, Martini und St. Joseph schloss die Veranstaltungsreihe am Samstag gewohnt vielseitig mit der 28. langen Orgelnacht ab, dem bestens besuchten Event mit Kult-Charakter. Das Organisationsteam der Konzertreihe – Ute Debus, Helga Maria Lange und Peter Scholl, und als diesjährige Gastgeberin die Kantorei Siegen – konnten wieder sechs fest mit der Region verbundene Musikerinnen und Musiker für die vergnügliche Orgelnacht gewinnen, und in diesem Jahr überraschte es die Fans der „Königin der Instrumente“ (wie der junge Mozart die Orgel wohl tituliert haben soll) zusätzlich mit Wortkunst, mit der der Siegener Autor Jörn Heller das knapp dreistündige Konzert strukturierte und akzentuierte.

Zum Start neuzeitliche Musik

Das Entree gestaltete Gastgeberin Ute Debus mit einem fünfsätzigen Vorspiel vom 1973 geborenen Bonner Organisten und Komponisten Gereon Krahforst. Berauschend die feinen Interludien, vergnüglich der Hintersinn des Morgenstern-Gedichtes „Machtrausch“, das Jörn Heller vorlas.
Anschließend führte Matthias Scheer zwei Sätze aus Mendelssohn Bartholdys Op. 65, Orgelsonaten nach Motiven Johann Sebastian Bachs, auf, die spüren ließen, wie hoch die Wertschätzung des jungen Romantikers für den barocken Komponisten war: Con moto maestoso fließt schön im alten Stil mit basso continuo, aus dem heraus dann allmählich romantische Inbrunst wird. Das andante tranquillo danach variiert eine kleine Melodie: herrlich.

Heller stellt Anekdoten zur Orgel vor

Herrlich auch die Anekdoten, Legenden und Wahrnehmungen zum Instrument, die Jörn Heller aus Hans Maiers Büchlein zitiert und feine Übergänge findet von Musikstück zu Musikstück, z. B. zur Echo-Fantasie eines Jan Pieterzoon Sweelinck oder Dietrich Buxtehude mit bester Alter Musik, die Ute Debus der Kemperorgel entlockt, adäquat orchestriert, so dass das Präludium in g-Moll zu einer der zahlreichen echten Klangperlen des Abends wird. Erst fein fugiertes, dann strahlendes Moll, das man kaum glauben will.
Vor der Pause dann, vor dem traditionellen kleinen Buffet, diesmal Corona-konform serviert, für das die Kantorei verantwortlich zeichnete, spielte Helga Maria Lange zwei Sätze aus der 6. Symphonie Charles-Marie Widors op. 42, von dem es zum Konzertabschluss noch die Toccata aus der 5. Symphonie geben wird, diesmal interpretiert von Jürgen Poggel.

Bach, mal ernst, mal humorvoll

Nach der Erfrischung dann eine „Uraufführung“: Jörn Heller rezitierte seine kleine freche Ode an J. S. Bach, deren Pointe auf das Reimpaar eines kleinen bekannten Kindegebetchens hinausläuft, denn Heller macht Bachs „…Musik fromm./ Würde gern Dich kennenlernen, wenn ich in den Himmel komm.“ Ulrich Stötzel nahm die Anregung durch die Ode auf und gab Bach zu Gehör, die BWV-Nummern 547, 730 und 731, die mitunter den Rücken gerade machen oder tief durchatmen lassen konnten, so geerdet, so frei in den Sphären schwebend schwelten die Klänge. Sandra Lichte-Schneider wählte wie Scheer eine der unter der Opusnummer 65 zusammengefassten Orgelsonaten vom Wunderkind „Felix M B“. Nach Bachchorälen, diesmal nach „Vater unser im Himmelreich“: vielsätzig und famos! Und fulminante Beinarbeit, wenn der Choral unten im Pedal mitläuft.

Auch die Tele-Tubbies sind dabei ...

Das umfangreiche musikalische Menü schloss Jürgen Poggel ab, der neben der glänzend-klirrenden, vibrierend-pulsierenden Schluss-Toccata von Widor eine köstliche Nachspeise bot, den knallbunten Parodiepudding von Hans Uwe Hielscher : Variationen über „Geh aus mein Herz“, mal in der Teletubbies-Version, oder in der Corega-Tabs, Ducktales-, Militär-, Mimimi- oder Tinkerbellvariante: Das kann Orgel nämlich auch: witzig sein, Lächeln auf alle Gesichter zaubern, schlicht: verzaubern. Und glücklich machen, vielleicht sogar über den Konzertmoment hinaus.

Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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