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Philharmonie Südwestfalen beglückt mit gestreamtem Weihnachtskonzert
Ein musikalisches Geschenk

Die Philharmonie Südwestfalen spielte im Gläsersaal der Siegerlandhalle ihr Weihnachtskonzert ohne Publikum. Dieses konnte das Konzert am Abend des 1. Feiertags in die Wohnzimmer streamen.
  • Die Philharmonie Südwestfalen spielte im Gläsersaal der Siegerlandhalle ihr Weihnachtskonzert ohne Publikum. Dieses konnte das Konzert am Abend des 1. Feiertags in die Wohnzimmer streamen.
  • Foto: "Der virtuelle Hut"
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

lip Siegen. „Warum machen Sie das?“: Diese Frage von Landrat Andreas Müller während der Publikumsbegrüßung zum Streaming-Weihnachtskonzert an Michael Nassauer, Intendant der Philharmonie Südwestfalen, war leicht zu beantworten. Das Orchester hatte seit dem 30. Oktober mit dem Schumann-Konzert im Apollo-Theater keinen Auftritt mehr und fieberte mit seinem Dirigenten Nabil Shehata danach, wieder mit Leidenschaft Musik für sein Publikum zu machen. Da der momentane Lockdown auch alle anderen Kultureinrichtungen und viele Künstler betrifft, war eine gemeinsame Streamingreihe mit dem „Virtuellen Hut“ und dem Kreis-Kulturbüro die Lösung.

lip Siegen. „Warum machen Sie das?“: Diese Frage von Landrat Andreas Müller während der Publikumsbegrüßung zum Streaming-Weihnachtskonzert an Michael Nassauer, Intendant der Philharmonie Südwestfalen, war leicht zu beantworten. Das Orchester hatte seit dem 30. Oktober mit dem Schumann-Konzert im Apollo-Theater keinen Auftritt mehr und fieberte mit seinem Dirigenten Nabil Shehata danach, wieder mit Leidenschaft Musik für sein Publikum zu machen. Da der momentane Lockdown auch alle anderen Kultureinrichtungen und viele Künstler betrifft, war eine gemeinsame Streamingreihe mit dem „Virtuellen Hut“ und dem Kreis-Kulturbüro die Lösung. Wie dessen Leiter Jens von Heyden betonte, war es die aufwendigste Produktion des Jahres: Sieben Kameramänner und -frauen, zwei Partiturenleser, ein Tonmeister, ein Toningenieur und ein Bildregisseur hatten drei Wochen zu tun, um gute Voraussetzungen zu schaffen.

Orchester aus der Nähe sehen

Um es vorwegzunehmen: Das Ergebnis (am Abend des ersten Weihnachtstags) war großartig! Die Bild- und Tonqualität stand qualitativ mit Fernsehaufzeichnungen auf Augenhöhe. Besonders eindrucksvoll war es, das 60-köpfige Orchester aus der Nähe agieren zu sehen, unmittelbar das Engagement und die Spielfreude mitzuerleben und auch Mimik, Gestik und Impulse des fantastischen Dirigenten Nabil Shehata zu sehen. Der Gläsersaal war zudem ein idealer, optisch und akustisch perfekter Spielort. Wie schon in den vergangenen Jahren war das Programm kein Weihnachtspotpourri, sondern bot mit Richard Wagners Ouvertüre zur Oper „Tannhäuser“ und der 4. Sinfonie von Peter Tschaikowsky hochkarätige und zugleich fesselnde Werke. 

"Tannhäuser"-Ouvertüre: Leidenschaft pur!

Wagner beginnt seine Ouvertüre mit dem Thema der reinen Liebe. Sie charakterisiert Elisabeth, die Geliebte Tannhäusers, und ist auch Melodie des Pilgerchores. Nach und nach erklingt sie von den Hörnern, den Celli, der Klarinette und wird triumphal überhöht vom großen Orchester. Die Szenerie wandelt sich, flirrende Streicherkaskaden malen die Venusberg-Sinnenfreuden. Betörende Soloviolin- und Klarinettengesänge und atemlos exaltierte Streicherchöre erklingen. Dann kämpft sich das Thema der reinen Liebe wieder hervor, um am Ende triumphal im vollen Orchesterklang den Sieg zu behalten. Leidenschaft pur!

Standing Ovations wären angebracht gewesen

Peter Tschaikowskys 4. Sinfonie entstand 1877 in einer emotionalen Krise. Der homosexuelle Komponist war tief unglücklich in seiner kurzen Ehe, die den bürgerlichen Erwartungen entsprechen sollte. Er widmete die Sinfonie seiner Gönnerin Nadeschda von Meck, der er auch Erklärungen zu den Themen gab. So beginnt die Sinfonie mit dem von Bläsern intonierten „Fatum-Thema“. Tänzerisch elegante, sehnsüchtige und chromatische Motive tauchen auf, wirbeln durcheinander, weichen am Satzende dem dramatisch auftrumpfenden Fatum-Thema. Schmerzlich süß ertönt im 2. Satz eine Oboenmelodie, die nach kurzen Tanzepisoden am Ende erstirbt. Der dritte Satz fordert von den Streichern perfektes Pizzikato im rasanten Tempo. Fantastisch, wie die Stimmen von einer Streichergruppe zur nächsten huschten und dabei klangvolle Crescendi zauberten! Rouladen der Piccoloflöte, Blechbläsertänze und - husch - ist alles vorbei. Dramatisch hereinbrechend beginnt das „Volksfest“ des 4. Satzes. Becken, Pauke, Trommel, volles Blech in flottem Tempo dominieren den Satz, der viele Nebenmotive, aber auch das Fatum-Thema anklingen lässt. Nabil Shehata feuerte seine Musiker zu einer furiosen Schluss-Stretta an. Für die grandiose Interpretation wären Standing Ovations angebracht gewesen!

Glöckchen und glitzernde Erhabenheit

Erwartungsgemäß gab es drei weihnachtliche Zugaben, allesamt in großer prachtvoller Bearbeitung: „Jingle Bells“ mit Glöckchen und Pferdegetrappel in raffinierter Klangfülle, „O du fröhliche“ in reich verzierter, glitzernder und funkelnder Erhabenheit und „Stille Nacht“ mit stimmungsvollem Streicherglanz und rauschenden Filmmusikeffekten.Danke für das wunderbare Erlebnis!
Es darf gespendet werden! Nachhören kann man das Konzert auf YouTube und bei Facebook.

Autor:

Redaktion Kultur

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