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Update: Konzert in Siegen ist nun ebenfalls abgesagt / Gigs im Odenwald und in Schameder waren bereits gecancelt
Ein Team mit gutem „Spirit“: 40 Jahre Uni-Big-Band

Glückwunsch! Die Uni-Big-Band feiert ihr 40-Jähriges, unter anderem mit einem (ganz bestimmt) rauschenden Geburtstagskonzert mit anschließender Jam-Session am 28. März im Jazz-Club Oase.
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  • Glückwunsch! Die Uni-Big-Band feiert ihr 40-Jähriges, unter anderem mit einem (ganz bestimmt) rauschenden Geburtstagskonzert mit anschließender Jam-Session am 28. März im Jazz-Club Oase.
  • Foto: Erika Schneider
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

aww – Bandleader Martin Reuthner im SZ-Gespräch anlässlich 40 Jahre Uni-Big-Band Siegen. Das Konzert im Siegener Jazzclub Oase wird nach Angaben vom Donnerstag nicht stattfinden, da das Kulturhaus Lÿz alle Veranstaltungen aussetzt. Auftritt im Odenwald aus Sorge vor Coronavirus abgesagt. Gig in Schameder fällt wegen zu geringen Ticketverkaufs aus. 

aww Siegen/Schameder/Mosbach. Wenn Martin Reuthner über die Uni-Big-Band Siegen spricht, dann tut er das nicht nur mit Überzeugung und spürbar mit Herzblut, dann tut er das auch mit einem gesunden Selbstbewusstsein. Seit zehn Jahren ist der Kölner Trompeter Leader der heimischen Jazz-Institution, länger als jeder seiner diversen Vorgänger. Ein Zeitraum, der übrigens bereits einem Viertel der Gesamthistorie des Ensembles entspricht.

aww – Bandleader Martin Reuthner im SZ-Gespräch anlässlich 40 Jahre Uni-Big-Band Siegen. Das Konzert im Siegener Jazzclub Oase wird nach Angaben vom Donnerstag nicht stattfinden, da das Kulturhaus Lÿz alle Veranstaltungen aussetzt. Auftritt im Odenwald aus Sorge vor Coronavirus abgesagt. Gig in Schameder fällt wegen zu geringen Ticketverkaufs aus. 

aww Siegen/Schameder/Mosbach. Wenn Martin Reuthner über die Uni-Big-Band Siegen spricht, dann tut er das nicht nur mit Überzeugung und spürbar mit Herzblut, dann tut er das auch mit einem gesunden Selbstbewusstsein. Seit zehn Jahren ist der Kölner Trompeter Leader der heimischen Jazz-Institution, länger als jeder seiner diversen Vorgänger. Ein Zeitraum, der übrigens bereits einem Viertel der Gesamthistorie des Ensembles entspricht. Denn in dieser Spielzeit werden 40 Jahre Uni-Swing gefeiert. Grund genug für die SZ-Kulturredaktion, sich mit Martin Reuthner (48) zu treffen, Rückblick zu halten und ein klein bisschen auch Ausblick zu wagen.

Band kratzt am professionellen Klangbild

Wenn er auf die vergangenen zehn Jahre blicke, dann sehe er eine qualitative Entwicklung von einer ambitionierten Amateurband hin zu einer „Band, die an einem professionellen Klangbild kratzt“. Reuthner: „Wir kriegen heute auch Stücke, die von professionellen Big Bands gespielt werden, unfallfrei über die Bühne. Wir haben uns auch entwickelt im Hinblick darauf, was wir uns trauen.“
Auch im solistischen Bereich sei die Band „unheimlich weitergekommen“. Als der Verfasser sich 2010 mit Reuthner in Bad Hersfeld traf, wo der gerade ein Festspiel-Engagement hatte, formulierte der frischgebackene Uni-Big-Band-Leiter im Interview als eines seiner Ziele: den Eigenanteil an Soli herunterzufahren. „Ich arbeite darauf hin, dass die Leute aus der Band das machen“, so Reuthner damals. Heute stellt er, freilich mit einem Augenzwinkern, fest: „Mittlerweile muss ich schon schauen, dass ich mal irgendwo ein Solo spielen kann.“ Der Grund: „Wir haben inzwischen in jedem Satz Leute, die das bedienen können. Früher hatten wir da nicht so die Auswahl.“ Als großen Glücksfall bezeichnet der Bandleader beispielsweise die Besetzung des Saxofonsatzes nicht nur mit zwei Musiklehrern, sondern auch mit vier Schulmusikstudenten. „Da sind drei von auf dem Stand, die kannst du so reinschmeißen, die spielen das einfach.“

Geist des Zusammenhaltes

Was dem Profimusiker vor allem anderen an „seiner“ Uni-Big-Band gefällt, ist der „Spirit“, der sich durch einen Geist des Zusammenhaltes auszeichne. Ein Geist, der bewirke, dass der einzelne auch mal aus der eigenen Komfortzone herauskomme, im Sinne der Band. Das kann zum Beispiel heißen: auch mal noch um halb neun abends direkt von der Arbeit zur Probe zu fahren, auch wenn zu Hause das Sofa ruft. „Ein solcher Geist ist in anderen Bands nicht immer vorhanden“, weiß Reuthner. In Siegen sei das jedoch schon immer so gewesen und mit den Jahren „noch besser geworden“. „Wir sind echt so eine Truppe, eine Mannschaft, ein Team, wo sich jeder verantwortlich fühlt.“
Damit solch ein „Spirit“ entstehen kann, braucht es entsprechende Voraussetzungen: Ernsthaftigkeit und die Beimessung einer Bedeutsamkeit … Dazu gehört: Eine Probe fällt nicht aus! Kann Reuthner selbst einmal nicht, sorgt er für Ersatz am Pult. Und kann einer der Musiker nicht, versucht er, Ersatz zu finden, auch aus Motivationsgründen: „Damit die Leute merken, da bleiben keine Stühle leer.“

In zehn Jahren einige Ziele erreicht

Noch andere Ziele hatte sich Reuthner vor zehn Jahren auf die Fahnen geschrieben. Nicht alltägliche Wege wolle er gehen, wie er damals zur SZ sagte. Und tat das auch in Form von Kooperationen mit anderen eigenständigen Ensembles wie Uni-Orchester und -Chor, Posaunenchören und Blechbläserensembles. Bandinterne Workshops hatte er weiland angekündigt – und das durchgezogen: „Seit Jahren hole ich einmal im Jahr professionelle Leute für alle Instrumentengruppen, die sich dann einen Tag lang mit denen beschäftigen.“ Mit dem Resultat, dass der Satz nachher besser klinge, weil sich die Spieler intensiv mit sich und ihren Mitspielern am gleichen Instrument beschäftigten, anstatt nur im Tutti mitzublasen. Gelungen sei auch die engere Verzahnung der Big Band mit dem Fachbereich Musik, generell eine stärkere Bindung an die Uni, „gerade, was die studentische Beteiligung angeht“. Die Hochschulangehörigen (Studenten und zwei „Profs“) seien inzwischen in der Überzahl, daneben sind Ehemalige dabei und nur noch vier – von insgesamt 23 Mitgliedern inklusive Reuthner – von außen hinzugekommene Akteure.

Konzert im Lÿz nun auch abgesagt

Sie alle feiern das 40-Jährige der Uni-Big-Band eine ganze Spielzeit lang mit verschiedenen Konzerten. Schon im vergangenen September war der Auftakt, gemeinsam mit Pro Musica Sacra, in der Siegener Nikolaikirche. Den Abschluss bildet ein Gig am 7. Juni bei „Sonntagnachmittag um 4“ im Garten des Oberen Schlosses. In die heiße Phase sollte es eigentlich nun mit drei kurz aufeinanderfolgenden Konzerten gehen: Das für kommenden Sonntag, 15. März, 17 Uhr, im Autohaus Müller in Schameder geplante Konzert wurde bereits kurzfristig abgesagt. „Die Nachfrage ist – vielleicht auch aufgrund der momentanen Situation – zu gering“, wie Heinz Seelbach von der Erndtebrücker Kulturinitiative mitteilt. Die Vermutung: Zumindest zum Teil könne eventuell die Sorge vor dem Coronavirus dazu beigetragen haben, wie Seelbach auf Nachfrage der SZ bestätigte. Ebenfalls gestrichen wurde das für Samstag, 21. März, 20 Uhr, in Mosbach im Odenwald, der Heimat Reuthners, terminierte Konzert – aus Vorsichtsmaßnahmen wegen des Coronavirus, so Reuthner. Es solle nach den Sommerferien nachgeholt werden. Ein Termin steht noch nicht fest.
Nachdem das eigentliche „Jubiläumskonzert“ am Samstag, 28. März, 20 Uhr, im Jazzclub Oase zunächst noch gehalten worden war, teilte das Siegener Kulturhaus Lÿz nun am Donnerstag auf seiner Homepage mit, dass alle Veranstaltungen im Hause wegen des Coronavirus bis Ostermontag abgesagt werden. Im Lÿz sollten prominente Gäste am Start sein: Saxofonist Gerd Dudek, in Siegen aufgewachsen und Reuthner zufolge „einer der Wegbereiter des modernen europäischen Jazz“, ebenso wie die beiden WDR-Big-Band-Kollegen Andy Haderer (Trompete) und Ludwig Nuss (Posaune).
Neben dem Auftritt in Siegen sollte ursprünglich auch das Mosbacher Konzert für die Produktion einer Live-CD professionell aufgezeichnet werden. 

Reuthner: „Ich hoffe, dass der ,Spirit‘ bleibt!" 

Und was bringt die Zukunft? Noch einmal zehn Jahre? „Von mir aus auch länger“, sagt Reuthner. „Für mich soll die Band weiterhin wichtiger Bestandteil meiner Arbeit sein.“ Und für die Big Band, für die er sich künftig auch eine Zusammenarbeit mit Schulen wünscht, hofft er, „dass der ,Spirit‘ bleibt! Und wenn wir dann noch besser werden – super!“

Autor:

Alexander W. Weiß (Redakteur) aus Siegen

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