ASK-Mitglied Kurt Wiesner zeigt Druckgrafiken im Oberen Schloss
Ein "Techniker und Spielkind"

ASK-Mitglied Kurt Wiesner zeigt im Oberen Schloss seine erste Arbeit, den Linolschnitt „Gut geschützt“ (r.), und seine neueste (l.) – und weitere Beispiele seiner druckgrafischen Arbeiten, die in den vergangenen zwölf Jahren entstanden sind.
  • ASK-Mitglied Kurt Wiesner zeigt im Oberen Schloss seine erste Arbeit, den Linolschnitt „Gut geschützt“ (r.), und seine neueste (l.) – und weitere Beispiele seiner druckgrafischen Arbeiten, die in den vergangenen zwölf Jahren entstanden sind.
  • Foto: Regine Wenzel
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

zel Siegen. Kurt Wiesner war Elektroingenieur. Er bringt ausreichend technisches Verständnis und die Lust am Tüfteln mit in die Kunst, die er seit 2006 ernsthaft betreibt. Ein Interesse sei immer vorhanden gewesen, es wurde mal gezeichnet oder ein Ölgemälde auf vorskizzierten Platten realisiert, aber erst mit dem Eintritt in den Ruhestand hat Wiesner die Sache beinahe professionalisiert und seine künstlerische Berufung gefunden: die Druckgrafik. Der Künstler aus Neunkirchen schrieb sich, angeregt von der Künstler-Bekannten Ursel Decker, im Wintersemester 2006/07 an der Uni Siegen als Gasthörer ein – und verschrieb sich der Druckgrafik, die er bei Benno Derda im Weidenauer Brauhaus erlernte. Seitdem sind zwölf Jahre vergangen.
Was Kurt Wiesner in dieser Zeit alles „geritzt, geätzt, geschnitten und gedruckt“ hat, zeigt er seit Sonntag in einem Raum im Siegerlandmuseum im Oberen Schloss, dort, wo die Arbeitsgemeinschaft Siegerländer Künstlerinnen und Künstler (ASK), in der der Druckgrafiker seit 2015 Mitglied ist, immer mal wieder zu Gast sein darf.

Vom Ergebnis aus denken

Kurt Wiesner schafft sich künstlerische Aufgabenstellungen, um sie zu lösen, nennt sich bei der Vorbesichtigung seiner Ausstellung selbst lächelnd „Techniker und Spielkind“. „Wo will ich hin?“ ist die alles entscheidende Frage, denn beim Drucken muss man vom gewünschten Ergebnis aus denken. Was dem Maler umständlich erscheinen mag (warum nicht direkt aufs Papier?), ist dem Druckgrafiker Herausforderung. Kunst-Handwerk und ein Gran Zufall machen die Sache spannend.

"Meine Bridget Riley" und "Wege" nach Paul Klee

Kurt Wiesner hat seine kleine Auswahl aus zwölf Jahren Druckgrafik (ein „Kuckuckskind“ hat sich dazwischengemauschelt, dazu gleich mehr) chronologisch gehängt.Los geht es mit dem Linolschnitt „Gut geschützt“, der noch vor der Gasthörerschaft an der Uni mit selbst „gebastelten“ Stempeln entstand. Es folgen eine vielfarbige Überlegung zum Goldenen Schnitt und „meine Bridget Riley“: eine Arbeit, inspiriert von der Op-Art der Siegener Rubenspreisträgerin, die Wiesner ganz fein „mit dem Pinselchen“ in Acryl geschaffen hat. Auch hier galt: „Ein selbst gewähltes Problem lösen mit der Kunst.“
In der „Hochdruckecke“ finden sich mit „Wege“ (nach Paul Klee) und „Wellen“ noch zwei Arbeiten, die mit der Technik der „verlorenen Platte“ entstanden sind: Hierbei wird mit einer einzigen Druckplatte mehrfarbig gedruckt, von der Platte wird immer mehr weggenommen. Will man eine 50er-Auflage schaffen, muss man alles gleich 50-mal drucken – danach ist die Platte unbrauchbar.

Radierungen mag Wiesner doch am liebsten

Weiter geht es in die „Tiefdruckecke“, wie Wiesner sagt. Von allen Verfahren, die er erlernt hat, ist ihm die Radierung doch die liebste; er kombiniert auch verschiedene Techniken: Kaltnadel und Aquatinta zum Beispiel in „berechnet“ und „Landschaft“ – die sind zwar klein, haben aber viel Arbeit gemacht. Der „Baumtorso“ ist aus zwei Platten entstanden – grüner Hintergrund, schwarze „Baumleiche“, eine Kombi aus Ätzradierung und Aquatinta.

Wort-Quadratur und Striche-Spielerei online

Fehlt noch die „Buchdruckecke“: Hier sind zwei der faszinierenden Bleisatz-Werke zu sehen, die Wiesner mit den Unterstreichungsstrichen gedruckt hat. Sie sehen aus, als hätte der Künstler den ultrafeinsten Fineliner für die extrem dünnen Striche benutzt. Die „Rote Mitte“ hat noch dazu was von einem Sonnenuntergang – toll. Ein paar gestaltete Texte sind auch zu sehen, etwa mit „auf“ und „ab“, und aus dem Quadrat wird ein Dreieck. Rita Wiesners Neffe Felix Müller hat es möglich gemacht, dass unter http://www.felixm.net/quadrat  jede/r eigene, gleichlange Wörter eingeben und seine eigene Wort-Quadratur kreieren kann – und ausdrucken, falls gewünscht. Unter http://www.felixm.net/striche kann man mit Wiesners Druck-Strichen und Farben spielen. 
Den Abschluss bilden die neuesten Arbeiten, Ätzradierungen ohne Titel, die die Kunst Kurt Wiesners praktisch „in einer Nussschale“ zeigen: Zu sehen ist der Druckstock, der einmal im Hochdruck (blau) und einmal im Tiefdruck (grün) eingesetzt wurde. Besser illustrieren lassen sich die Faszination Druckgrafik und ihre Möglichkeiten einfach nicht.
Kurt Wiesner: „geritzt, geätzt,geschnitten und gedruckt“.
Bis 2. Februar 2020, Siegerlandmuseum im Oberen Schloss, Siegen, Dienstag bis Sonntag 10 bis 17 Uhr.

Autor:

Regine Wenzel (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Eine/r folgt diesem Profil

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.