Philharmonie Südwestfalen spielte Mozart, Schubert und Beethoven im Apollo-Theater Siegen
Emotionale Wiener Klassik

ne Siegen. Jetzt, wo schon Hyazinthen und Krokusse spießen, möchte man kaum glauben, dass die Neujahrskonzerte – voll von fröhlicher Musik aus der Donaumetropole – gerade erst verklungen sind: Das mitunter Vorfrühlingshafte des noch jungen Jahres steigerte vergangenes Wochenende unser heimisches Landesorchester, die Philharmonie Südwestfalen, mit einem leuchtenden Konzert der Wiener Klassik – und so luzid, so lächelnd gespielt, dass der zweimal ausverkaufte Saal des Apollo-Theaters mit abschließendem Applaus nicht sparen wollte, bis er eine kleine Zugabe bekam.

Schubert-Ouvertüre zu Beginn

Chefdirigent Nabil Shehata eröffnete mit einer Ouvertüre – dem kuriosen Doppelversuch des oft trübseligen Franz Schubert, im Genre Oper zu reüssieren. Ihm ist mit dem zweimal für eine Oper (erst „Die Zauberharfe“, dann die „Rosamunde“) vorgesehenen Stück, D644 von 1820, eine scheinbar fröhliche, nachgerade unbeschwerte Komposition gelungen, in den Piano-Passagen  zerbrechlich und transparent. Das Orchester spielte aufmerksam, aufgeweckt, mit Sinn für die Linie, die Shehata gewohnt energisch vorstellte.
Der Schubert war also ein feines Versprechen auf Verzauberung, das das Programm auch einlöste: Mozarts Sinfonia Concertante in Es-Dur (KV 297b), 1778 in Paris komponiert, riss das Publikum am Freitagabend zu frenetischem Applaus hin. Und nicht nur, weil Shehata in einer launigen Begrüßung auf die Kameras auf Bühne und im Saal aufmerksam machte: „Wir möchten dieses Konzert für die Philharmonie mit Kameras dokumentieren – es wäre also schön, wenn Sie mit Applaus nach den Stücken nicht sparen möchten!“

Orchester-Solisten standen im Fokus

Das charakterisierte die Stimmung der Konzertveranstaltung, die eine gehobene war, nicht zuletzt durch das Können der vier Solistinnen, die das dreisätzige Konzert für Orchester und solistische Oboe, Klarinette, Horn und Fagott in fulminant vorgetragene Musik verwandelten. Lisa Erchinger (Horn) und Lea Kristina Baerthold (Klarinette) sowie Luciano Cruz (Oboe) und Susumu Takahashi (Fagott) sind Ensemblemitglieder und bewiesen eindrücklich, dass die Philharmonie Südwestfalen ein Team aus auch solistisch beeindruckenden Musikerinnen und Musikern ist. Das Horn spielte so weich wie selbstbewusst, die Klarinette versponnen verliebt, das Fagott quicklebendig und die Oboe, die namentlich im Allegro schöne Kantilenen hat, keck. Insgesamt eine Watteau-Atmosphäre.
Nach der Pause dann die Coriolan-Ouvertüre in c-Moll, op.62, die der vielfach gefeierte Wahlwiener Ludwig van Beethoven 1807 in traurige Töne gesetzt hat.

Fulminante "Jupitersinfonie"

Und schließlich die sogenannte „Jupitersinfonie“, Nr. 41 in C-Dur (KV 551), 1788 von Mozart in Wien geschrieben. Sie wurde seine letzte Sinfonie – und ist als epochale Komposition in die Musikgeschichte eingegangen, da sie Elemente des Barock (Fugen, Kontrapunkt) mit Elementen der Klassik (Homophonie, parataktische Melodieführung) zu verbinden und variieren weiß. Shehata und die Philharmonie übertrafen sich selbst – daher der tosende Applaus, die vielen „Vorhänge“ – und eine kleine Wiederholung des eben gehörten Mozartsatzes als Dank der Musikerinnen und Musiker.

Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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