SZ

Musikverein Eiserfeld beschließt seine Auflösung
Endgültiges Aus für „111er“

Ein Bild aus besseren und unbeschwerten Zeiten: der Musikverein Eiserfeld auf Tour. Dass Musik und Gemeinschaft Spaß maEin Bild aus besseren und unbeschwerten Zeiten: der Musikverein Eiserfeld auf Tour. Dass Musik und Gemeinschaft Spaß machten und verbanden, ist deutlich sichtbar. Umso trauriger und frustrierender ist die jetzt beschlossene Auflösung.
  • Ein Bild aus besseren und unbeschwerten Zeiten: der Musikverein Eiserfeld auf Tour. Dass Musik und Gemeinschaft Spaß maEin Bild aus besseren und unbeschwerten Zeiten: der Musikverein Eiserfeld auf Tour. Dass Musik und Gemeinschaft Spaß machten und verbanden, ist deutlich sichtbar. Umso trauriger und frustrierender ist die jetzt beschlossene Auflösung.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Redaktion Kultur

sz/pebe - Corona war ein Beschleunigungsfaktor für den Entschluuss des Musikvereins Eiserfeld, den Spielbetrieb aufzugeben.
sz/pebe Eiserfeld. Es ist vorbei. Nach 92 Jahren heißt es, einen bitteren und traurigen Schlussstrich zu ziehen: Der Musikverein Eiserfeld, auch bekannt als „111er“, hat vor kurzem mehrheitlich seine Auflösung beschlossen. Dies war jetzt aus den Reihen der Vereinsmitglieder und musikalisch Aktiven zu erfahren. Auf einer eigens einberufenen Mitgliederversammlung hätten die 51 Mitglieder abgestimmt. 31 hätten sich für den endgültigen Schritt ausgesprochen, 20 hätten sich der Stimme enthalten, verlautete aus dem Vorstand.

sz/pebe - Corona war ein Beschleunigungsfaktor für den Entschluuss des Musikvereins Eiserfeld, den Spielbetrieb aufzugeben.
sz/pebe Eiserfeld. Es ist vorbei. Nach 92 Jahren heißt es, einen bitteren und traurigen Schlussstrich zu ziehen: Der Musikverein Eiserfeld, auch bekannt als „111er“, hat vor kurzem mehrheitlich seine Auflösung beschlossen. Dies war jetzt aus den Reihen der Vereinsmitglieder und musikalisch Aktiven zu erfahren. Auf einer eigens einberufenen Mitgliederversammlung hätten die 51 Mitglieder abgestimmt. 31 hätten sich für den endgültigen Schritt ausgesprochen, 20 hätten sich der Stimme enthalten, verlautete aus dem Vorstand.

Verein hatte schon länger Schwierigkeiten

Es lief schon längere Zeit nicht mehr richtig rund in dem Eiserfelder Traditionsverein in Sachen Blasmusik, der zuletzt unter Vorsitz von Michael Apelt stand. Bereits seit einigen Jahren spielten die Musikerinnen und Musiker mit der Musikkapelle St. Martinus Wilnsdorf zusammen und gründeten mit ihr eine Musikgemeinschaft, weil mit den verbliebenen Aktiven sonst das Repertoire des anspruchsvollen Klangkörpers nicht zu stemmen gewesen wäre. Doch schließlich die Bilanz: zu wenig Aktive, kein Dirigent. Zum Schluss seien bei den Eiserfeldern nur noch zwei Posaunen, eine Trompete, zwei Querflöten, eine Klarinette und ein Saxofon besetzt gewesen, teilte Kassenführerin Kim Miriam Judt auf Nachfrage der SZ mit.

Der Musikverein war eine Institution

Der MV Eiserfeld war lange eine Institution, das zeigt ein skizzenhafter Überblick über seine Geschichte: 1928 fanden sich einige Musiker zusammen und gründeten eine neue Kapelle, die den Namen Musikverein erhielt – so ist es der Chronik des Vereins zu entnehmen. Gründer waren Paul Schmidt, Paul Lück, Edmund Grau, Erich Mayenschein und Otto Schäfer. Als Dirigenten fungierten anfangs Hermann Geil (Niederschelden) und Walter Vetter (Eiserfeld). Die Herkunft der Bezeichnung „111er“ lässt sich der Chronik zufolge nicht genau ermitteln. 1932 wurde der erste Gesamtvorstand gewählt und der offizielle Name „Musikverein Eiserfeld“ festgelegt.
Nach dem Krieg verzeichnete der Verein schnell wieder einen Aufschwung. 1954 hatte die Kapelle 24 grün uniformierte Musikanten. Im Laufe der Jahre stieg die Zahl auf 38 an. Walter Ückerseifer, Erich Quos und Alfred Hartmann hatten in den 50er- und 60er-Jahren die musikalische Leitung inne. Das 40-jährige Bestehen 1968 und das 50-Jahre-Jubiläum 1978 wurden groß gefeiert, und der Musikverein war aus dem kulturellen Leben Eiserfelds mit vielen Auftritten nicht wegzudenken.

Mit Schwung in die 1980er- und 1990er-Jahre

1971 legte Alfred Hartmann endgültig den Taktstock aus der Hand und wurde zum Ehrendirigenten ernannt. Sein Nachfolger, Pal Molnar, gab dem musikalischen Selbstverständnis des Vereins eine neue Note, die Jugendarbeit wurde intensiviert. In den 80er- und 90er-Jahren hatte der MV Eiserfeld turbulente Zeiten in der Vereinsführung zu überstehen, was indes seine öffentlichen Aktivitäten nicht beeinträchtigte. 1994 schließlich wurde Michael Apelt für einige Jahre zum 1. Vorsitzenden gewählt, der dem Verein später erneut vorstehen sollte. 2003 konnten die Musikerinnen und Musiker noch mit Stolz und Engagement ihr 75-jähriges Bestehen mit einem großen Fest begehen.
Die Gründe für die nun beschlossene Auflösung seien vielfältig, hieß es vorstandsseitig. Offenbar haben die Verantwortlichen keine Lösungsmöglichkeiten zum Beispiel für den Mangel an Nachwuchs für den Verein gesehen – unabhängig davon, dass es sicherlich nicht mehr einfach ist, junge Menschen zum Musizieren in einem Verein zu bewegen. Dies bestätigte im SZ-Gespräch auch Michael Apelt. Es sei immer schwieriger geworden. Viele nicht beeinflussbare Faktoren seien dabei zusammengekommen.
Für die Musikkapelle St. Martinus Wilnsdorf ist das Aus der „111er“ ebenfalls bitter. Aber, so betonte 1. Vorsitzender Frank Petri gegenüber der SZ: „Wir werden als Verein weitermachen.“ Er gehe davon aus, dass einige der Eiserfelder Musikanten nach Ende der Corona-Beschränkungen zu den Wilnsdorfern stießen. Diese haben derzeit noch zwölf Aktive und seien instrumental gut aufgestellt, so Frank Petri.
Auch die Wilnsdorfer Musiker sind ein Traditionsverein, der 2021 schon 120 Jahre besteht. Die Kooperation mit den Eiserfeldern sei sehr gut gewesen, wenngleich beide Vereine ihre Eigenständigkeit behalten hätten. So habe man die gleichen Uniformen angeschafft, aber die unterschiedlichen Vereinswappen behalten. Er gehe davon aus, so Petri, dass den befreundeten Musikerinnen und Musikern „Corona den Rest gegeben“ habe.

Pandemie vergrößert die Probleme

Die Pandemie-Zeiten mit dem Zusammenbruch eines regelmäßigen Probenbetriebs haben sich sicher destabilisierend ausgewirkt. Dennoch: „Corona hat den Prozess nur noch beschleunigt“, sagt hingegen Kim Miriam Judt bedauernd.
„Der Blasmusik geht die Puste aus“, titelte die SZ kürzlich. Auch wenn die Pandemie nur ein Beschleunigungsfaktor war – das Ende des Traditionsvereins zeigt, dass es um diese Form der Orchestermusik nicht zum Besten bestellt ist.

Autor:

Peter Barden (Redakteur) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r
ThemenweltenAnzeige

Tablet-Aktion der Siegener Zeitung
SZ-Abo abschließen und Tablet sichern

Mit einem Abo der Siegener Zeitung kommen Sie jetzt gleichzeitig auch an ein Tablet Ihrer Wahl. Immer und überall informiert mit dem E-Paper... lesen, wo ich will; ... über die Suchfunktion schnell finden, was mich interessiert; ... gleicher Inhalt in praktischer Form; ... mit Zoomfunktion. Jetzt exklusiv: die Tablet-Bundle-Aktion  Beinahe geschenkt: Erhalten Sie kostengünstig ein Tablet Ihrer Wahl bei Abschluss eines Abos der Siegener Zeitung. Möchten Sie Ihr neues Tablet gleich zum Lesen...

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen