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„Wie verhext“ mit Helmut Zierl eröffnet neue Pilcher-Reihe im ZDF
"Erfahrungen mit dem Tod nie vergessen"

Clive (Helmut Zierl) ist von der geheimnisvollen Olivia Marlow (Marion Mitterhammer) fasziniert. Eine Szene aus der Rosamunde-Pilcher-Verfilmung "Wie verhext" am Sonntag im ZDF.
  • Clive (Helmut Zierl) ist von der geheimnisvollen Olivia Marlow (Marion Mitterhammer) fasziniert. Eine Szene aus der Rosamunde-Pilcher-Verfilmung "Wie verhext" am Sonntag im ZDF.
  • Foto: ZDF/Jon Ailes
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

la Siegen/Hamburg. Wenn man Helmut Zierl interviewt, muss man sich im Vorfeld überlegen: Will man ihn als Buchautor, als eines der bekanntesten Gesichter im TV mit mehr als 100 Filmen oder als Bühnenschauspieler interviewen? Drei Berufe, die die künstlerische Vielseitigkeit des 66-Jährigen, der in Lütjensee bei Hamburg lebt, widerspiegeln. Doch vielleicht sollte man gar nicht unterscheiden; denn auf jedem Terrain bewegt sich Helmut Zierl sicher und mit Erfolg. Aktuell ist er an diesem Sonntag ab 20.15 Uhr in der ZDF-Reihe „Herzkino“ zu sehen.
Diesmal spielt Zierl einen KinobesitzerZum fünften Mal seit 1997 stand er für eine Pilcher-Verfilmung in Cornwall vor der Kamera.

la Siegen/Hamburg. Wenn man Helmut Zierl interviewt, muss man sich im Vorfeld überlegen: Will man ihn als Buchautor, als eines der bekanntesten Gesichter im TV mit mehr als 100 Filmen oder als Bühnenschauspieler interviewen? Drei Berufe, die die künstlerische Vielseitigkeit des 66-Jährigen, der in Lütjensee bei Hamburg lebt, widerspiegeln. Doch vielleicht sollte man gar nicht unterscheiden; denn auf jedem Terrain bewegt sich Helmut Zierl sicher und mit Erfolg. Aktuell ist er an diesem Sonntag ab 20.15 Uhr in der ZDF-Reihe „Herzkino“ zu sehen.

Diesmal spielt Zierl einen Kinobesitzer

Zum fünften Mal seit 1997 stand er für eine Pilcher-Verfilmung in Cornwall vor der Kamera. In „Wie verhext“ – nach der Kurzgeschichte „Tea with a Witch“ der verstorbenen Bestseller-Autorin – spielt er den Besitzer eines kleinen Kinos, in dessen Nachmittags-Vorstellung eine einzige Frau (Marion Mitterhammer) sitzt, die sich den letzten Film ihrer verunglückten Schwester Tamara Larsson anschaut. Doch nicht genug damit, dass im Kino immer wieder der gleiche Film läuft. Clive Kent (Zierl) hat nach dem Tod seiner Frau sein Haus zu einem „Museum“ für Tamara Larsson umgestaltet. Dass sich am Ende alles aufklärt, der romantische Aspekt der Geschichte nicht zu kurz kommt, dafür ist Rosamunde Pilcher die Garantin.

Romantische Liebesfilme statt brutale Morde

Für den Erfolg und die soliden Einschaltquoten der Verfilmungen im fünfstelligen Millionenbereich hat Helmut Zierl eine Erklärung: „Ein beachtlicher Teil des Publikums, der sich am Sonntagabend nicht mit brutalen Morden beschäftigen möchte, schaut sich eben romantische Liebesfilme an.“ Er selbst hat nicht die geringsten Berührungsängste: „Die Rollen und Charaktere waren immer sehr unterschiedlich – vom Liebhaber über Lords und Verbrecher bis hin zum schrulligen Kinofreak.“

Die "Coronamatte" passt zum Charakter

In „Wie verhext“ trägt Helmut Zierl das Haupthaar schulterlang oder gebunden zum Zopf – wie einst der Modezar Karl Lagerfeld. Etwas ungewohnt, doch die Vermutung, die Frisur sei eine Reminiszenz an sein Buch „Follow the Sun – Der Sommer meines Lebens“ (Bastei Lübbe, Köln), in dem er ein Kapitel seiner Jugend schildert, trifft nicht ganz zu. Helmut Zierl zur Siegener Zeitung: „Der Lockdown ging einher mit der PR für mein Buch. So war meine ,Coronamatte‘ plötzlich hilfreich. Außerdem war diese Frisur durchaus passend zum Charakter der Rolle. Clive hat sich ein Stück weit aufgegeben.“

Tragische Momente eines jungen Lebens

In seinem überraschenden autobiografischen Buch reflektiert der Schauspieler den prägenden Sommer seiner Jugend. Von der Schule geflogen, rausgeschmissen aus dem Elternhaus, beschreibt Helmut Zierl, wie er als 16-Jähriger nach Brüssel, Ostende und Amsterdam trampt. Auf der Straße lebt, sich verliebt in einem Gefühl von Freiheit, Lebenswillen und Lebensgier. Was hat ihn bewogen, sich an diesen Teil seiner Jugend zu erinnern?
Zierl hat dafür eine Erklärung: „Für mich war das Schreiben fast eine Art Therapie. Ich hatte diese Geschichte 50 Jahre in mir rumgetragen. Weil es unter anderem um sehr tragische Momente meines Lebens ging, die mich als 16-Jähriger total überfordert hatten, musste ich diesen Teil meiner Jugend endlich niederschreiben, um loslassen zu können.“

"Jeder Mensch hat auch dunkle Seiten

Es gab Ereignisse, die er auch 50 Jahre später nicht vergessen hat. „Die ersten Erfahrungen mit dem Tod und die euphorischen Drogenerlebnisse werde ich sicher nie vergessen.“ Und wie haben seine drei Söhne die „Jugendbeichte“ des Vaters aufgenommen? Zierl: „Sie sind mittlerweile erwachsen und finden es mutig, dass ich meine Geschichte öffentlich gemacht habe. Sie haben begriffen, dass jeder Mensch auch ,dunkle’ Seiten hat, die zu verarbeiten sind.“

Inthega-Preis für seinen Willy Loman

Immer wieder kehrt Helmut Zierl zurück auf die Theaterbühne. Für die Rolle des Willy Loman in „Tod eines Handlungsreisenden“ bekam er den Inthega-Preis, und mit „Die Wahrheit“ des französischen Ausnahme-Literaten Florian Zeller stand er auf der Bühne des Siegener Apollo-Theaters.

Neue Serie für Sat.1 entsteht

Was gibt ihm das Theater? Zierl: „Theater hat für mich die gleiche Wichtigkeit wie Film. Die Nähe zum Publikum, die Reaktionen, das Live-Erlebnis, die Message und auch die Bewältigung des Textes sind immer wieder eine tolle Herausforderung.“ Diese Facette bleibt in Coronazeiten und bei geschlossenen Theatern erst einmal dunkel, dagegen denkt er über eine Buch-Fortsetzung nach und steht ab Mai für eine achtteilige Serie bei Sat.1 vor der Kamera.

Autor:

Jörg Langendorf aus Siegen

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