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Pianist Alexander Breitenbach entdeckt jüdischen Komponisten wieder
Ernst Bachrich - zu Unrecht vergessen

Im Rahmen des Festjahrs „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ begeisterte der im Siegerland aufgewachsene Pianist Alexander Breitenbach mit Werken von Ernst Bachrich und anderen Komponisten.
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  • Im Rahmen des Festjahrs „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ begeisterte der im Siegerland aufgewachsene Pianist Alexander Breitenbach mit Werken von Ernst Bachrich und anderen Komponisten.
  • Foto: CJZ Siegerland
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lip Siegen. Begeistert, tieftraurig und hoffnungsfroh: So lassen sich die widerstreitenden Gefühle beim Anhören der Musik des Komponisten Ernst Bachrich beschreiben. Seine Werke sind seit seiner Ermordung im Vernichtungslager Majdanek der Nazis 1942 ein Dreivierteljahrhundert nicht erklungen. Vieles ist verschollen. Von verstreut wiederentdeckten Klavier- und Kammermusikwerken und Liedern wurde 2019 eine CD (eda-records DLF Kultur) eingespielt.
Pianist ist im Siegerland aufgewachsenAlexander Breitenbach ist seither mit Bachrichs Werken, aber auch mit Kompositionen der Vorbilder, Lehrer und Freunde befasst.

lip Siegen. Begeistert, tieftraurig und hoffnungsfroh: So lassen sich die widerstreitenden Gefühle beim Anhören der Musik des Komponisten Ernst Bachrich beschreiben. Seine Werke sind seit seiner Ermordung im Vernichtungslager Majdanek der Nazis 1942 ein Dreivierteljahrhundert nicht erklungen. Vieles ist verschollen. Von verstreut wiederentdeckten Klavier- und Kammermusikwerken und Liedern wurde 2019 eine CD (eda-records DLF Kultur) eingespielt.

Pianist ist im Siegerland aufgewachsen

Alexander Breitenbach ist seither mit Bachrichs Werken, aber auch mit Kompositionen der Vorbilder, Lehrer und Freunde befasst. Wie der im Siegerland aufgewachsene und inzwischen vielfach preisgekrönte junge Pianist und Dozent an der Kölner Musikhochschule im Gespräch mit der SZ vorweg betonte, ist es ihm ein großes Anliegen, die wunderbaren, durch die Wiener Schule (Schönberg und Berg) und französische Einflüsse (Satie, Ravel) angeregten, stilistisch sehr eigenen Kompositionen bekannt zu machen.

Gäste aus den USA und Emek Hefer

Dankbar ist Breitenbach für die Möglichkeit, im Rahmen des Festjahrs „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ per Zoom mit dem zuvor aufgenommenen Konzert (Tontechnik: Uli Thiel, Kamera: Christian Albrecht) an die Öffentlichkeit treten zu können. Gefördert wird das Projekt durch die LWL-Kulturstiftung, Ausrichterin ist die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Siegerland (CJZ). Zum Siegener Konzert begrüßte CJZ-Vorstandsmitglied Dorothee Zabel-Dangendorf heimische Zuhörer sowie Gäste aus den USA und dem israelischen Partnerkreis Emek Hefer. Sie dankte Alexander Breitenbach dafür, sich für die Werke Bachrichs und weiterer verfemter jüdischer Komponisten einzusetzen. Neben Gefühlen wie Schmach und Scham gebe es so auch wieder ein Staunen über die Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland.

Schönberg, Zemlinsky und Berg erklingen

Alexander Breitenbach begann das Konzert mit dem ausdrucksstark gespielten „Intermezzo op. 118“ von Johannes Brahms. Im folgenden Vortrag erläuterte der Pianist, dass Brahms großen Einfluss auf die folgenden Komponistengenerationen gehabt habe, zu denen auch der Kreis um Arnold Schönberg gehörte – ebenso der in Wien geborene Ernst Bachrich, der mit Alexander Zemlinsky und Alban Berg befreundet gewesen sei. Von allen drei Komponisten erklangen kurze, eindrücklich vorgetragene Werke, die stilistisch zwischen Spätromantik, freier Tonalität und Zwölfton-Musik angesiedelt waren.

Einflüsse von Satie und Ravel

Bachrichs „Sonate Nr. 1“ beeindruckte durch einen sehr persönlichen und von inniger Leuchtkraft geprägten Stil. Zupackend, vielschichtig aufgetürmt und virtuos arpeggierend, dann wieder ruhig und nachdenklich, träumerisch zart – so trug der Pianist das anspruchsvolle Werk vor. Bachrich, dessen Lebensweg als Pianist und Dirigent ihn nach München und Paris führte, war auch durch die Musik Erik Saties und die impressionistische Klangsprache Maurice Ravels beeinflusst – zu hören waren „Gnossienne Nr. 3“ von Satie und die „Sonate“ 1903 von Ravel.

Berufsverbot in Deutschland und Österreich

Bachrichs „Prélude für Klavier“ von 1929 kommt mit großer Geste und üppigem Klangrausch daher. Im gleichen Jahr wurde er Kapellmeister in Düsseldorf. Von 1928 bis 1933 war er am Stadttheater Bochum tätig und erhielt in Deutschland Berufsverbot, 1938 auch in Österreich. Dort gab er noch im Eigenverlag seine „Variationen über ein Thema von Beethoven“ heraus. Abschließend spielte Alexander Breitenbach „Drei Portraits op. 6“, die noch einmal die ausdrucksstarke Vielfalt in den sehr unterschiedlichen Stücken zeigten. Trillerreiches, rasantes Auf und Ab, dann tiefgründiges Schweifen und zuletzt schmerzlich süße Motive, eingebettet in glockenartig verfremdete, aufgewühlte Akkorde, die ruhig verebbend in Dur enden.

Bachrich im Konzerthaus Berlin

Dem Konzert schloss sich ein Gespräch an, das ins Hebräische übersetzt wurde. Alle Zuhörer drückten ihre Begeisterung über die Präsentation von Ernst Bachrichs Leben und Musik durch den Pianisten Alexander Breitenbach aus. Dieser dankte seinerseits für die professionelle Begleitung und wies auf ein Konzert im Konzerthaus Berlin am 21. Oktober mit einem Melodram von Bachrich hin – und auf den Link des jetzigen Konzertes bei YouTube unter Bachrich Siegen.

Im Rahmen des Festjahrs „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ begeisterte der im Siegerland aufgewachsene Pianist Alexander Breitenbach mit Werken von Ernst Bachrich und anderen Komponisten.
Der jüdische Komponist Ernst Bachrich.
Autor:

Redaktion Kultur

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