SZ

Designierter Apollo-Intendant Markus Steinwender
"Es gibt nicht nur ein Publikum"

Markus Steinwender hat schon eine Wohnung, nicht nur einen Koffer in Siegen. Der designierte Leiter des Apollo-Theaters setzt auf Kooperation mit der freien Szene, auf Digitalisierung, auch beim Service, und auf die Unterstützung durch Partner in seiner wohl nach wie vor von Corona geprägten ersten Spielzeit.
  • Markus Steinwender hat schon eine Wohnung, nicht nur einen Koffer in Siegen. Der designierte Leiter des Apollo-Theaters setzt auf Kooperation mit der freien Szene, auf Digitalisierung, auch beim Service, und auf die Unterstützung durch Partner in seiner wohl nach wie vor von Corona geprägten ersten Spielzeit.
  • Foto: Sebastian Hoffmann
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

gmz/pebe/zel Siegen. Veränderung liegt in der Luft, Neues wird greifbar – für das Apollo-Theater in Siegen steht ein Wandel an: der erste Wechsel der Intendanz! Der erste in der 15-jährigen Geschichte des Hauses. Im Spätsommer wird Markus Steinwender die Nachfolge von Gründungsintendant Magnus Reitschuster antreten. Der 51-jährige Steinwender, der im vorigen Jahr als Sieger aus den Bewerbungen um die Reitschuster-Nachfolge hervorgegangen war (die SZ berichtete), arbeitet derzeit mehrgleisig: Zu seiner Einarbeitung in die Strukturen, Bedingungen und Möglichkeiten des Apollo und zum langsamen Ankommen im Siegerland (ein Domizil ist gefunden, seine Tochter ist schon im Gymnasium angemeldet) kommt noch eine aktuelle Inszenierung eines Stückes im schwäbischen Esslingen.

gmz/pebe/zel Siegen. Veränderung liegt in der Luft, Neues wird greifbar – für das Apollo-Theater in Siegen steht ein Wandel an: der erste Wechsel der Intendanz! Der erste in der 15-jährigen Geschichte des Hauses. Im Spätsommer wird Markus Steinwender die Nachfolge von Gründungsintendant Magnus Reitschuster antreten. Der 51-jährige Steinwender, der im vorigen Jahr als Sieger aus den Bewerbungen um die Reitschuster-Nachfolge hervorgegangen war (die SZ berichtete), arbeitet derzeit mehrgleisig: Zu seiner Einarbeitung in die Strukturen, Bedingungen und Möglichkeiten des Apollo und zum langsamen Ankommen im Siegerland (ein Domizil ist gefunden, seine Tochter ist schon im Gymnasium angemeldet) kommt noch eine aktuelle Inszenierung eines Stückes im schwäbischen Esslingen. Das Kinderstück, „Das Neinhorn“, werde er auch ins Apollo einladen, verspricht er im Zoom-Gespräch.
Trotz gefüllten Kalenders nimmt sich Steinwender die Zeit, mit der Kulturredaktion der SZ über die Aufgaben zu sprechen, die vor ihm liegen, über die Arbeit unter den Bedingungen einer immer noch „renitenten“ Pandemie und über das Haus, das er in den kommenden fünf Jahren führen und formen wird.

Eröffnungswochenende für viele

Zielgruppen: Als ein wichtiges Themenfeld seiner Intendanz sieht Steinwender eine weiterhin gut aufgestellte Kinder- und Jugendarbeit. „Dies ist einer der Punkte, die im Apollo wichtig sind: Das Theater hat viel für Kinder und Jugendliche gemacht, von Beginn an“, betont er auf die entsprechende Frage. Dies werde sich auch in seiner Arbeit zeigen. So werde es bereits am Eröffnungswochenende seiner Intendanz Angebote für Kinder (5+ und 8+ Jahre), für Jugendliche (13+ Jahre) und für Erwachsene geben.
Es gehe zunächst um eine „Arbeit für“, nicht um den Ausbau partizipativer Strukturen. Die partizipativen Elemente sollen mittelfristig stärker Beachtung finden. Das Erlebnis gemeinsamer Präsenz im Zuschauerraum, das Erleben gespielter Geschichte(n), die Erfahrung, dass „die Welt veränderbar ist“, die Schulung der Empathie und die Erfahrung, dass all dies ein „ganz besonderer Moment“ sein könne, seien ihm wichtig.
Sein Ziel sei, so fügt er an, dass es für Familien normal sei, am Sonntagnachmittag um 15 oder 16 Uhr ins Theater zu gehen, um gemeinsam ein Stück zu sehen und das Erlebnis zu teilen, also diese Erlebnisräume auch im Generationenmix möglich zu machen. Für eine andere Zielgruppe ist es vielleicht schick, erst um 19 Uhr ins Theater zu gehen, so wie ins Kino, und sich dann ins Nachtleben zu stürzen.

Apollo als Partner für freie Szene

Vernetzung und Kooperation: Es gibt eine lebhafte Theaterszene in Siegen, konstatiert die SZ-Redaktion: Wie sieht Steinwender das Verhältnis des Apollo-Theaters zur freien Szene oder dem Bruchwerk-Theater? „Ich sehe das als eine gemeinsame Szene“, antwortet er. Die wichtigsten Akteure vor Ort hat Steinwender schon kennengelernt. „Es gibt eine große Sehnsucht, dass das Apollo sich vermehrt als Partner sieht.“ Es gelte, Absprachen zu treffen, Kooperationen müssten gesucht und ermöglicht werden. Aber es gehe auch um praktische Fragen: Wie lassen sich, etwa bei der Beantragung von Fördermitteln, Synergieeffekte nutzen? Kollaborationen sollen möglich sein, da denkt Steinwender schon ans Stadtjubiläum 2024.

Kein klassisches Stadttheater

Bürgertheater: Siegen, so Steinwender, sei in der erstaunlichen Situation, kein klassisches Stadttheater zu haben (das sich kleinere Städte durchaus leisteten), sondern die Form der privatwirtschaftlich über einen Verein geführten Bühne. Es sei wichtig, für dieses Projekt Gelder zu beschaffen, seien es Punktförderungen über die öffentliche Hand, etwa vom Bund, oder Förderungen für konkrete künstlerische und partizipative Arbeit, wie er dies für seine zweite Spielzeit plane. Zu beachten sei dabei, dass die öffentlichen Förderer ihre Ziele änderten und mittlerweile viel Geld für Vermittlungsarbeit bereitstellten. Auch stelle sich immer wieder neu die Frage, was die Bürgerschaft sei und für was und wen denn das Haus da sei: „Es gibt nicht nur ein Publikum, es gibt viele Publika“, betont der zukünftige Intendant, die gelte es kennenzulernen und zu verorten und dann künstlerisch darauf zu reagieren.

Digitalität beim Spiel und beim Service

Digitalisierung: Steinwender, der zunächst Computerwissenschaften studierte, steht der Digitalisierung offen gegenüber. Dennoch müsse genau eruiert werden, welche Möglichkeiten sich künstlerisch in diesem Bereich ergäben. Dem komme „auswahltechnisch“ die Struktur des Apollo als „Gastspielhaus“ entgegen. Stärker aber gehe es zunächst darum, die praktischen Abläufe im Apollo mit mehr digitalen Möglichkeiten zu verändern oder einfacher zu machen. Zum Beispiel den Servicegedanken zu stärken: online Karten buchen, vielleicht auch online den Parkplatz zu buchen und so den Theaterabend „sicher geplant“ zu genießen. Denn in der immer noch pandemischen Zeit gehe es darum, das Publikum zurückzugewinnen. Dazu sei auch eine direktere Kommunikation mit ihm nötig, inklusive digitaler Begleitung, etwa per E-Mail mit Wissenswertem zum Besuch vorab und der Bitte um ein Feedback hinterher, wie er es aus Museen in Frankreich kennt.

Erstmal "kleinere" Abo-Päckchen packen

Abos: Die Pandemie und die Schließungen der Kultur-Häuser haben, so Steinwender, das Publikum in mancher Hinsicht entwöhnt. Der Besuch einer Veranstaltung ist längst nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Zu gemütlich haben es sich viele auf dem Sofa mit dem Netflix-Abo gemacht. Deshalb müssten die Abo-Strukturen, die im Apollo eigentlich sehr überlegt und mit Blick auf Publikumsinteressen gestaltet seien, angepasst bzw. überhaupt erst „wiederbelebt“ werden. „Abonnenten geben uns Kredit: Sie bezahlen im Voraus für eine Leistung und setzen Vertrauen in den Inhalt.“ Ihm schwebe vor, dass (zunächst) weniger Veranstaltungen pro Abo angeboten würden. Wenige „verpflichtend“, die anderen Angebote würden dann hoffentlich aus Interesse besucht, fügt er mit einem Lächeln an. Ein Komödien-Abo dürfe dann auch nur Komödien enthalten … Ziel sei zuallererst, das Publikum, oder verschiedene „Publikumsarten“, überhaupt wieder ins Theater zu locken. Mit gutem Programm.

Öffentliche Förderung und gute Partner

Finanzierung: Das Apollo finanziert ja einen großen Teil seines Budgets über Sponsoren, Spenden und Eintritte. Das gebe es so nicht häufig, betont Steinwender. Das Defizit, von dem die SZ berichtet hat, schockiert ihn nicht so sehr. „Es gibt eine große Bereitschaft von vielen Partnern zur Unterstützung oder diese Unterstützung bei anderen zu holen.“ Und natürlich auch die öffentliche Förderung (Stichwort: „Neustart Kultur“) und andere Programme sollen erschlossen werden, auch im Zusammenhang mit den möglichen Kooperationen mit anderen Kultur- und Theateranbietern. Vor allem aber sei es wichtig, das Publikum zurückzugewinnen, nach den Aussetzern der Corona-Zeit, vom „Angstmanagement“ wegzukommen und Sicherheit zu bieten. Das Theater zum „safe space“ machen, sagt er, zum sicheren Ort.

Nicht alles schriftlich fixiert

Übergang der Intendanz: Dies sei „für beide Seiten ein spannender Prozess“, nickt Steinwender. Die bisherige Struktur sei zugeschnitten „auf das, was die jetzige Intendanz braucht“. Für ihn gehe es um die Frage, wie er Wissen über dieses Haus sammeln könne. Er mache sich derzeit vielfältig mit dem Haus vertraut, habe zum Beispiel eine 3-D-Aufnahme des Theaters angefertigt, um sich orientieren zu können, wenn er nicht in Siegen sei. Das führe auch zu praktischen Fragen wie der einer besseren Orientierung der Besucher. Stichwort: Wo ist eigentlich der Eingang zum Theatersaal?!? Und es gehe um die vielen Ebenen der „Agreements“, der prozessualen Absprachen, die nicht schriftlich fixiert seien, wohl aber im Workflow wichtig seien. „Man muss wissen, wie die Partner funktionieren, da braucht es Feingefühl.“

Neue Spielzeit wird im Juni vorgestellt

Und sonst? Markus Steinwender ist ausgebildeter Schauspieler. Selbst spielen will er in Siegen nicht, damit hat er 2012 eh schon aufgehört. Er will Regie und das Haus führen: „Große Herausforderung und große Lust“ sei das für ihn. Eine Weiterbildung in Theater- und Musikmanagement in München macht ihn fit für sein neues Amt. Am 14. Juni will er sein Programm für die Spielzeit 2022/23 und (s)ein neues Team der Öffentlichkeit vorstellen.

Autor:

Redaktion Kultur

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