Kunstsommer 2021 öffnet sich für alle Künste
Experimenteller Charakter

Die Schaufenster-Ausstellung von Julius Brauckmann mit dem Titel „Deadline“ bespielte schon vor einigen Jahren das Distanz-Terrain und thematisierte die „Deadline“, das Abgabedatum, das auch die Bewerber für den Kunstsommer 21 beachten sollten …
  • Die Schaufenster-Ausstellung von Julius Brauckmann mit dem Titel „Deadline“ bespielte schon vor einigen Jahren das Distanz-Terrain und thematisierte die „Deadline“, das Abgabedatum, das auch die Bewerber für den Kunstsommer 21 beachten sollten …
  • Foto: Kunstverein Siegen
  • hochgeladen von Peter Barden (Redakteur)

sz/gmz Siegen. Der Kunstsommer ist eine Initiative des Kunstvereins Siegen, bei der Kulturschaffende an verschiedenen Orten im Kreis Siegen-Wittgenstein ihre Arbeiten präsentieren. Ausstellungen, partizipative Projekte, Diskussionsrunden, künstlerisch-praktische Workshops sind beispielsweise Bausteine der Veranstaltungsreihe, die von Mai bis September 2021 stattfindet. Ziel des Kunstsommers sei es, die Projekte einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen und eine Übersicht über die vielfältige Kunst in der Region zu geben, heißt es in einer Pressemitteilung.

Bewerben können sich viele

Auch dieses Jahr können sich wieder Künstlerinnen und Künstler, Kulturschaffende, Vereine oder Institutionen mit einem Beitrag bewerben. Das können z. B. eine Ausstellung, ein partizipatives Projekt, ein offenes Atelier, Tanz, Performance, Theater, Lesung, Fachvorträge, künstlerisch-praktische Workshops und anderes mehr sein. Jedoch sollte all dies von einem künstlerischen Anspruch getragen sein. Aus den Bewerbungen wählt eine fünfköpfige Jury die Projekte aus, die zusammen ein abwechslungsreiches Programm mit experimentellem Charakter bilden. Das Kunstsommer-Plakat informiert an Kulturflächen, Litfaßsäulen und Lichtmasten über alle teilnehmenden Veranstaltungen, die im Kreis Siegen-Wittgenstein stattfinden. Zudem ist eine digitale Präsentation der Akteure geplant, so Jennifer Cierlitza als Geschäftsführerin des Kunstvereins.

Ortsspezifisches Projekt geplant

Im Hinblick auf mögliche Einschränkungen im Kultur- und Veranstaltungsbetrieb soll der Schwerpunkt in diesem Jahr auf Projekten im öffentlichen Raum liegen, deshalb plant der Kunstverein eine Kooperation mit dem raumlaborberlin (neun kunstaffine Architektinnen und Architekten, die sich zu einer kollektiven Netzwerkstruktur zusammengefunden haben), das an der Schnittstelle zwischen Architektur, Stadtplanungen und Kunst arbeitet. Mittels urbaner Interventionen soll ein gemeinsames ortsspezifisches Projekt aus dem Bereich bildende und darstellende Kunst, Tanz, Performance, Architektur, Theater, Design und Musik entstehen, das neue Möglichkeitsräume und Treffpunkte („Galerien auf Zeit“/ Off-Spaces) generiert. Genaue Informationen folgen im Februar.
Gefördert wird die diesjährige Kooperation durch die Stiftung Kunstfonds. Die Initiative Kunstsommer wird zudem langjährig vom Kulturbüro des Kreises Siegen-Wittgenstein, Kultur-Siegen der Universitätsstadt Siegen und weiteren Sponsoren unterstützt.
Kulturschaffende aus Siegen und dem Kreis Siegen-Wittgenstein sind aufgerufen, Vorschläge mit aussagekräftigen Unterlagen für den Kunstsommer 2021 bis zum 7. März postalisch beim Kunstverein Siegen (Postanschrift: Kunstverein Siegen, Markt 2, 57072 Siegen) einzureichen. Weitere Informationen und Anmeldeunterlagen können per Mail an info@kunstverein-siegen.de oder per Telefon (02 71) 2 16 24 angefordert werden. Aufgrund unvorhersehbarer Entwicklung der Pandemie sind alle Informationen ohne Gewähr.

Was  sollen die Veränderungen bewirken?

Auf Nachfrage der SZ geht Geschäftsführerin Jennifer Cierlitza genauer auf die Neuerungen ein.
Es ist mutig, ein solch großes Projekt für den Sommer zu planen. Auch wenn wegen der Entwicklung der Corona-Maßnahmen derzeit noch keine Planungen angestellt werden können, wolle der Kunstverein, so Cierlitza, auch ein Zeichen gegen die „cancel culture“ setzen, gegen die Kultur der Absagen und Beschränkungen, und zeigen, dass Kultur doch gelebt werden könne.

Breite Basis für Vielfalt

Aber das ist nicht alles, was sich ändert. Neben Ausstellungen und offenes Ateliers können Kunstsommer-Interessenten in diesem Jahr auch partizipative Projekte, Diskussionsrunden oder künstlerisch-praktische Workshops vorschlagen. Damit, erklärt Jennifer Cierlitza weiter, werde der Kunstsommer, der bisher eine Plattform nur für die bildenden Künste war, auf eine deutlich breitere Basis gestellt. Die Einbeziehung der darstellenden Künste, partizpativer Elemente und der Diskurs-Kultur schaffe mehr Vielfalt und Abwechslung, betont die Kunstvereins-Geschäftsführerin, und erweitere auch den Kreis der möglichen Bewerber. Auch das sei gewünscht und nötig. Denn – so die Erfahrung – im Laufe langer Jahre, in denen das Kunstsommer-Angebot besteht, erlahmt auch das Interesse … Durch die breitere Aufstellung des Kunstsommers, so Cierlitza, „hoffen wir auf jede Menge Bewerbungen“!

Präsentationen auch digital verfügbar

Wenn der Kunstsommer einen etwas anderen Charakter bekommt, bleibt dann das Plakat, das ja sehr charakteristisch war, in der bekannten Form erhalten? Es wird aller Voraussicht nach, so Cierlitza, überarbeitet. Das veränderte Konzept komme auch mit einem neuen Erscheinungsbild daher.
Warum sollen die Präsentationen auch digital verfügbar sein? So, erläutert Cierlitza, könne den vermutlich zu erwartenden, coronabedingten Einschränkungen bei der Präsentation der Projekte entgegengetreten werden: Wenn sie nicht real zu sehen und zu erleben seien, dann wenigstens virtuell.

Möglichkeitsräume

Die Zusammenarbeit mit dem raumlaborberlin und die „Eingriffe“ in den Stadtraum erinnern ein bisschen an das Konzept des (städtischen) Urban Art Festivals im vergangenen Jahr, das ja auch auf die „Bespielung“ des öffentlichen Raums setzte und der ungewöhnlichen Orte mit Kunstaktionen setzte. Neben dem praktischen Grund, dass Veranstaltungen im Freien vielleicht eher gestattet sein werden als in Räumen, sagt Cierlitza, wolle die Kooperation auch „Möglichkeitsräume“ schaffen, die von den Kunst-Akteuren genutzt werden könnten, um auf den Stadtraum und seine Wahrnehmung durch das Publikum zurückzuwirken. Wo Räume entstehen, entsteht mehr … zum Beispiel auch Identifikation mit dem Stadtraum.
Auf die Frage, ob nicht durch die konzeptionelle Ausweitung des Kunstsommers auf alle Bereiche des kulturellen Angebots die „Marke Kunstsommer“ an Kontur verliert, antwortet Jennifer Cierlitza, dass sich die Kunstsommer-Planer eben durch die Vielfalt neue Impulse erhofften. Sollte es nötig sein, fügt sie an, könne bei künftigen Kunstsommer-Ausgaben zum Beispiel auch thematisch stärker lenkend eingegriffen werden, um das Profil zu erhalten oder zu schärfen. Die neue Ausrichtung sei ein offener Prozess mit experimentellem Charakter.

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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