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Premiere von "Fische" im Bruchwerk-Theater
Faszination der Andersartigkeit

Lisa Sophie Kusz und Irina Ries waren „Fisch“ und „E“ in der vom Publikum unterschiedlich aufgenommenen Premiere des Stücks „Fische“ von Nele Stuhler im Siegener Bruchwerk-Theater.
  • Lisa Sophie Kusz und Irina Ries waren „Fisch“ und „E“ in der vom Publikum unterschiedlich aufgenommenen Premiere des Stücks „Fische“ von Nele Stuhler im Siegener Bruchwerk-Theater.
  • Foto: Bernd Dreseler
  • hochgeladen von Peter Barden (Redakteur)

ba Siegen.  Manchmal werden die Zuschauer im Theater gefordert, sich für besondere Momente zu öffnen. So auch bei dem Stück der in Berlin lebenden Autorin Nele Stuhler, das am Freitagabend im ausverkauften Siegener Bruchwerk-Theater unter der Regie von Milan Pešl Premiere hatte. Zum ersten Mal wurde zuvor eine Einführung für das Publikum angeboten, die in diesem Fall durchaus sinnvoll war.
Grundproblematik einer BeziehungDenn „Fische“ ist ein Werk, das keine Geschichte erzählt, wie man sie sonst im Theater erwartet, sondern zehn einzelne Versuchsanordnungen einer Beziehung zwischen zwei unterschiedlichen Partnern sowie sechs Auswertungen präsentiert. Versuchsanordnungen, die andeuten, wie „Fisch“ (Lisa Sophie Kusz) und „E“ (Irina Ries) versuchen, gemeinsam als „Fische“ zu harmonieren.

ba Siegen.  Manchmal werden die Zuschauer im Theater gefordert, sich für besondere Momente zu öffnen. So auch bei dem Stück der in Berlin lebenden Autorin Nele Stuhler, das am Freitagabend im ausverkauften Siegener Bruchwerk-Theater unter der Regie von Milan Pešl Premiere hatte. Zum ersten Mal wurde zuvor eine Einführung für das Publikum angeboten, die in diesem Fall durchaus sinnvoll war.

Grundproblematik einer Beziehung

Denn „Fische“ ist ein Werk, das keine Geschichte erzählt, wie man sie sonst im Theater erwartet, sondern zehn einzelne Versuchsanordnungen einer Beziehung zwischen zwei unterschiedlichen Partnern sowie sechs Auswertungen präsentiert. Versuchsanordnungen, die andeuten, wie „Fisch“ (Lisa Sophie Kusz) und „E“ (Irina Ries) versuchen, gemeinsam als „Fische“ zu harmonieren. Abstrahierte Momente, die gleichermaßen Raum lassen für Assoziationen und Interpretationen.
Dabei geht es nicht um das Verstehen, sondern um die Wahrnehmung. Ähnlich wie ein Musikstück, das vom Zuhörer erlebt wird, greift „Fische“ die Grundproblematik der Beziehung zwischen zwei Partnern auf, die vom Zuschauer empfunden werden soll. Dass der eine dieser Partner ein Steine lutschender und ausspeiender Fisch ist, mag irritieren, doch zeigt es vor allem eines: Auch in einer Beziehung ist der oder die andere ein unbekanntes Wesen.

Jeder bewegt sich in seinem Element...

Es ist kompliziert. Und wer glaubt, das Verhalten seines Partners zu verstehen, zeigt sich anmaßend. So wird versucht, in der sterilen Atmosphäre des von Teresa Pešl kreierten Bühnenbildes, das sich nach eigener Aussage auf die Grundbedürfnisse „Licht, Wasser, Stuhl, Tisch und Klo“ reduziert, beim Ein- und Ausatmen einen gemeinsamen Rhythmus zu finden. Ein durchaus schwieriges Unterfangen, denn Störungen lauern überall, und die Andersartigkeit zwischen Fisch und Mensch wird allzu deutlich.
„Du lebst in einem Glas!“, bemerkt „E“. „Das merke ich gar nicht“, antwortet „Fisch“. „Du hast keine Hände“, bemängelt „E“. „Ich kann schwimmen“, rechtfertigt sich „Fisch“. Jeder bewegt sich in seinem Element und versucht, sich auf den anderen zuzubewegen. Dass während dieser Phase die Polkappen schnell schmelzen und der Lebensraum sich derart verändert, dass ein Zusammenleben ohne Trennscheibe des Aquariums möglich wäre, scheint absurd zu sein. Und auch der Karpfen, der in die traute Zweisamkeit des Fisch-E-Teams einzudringen droht und Gefühle der Eifersucht entlockt, wirkt auf gewisse Weise befremdlich.

Nele Stuhler lobt das Ensemble

Allerdings erheitert Marcel Rudert, der während des gesamten Stücks für einen durchgehenden Soundtrack sorgt, das Publikum nicht nur durch seine besondere Karpfensprache, sondern auch mit seinem extravaganten Sitzmöbel – einer Toilettenschüssel. Überhaupt spielt der Sprachrhythmus in diesem Stück eine wichtige Rolle und verlangt den Schauspielern, die auch körperlich durchaus gefordert werden, einiges ab. Deshalb verwundert es nicht, dass Milan Pešl im anschließenden Gespräch mit der Autorin gestand: „Uns hat die Beschäftigung mit dem Text ziemlich fertig gemacht.“ Offensichtlich ist es ihm aber gelungen, mit seiner Inszenierung die extra zur Premiere aus Berlin angereiste Autorin zufriedenzustellen. „Ich fand es gut!“, lobte sie das Ensemble.

Zuschauer waren geteilter Meinung

Die Zuschauer waren allerdings geteilter Meinung. Während einige stehend applaudierten, konnten andere mit dieser Art des Schauspiels wenig anfangen. So gilt offensichtlich auch hier: Es ist kompliziert.

Autor:

Bärbel Althaus (Freie Mitarbeiterin) aus Wilnsdorf

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