Mario Mammone und Sebastian Scobel feiern „Endzeit-Liebeslieder“ im Bruchwerk
Feinsinnig-jazzige Welten

Jazzige Liebeslieder streamte das Bruchwerk-Theater am Donnerstagabend, vorgetragen von Mario Mammone und Sebastian Scobel.
  • Jazzige Liebeslieder streamte das Bruchwerk-Theater am Donnerstagabend, vorgetragen von Mario Mammone und Sebastian Scobel.
  • Foto: Bruchwerk-Theater
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anwe Siegen. Die „Endzeitdekadenz“, die das Siegener Bruchwerk-Theater seit längerem schon streamend beschreibt, wurde jetzt musikalisch. Die „Endzeitdekadenz“ genannte „Livestream-Reihe aus der Quarantäne“ füllten am Donnerstag, in Wohnzimmer-Atmosphäre mit Teppichboden und Vorhängen, Mario Mammone (Gitarre und Gesang) und Sebastian Scobel (Piano). Mario Mammone ist als der eine Teil des Late-Night-Jazz-Foundation-Nucleus (LNJF) bekannt und Sebastian Scobel als gern gesehener Gast bei so manchem LNJF-Konzert.

Liebeslieder aus der Frühzeit des Jazz

Die beiden verwöhnten die Zuschauer an den Bildschirmen daheim motto-mäßig mit „Endzeitmusik“-Liebesliedern aus der Zeit, als der Jazz seine ersten musikalischen Schritte hinaus in die weite Welt unternahm, seit er in den 1920er-Jahren entdeckt wurde. Die Besetzung mit Gesang, Gitarre und Piano bot ein eigentlich eher Jazz-untypisches Setting, was aber den dargebotenen Stücken aus der Welt der großen Gefühle der fast schon aus dem Gedächtnis verschwundenen Broadway-Shows und Musicals keinen Abbruch tat, sondern vielmehr eine ganz besondere Note verlieh.
Vor dem geistigen Auge ließen sich im Kopfkino die Momente der Sehnsucht, der Wehmut, des Glücks und vieler Facetten des menschlichen Liebeslebens miterleben, nahmen einen bisweilen völlig gefangen. Mit Lieblings-Liebesliedern streiften Mario Mammone und Sebastian Scobel wie zwei musikalische Hobos durch die Höhen und Tiefen der menschlichen Liebesgefühlswelten, von himmelhoch-jauchzend bis zu Tode betrübt.

Von "Basin Street" zu "Love For Sale"

Mit einem der ältesten Jazz-Love-Songs im Repertoire, dem „Basin Street Blues“ von Spencer Williams (1928), ging es feinsinnig los, gefolgt von „I Ain’t Got Nothing But The Blues“ und dem 1942 entstandenen „Don’t Get Around Much Any More“ aus der Feder des unvergessenen Duke Ellington und mit Lyrics von Bob Russell. Das war nur allzu passend zur aktuellen Situation der Reisebeschränkungen!
Danach verwöhnten die beiden ihr Publikum mit einem instrumentalen „Ohrgasmus“, wie das Livechat-„Moderatörtchen“ es so trefflich auf den Punkt brachte, der das Thema der käuflichen Liebe – „Love For Sale“ – behandelte. Kenntnisreich wusste Mario Mammone zu berichten, dass dieses Werk 1931 gar nicht im Radio gespielt werden durfte, da sein Text zu anzüglich war. Daher habe man sich entschieden, es im Bruchwerk auch nicht zu singen, sondern nur instrumental zu performen, was jedoch die zahlreichen Live-Chat-„Poster“ auf den Plan rief, die vehement im After-Show-Talk darüber diskutierten. Tenor: Singen! Man sei ja schließlich nicht in Prüderika!

Ohren- und Augenschmaus

Gleitende Melodien wallten durch den Äther, und ein mehrgeteilter Screen ergänzte den Ohren- um den Augenschmaus. Zu „Crazy She Calls Me”, dem jüngsten von ihnen performten Werk von 1949, wusste Mario Mammone anzumerken, dass ihn die Zeile „The Difficult I’ll Do Right Now, The Impossible Will Take A Little While“ sehr beeindruckt und auch etwas geprägt habe.
Aus den Frühzeiten dieser Liebes-Songs spielten die beiden virtuosen Musiker dann George und Ira Gershwins „But Not For Me“ (1930), bevor sie mit „All Of Me“, komponiert von Gerald Marks und getextet von Seymour Simmons, uneins über die Bedeutung des Liedes (außer, dass es grundsätzlich um das Verlassen geht), den feinen, kleinen Abend der leichtfüßigen, beschwingten Exkurse in die Liebeswelten der „guten alten“ Musical- und Broadway-Shows zum Ende brachten, um nachher noch im Live-Chat Rede und Antwort zu stehen und so manches Geheimnis zu lüften. Beispielsweise, dass die Jazz-Liebeslieder-Idee aus dem 2017er-Programm von Mammones früherer Band Trio Reale stammt. Und man darf sich schon jetzt darauf freuen, was Milan Pe(s)l, einer der Bruchwerk-Macher, schon im Chat verriet, nämlich dass einer dieser „Endzeitdekadenz“-Streams als Finale zum Abschluss nochmals gestreamt wird … Da heißt es Daumen drücken für die alte Jazz-Liebe!

Autor:

Anna Maria Weber (Freie Mitarbeiterin) aus Siegen

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