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Bühne Cipolla gibt „Schachnovelle“ von Stefan Zweig
Festivalfinale im Apollo

Mit der „Schachnovelle“ gastierte am Freitag und Samstag das Bremer Figurentheater Cipolla zum zweiten Mal im Rahmen des „Festivals der Abstände“ im Apollo-Theater. Auch in der kommenden Spielzeit 2020/21 werden Puppenspieler Sebastian Kautz und sein Bühnenkollege, der Musiker und Komponist Gero John, im Siegener Theater präsent sein.
  • Mit der „Schachnovelle“ gastierte am Freitag und Samstag das Bremer Figurentheater Cipolla zum zweiten Mal im Rahmen des „Festivals der Abstände“ im Apollo-Theater. Auch in der kommenden Spielzeit 2020/21 werden Puppenspieler Sebastian Kautz und sein Bühnenkollege, der Musiker und Komponist Gero John, im Siegener Theater präsent sein.
  • Foto: Jörg Langendorf
  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

la Siegen. Nur eine flackernde Glühbirne erhellt das karge Hotelzimmer. Es ist kein Laut zu hören, keine menschliche Stimme. Und das über Wochen. Psycho-Folter für Dr. B., den Anwalt, der Vermögen des Klerus und des Adels verwaltete und nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Österreich 1938 von der Gestapo unter Druck gesetzt wird, Geld-Transfers in die Schweiz und Konten zu verraten. Um bei den späteren Verhören nicht zum Verräter zu werden, stiehlt er aus einer Manteltasche im Warteraum ein Buch. Zur geistigen Erbauung, um nicht zu zerbrechen. Doch es ist keine Literatur, sondern eine Sammlung berühmter Schachpartien, die er auswendig lernt. Dann beginnt er, neue Partien gegen sich selbst zu spielen und erleidet eine Persönlichkeitsspaltung. Das Schachspiel wird zum existentiellen Kampf.

la Siegen. Nur eine flackernde Glühbirne erhellt das karge Hotelzimmer. Es ist kein Laut zu hören, keine menschliche Stimme. Und das über Wochen. Psycho-Folter für Dr. B., den Anwalt, der Vermögen des Klerus und des Adels verwaltete und nach dem Einmarsch der Wehrmacht in Österreich 1938 von der Gestapo unter Druck gesetzt wird, Geld-Transfers in die Schweiz und Konten zu verraten. Um bei den späteren Verhören nicht zum Verräter zu werden, stiehlt er aus einer Manteltasche im Warteraum ein Buch. Zur geistigen Erbauung, um nicht zu zerbrechen. Doch es ist keine Literatur, sondern eine Sammlung berühmter Schachpartien, die er auswendig lernt. Dann beginnt er, neue Partien gegen sich selbst zu spielen und erleidet eine Persönlichkeitsspaltung. Das Schachspiel wird zum existentiellen Kampf.

Stefan Zweig stellt drei Menschen vor

Der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig schrieb mit der „Schachnovelle“ neben „Sternstunden der Menschheit“ sein wohl bekanntestes Werk. In dem es um mehr geht als um das Spiel von König und Dame. Es geht um drei Menschen an Bord eines Dampfers, die das Schachspiel nur sinnbildlich verbindet.Da ist der amtierende, 21-jährige Schachweltmeister Mirko Czentovic aus dem Banat, der mit jedem spielt, der ihm dafür Geld bietet. Ein primitiver halbanalphabetischer „Roboter“. Und da ist der Millionär McConnor, ein besessener Erfolgsmensch, der im belanglosesten Spiel eine Niederlage als Herabsetzung seiner Persönlichkeit sieht. Und da ist schließlich Dr. B., der Anwalt, kultiviert und redegewandt, der Schachspiel gelernt hat, um seine intellektuelle Widerstandskraft zu erhalten.

Bühne Cipollo erneut zu Gast im Apollo-Theater

Die Bremer Bühne Cipolla, nach „Der Untergang des Hauses Usher“ am Freitag und Samstag zum zweiten Mal zu Gast beim „Festival der Abstände“ (auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet zur Kenntnis gegeben, mit umgehender schriftlicher Würdigung aus Düsseldorf!) im Apollo-Theater Siegen, hat aus der Novelle ein Stück um Gier, menschliche Abgründe tiefster Verzweiflung und Gefühlskälte gemacht. Zwei Jahre, so Regisseur und Schauspieler Sebastian Kautz im späteren Theatergespräch mit Intendant Magnus Reitschuster und Musiker und Komponist Gero John, wurde an der Produktion gearbeitet. Kautz selbst steht ununterbrochen auf der Bühne mit seinen Puppen, verschmilzt teilweise mit ihnen, wird zur Einheit. Um sich dann wieder zu lösen, damit sich der Zuschauer ganz auf die kongeniale Musik konzentrieren kann. Johns Cello klingt düster, das Bandoneon untermalt das menschliche Drama bis hin zum seelischen Auseinanderbrechen.

"Willkommen an Bord!"

Eine Ratte führt durch die Handlung, Sinnbild und Symbol für das Hinterlistige und das Gemeine im Menschen. Sie untergräbt die Gesellschaft, hat nur das eigene Überleben im Sinn. In der Inszenierung reizt Sebastian Kautz die Symbolik bis auf das Äußerste aus. „Willkommen an Bord“ heißt es ganz zu Beginn der etwas über einstündigen Vorstellung. Es ist die Einladung zu einer verzweifelten Reise in psychische Abgründe.

Figurentheater auch in neuer Spielzeit in Siegen

Das Bremer Figurentheater will auch in der nächsten Apollo-Spielzeit zweimal in Siegen vertreten sein. Einmal mit der Aufzeichnung aus dem Bremer Keller von Fjodor Dostojewskis „Keller“ im November (Premiere dort ist im September) und mit der Wiederaufnahme der Emile-Zola-Inszenierung „Bestie Mensch“ im Januar 2021.

Autor:

Jörg Langendorf aus Siegen

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