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Tollmut-Ensemble zeigt Kammerspiel um Eurydike nach Elfriede Jelinek
Frau Trauma steht im Bruchwerk im Fokus

Laura von der Heyde hat schon in mehreren Tollmut-Projekten von David Penndorf mitgewirkt. Die in Berlin lebende Schauspielerin gibt im Bruchwerk-Theater Eurydike eine Stimme.
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  • Laura von der Heyde hat schon in mehreren Tollmut-Projekten von David Penndorf mitgewirkt. Die in Berlin lebende Schauspielerin gibt im Bruchwerk-Theater Eurydike eine Stimme.
  • Foto: Bruchwerk/Bernd Dreseler
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

ne Siegen. Die Bühne ist wie stets minimalistisch, die beiden Protagonistinnen des dichten Monologs von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek sitzen schon an ihrem Ort im „Freeze“, also still und starr – und warten ab. Gleich wird es losgehen, eine gute Stunde Text und sparsame Gesten, gezieltes Licht und eine Klangperformance aus knapp zwei Dutzend Emailleschüsseln im Kreis, in die stets Wasser tropft, aus an der Decke installierten Tröpfen und unterschiedlich schnell, daher rührt also der begleitende, feine, rhythmische, sich wandelnde Klangteppich aus Tropfen, der an eine Höhle gemahnt, einen feucht-dunklen Unort, das Nichts, die Schattenwelt eben.

ne Siegen. Die Bühne ist wie stets minimalistisch, die beiden Protagonistinnen des dichten Monologs von Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek sitzen schon an ihrem Ort im „Freeze“, also still und starr – und warten ab. Gleich wird es losgehen, eine gute Stunde Text und sparsame Gesten, gezieltes Licht und eine Klangperformance aus knapp zwei Dutzend Emailleschüsseln im Kreis, in die stets Wasser tropft, aus an der Decke installierten Tröpfen und unterschiedlich schnell, daher rührt also der begleitende, feine, rhythmische, sich wandelnde Klangteppich aus Tropfen, der an eine Höhle gemahnt, einen feucht-dunklen Unort, das Nichts, die Schattenwelt eben.

Laura von der Heyde als Eurydike

Am Freitag und Samstag zeigte das Tollmut-Theater, die Werkstattprojekt-Sparte des Siegener Bruchwerk-Theaters, eine straff inszenierte Version des 2013 erstaufgeführten dramatischen Monologs "Schatten (Eurydike sagt)" der österreichischen Vielschreiberin in der Regie und Dramaturgie von David Penndorf und Regieassistentin Frauke Ley. Die Eurydike in ihrer manisch-depressiven Vielschichtigkeit und den komplexen Textwust stemmt die in Berlin lebende Laura von der Heyde – und Musikerin Nika Zh komplettierte das auch durch die aktuellen Hygienemaßnahmen personell klein gehaltene Tollmut-Projekt mit nuanciertem Violinenspiel und ihrer Präsenz als Rücken (von Orpheus, der seine tote Frau ja nicht ansehen darf).

Zynisch, grotesk - und unterhaltsam

Jelinek liebstes rhetorisches Stilmittel ist die Abschweifung, und so kommt der Text vom Hölzchen aufs Stöckchen, ist voller Wortspiele bis zum Kalauer und darüber hinaus, entwickelt sich über Assoziationsketten weiter und schafft so originelle Erkenntnisse und Zusammenhänge. Bekannte Floskeln werden ad absurdum geführt, Jelineks Humor ist galliger Zynismus oder alberne Groteske – und stets unterhaltsam.

Die Frau an Orpheus' Seite

Das Publikum lauscht und sieht konzentriert zu, wie Eurydike sich mählich selbst ermächtigt, von ihrem Leid, ihrem Schattensein schon zu Lebzeiten als Frau „an seiner Seite“, also als schmückendes, hohles Beiwerk eines Musikpromis, eines egozentrischen Stars, spricht und sich, ganz wie in einer pathologischen Depression, unsichtbar, aufgelöst, unglücklich und einsam wünscht. Das wirkt manchmal nacherlebbar präzise beobachtet, manchmal aber auch willkürlich, letztendlich aber beeindruckt die Sprachpräsenz, mit der Laura von der Hyde, die schon in vielen Tollmut-Projekten Penndorfs mitgewirkt hat, das Publikum mitnimmt in Eurydikes Sicht der Dinge.

Das Siegener Tollmut-Ensemble des Jelinek-Stücks war Pandemie-bedingt klein: Musikerin Nika Zh, Regieassistentin Frauke Ley, Dramaturg, Regisseur, Licht- und Tonverantwortlicher David Penndorf und Eurydike-Darstellerin Laura von der Heyde (v. l.) nehmen den langanhaltenden und begeisterten Applaus des Premierenpublikums entgegen.
  • Das Siegener Tollmut-Ensemble des Jelinek-Stücks war Pandemie-bedingt klein: Musikerin Nika Zh, Regieassistentin Frauke Ley, Dramaturg, Regisseur, Licht- und Tonverantwortlicher David Penndorf und Eurydike-Darstellerin Laura von der Heyde (v. l.) nehmen den langanhaltenden und begeisterten Applaus des Premierenpublikums entgegen.
  • Foto: Olaf n. Schwanke
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

Kleine Baumnymphe ins Licht gestellt

Jelineks Stück ist eine freche Mythentravestie mit Insiderwitzen. Die thrakischen Mänaden werden zu „die Mädchen“, fanatische Popstargroupies, Orpheus als Abwesender wird bloß „der Sänger“ genannt – schließlich, in schön inszenierten Selbstgesprächen, mal mit sich aus dem „Off“, mal im Loop oder mit Mikro, gelingt es von der Heyde und Jelineks Text, Eurydike als kleine Baumnymphe neben Orpheus ins Licht zu stellen, ihr Stimme und Stimmungen zu geben, sie von der erzählerischen Funktion als Minimalmotor des Orpheus-Mythos abzukoppeln und vom Objekt zum Subjekt einer Texterzählung zu machen. Das Stück „Schatten (Eurydike sagt)“ soll ab September noch zweimal aufgeführt werden. Nicht verpassen!

Laura von der Heyde hat schon in mehreren Tollmut-Projekten von David Penndorf mitgewirkt. Die in Berlin lebende Schauspielerin gibt im Bruchwerk-Theater Eurydike eine Stimme.
Das Siegener Tollmut-Ensemble des Jelinek-Stücks war Pandemie-bedingt klein: Musikerin Nika Zh, Regieassistentin Frauke Ley, Dramaturg, Regisseur, Licht- und Tonverantwortlicher David Penndorf und Eurydike-Darstellerin Laura von der Heyde (v. l.) nehmen den langanhaltenden und begeisterten Applaus des Premierenpublikums entgegen.
Autor:

Olaf Neopan Schwanke (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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