SZ

Siegerlandmuseum zeigt Ausstellung über Rubens‘ Reisen durch Europa / Ab Sonntag zu sehen
„Ganz aufgewühlt und zerstört“

Rubens‘ Darstellung des Solomonischen Urteils, immer ein Lehrstück in politischer und menschlicher Klugheit, entstand in Brüssel als Deckengemälde fürs Rathaus, das 1645 bei einem Brand zerstört wurde. Die grafische Version gibt einen Eindruck von der Wucht des Gemäldes.
3Bilder
  • Rubens‘ Darstellung des Solomonischen Urteils, immer ein Lehrstück in politischer und menschlicher Klugheit, entstand in Brüssel als Deckengemälde fürs Rathaus, das 1645 bei einem Brand zerstört wurde. Die grafische Version gibt einen Eindruck von der Wucht des Gemäldes.
  • Foto: Siegerlandmuseum
  • hochgeladen von Redaktion Kultur

gmz - Die Ausstellung zeigt den Reisenden und den Diplomaten Rubens und lädt zu einer Begegnung mit dem Barockmaler ein.
gmz Siegen.  Mindestens 14 Tages dauere es, schreibt der in Siegen geborene Maler und weitgereiste Diplomat Peter Paul Rubens (1577–1640) in einem Brief an einen Auftraggeber, bis ein Fuhrwerk die Strecke von Brüssel nach Paris zurückgelegt habe, „da die Straßen ganz aufgewühlt und zerstört sind“. (Die Klage über den Zustand der Infrastruktur ist also auch nicht neu!) Rubens nennt diese Zeitspanne, um zuerklären, wie schnell (oder langsam) er
einen beauftragten Bilderzyklus zum Auftraggeber schaffen kann.

Dass im 17. Jahrhundert das Reisen noch beschwerlicher war als heutzutage (sofern man im Moment coronabedingt überhaupt reisen darf), kann man sich gut vorstellen.

gmz - Die Ausstellung zeigt den Reisenden und den Diplomaten Rubens und lädt zu einer Begegnung mit dem Barockmaler ein.
gmz Siegen.  Mindestens 14 Tages dauere es, schreibt der in Siegen geborene Maler und weitgereiste Diplomat Peter Paul Rubens (1577–1640) in einem Brief an einen Auftraggeber, bis ein Fuhrwerk die Strecke von Brüssel nach Paris zurückgelegt habe, „da die Straßen ganz aufgewühlt und zerstört sind“. (Die Klage über den Zustand der Infrastruktur ist also auch nicht neu!) Rubens nennt diese Zeitspanne, um zuerklären, wie schnell (oder langsam) er
einen beauftragten Bilderzyklus zum Auftraggeber schaffen kann.

Dass im 17. Jahrhundert das Reisen noch beschwerlicher war als heutzutage (sofern man im Moment coronabedingt überhaupt reisen darf), kann man sich gut vorstellen. Und doch fasziniert es immer wieder, wenn man sieht, wie viele Strecken dann doch zurückgelegt wurden.

Eine Reise von Antwerpen nach Rom über Valladolid und Paris nach London

Die neue Ausstellung in den Räumen im Grafentrakt des Siegerlandmuseums im Oberen Schloss, „Peter Paul Rubens: Eine Reise durch Europa“, lädt die Besucher ein, sich auf die Spuren von Peter Paul Rubens‘ Reisen zu begeben. Die klar gegliederte Schau (zu der eigentlich auch noch die „Kreuzabnahme“ im Rubenssaal als ein „Reisewerk“ gehört) legt den Fokus auf Rubens’ „Auslandserfahrungen“ und stellt dar, was an den verschiedenen Orten entstanden ist und für welche Auftraggeber. Wie gut, dass das Museum eine sehr umfassende Sammlung von Rubensgrafiken hat, die damals (nicht nur, aber auch) eine bezahlbare Möglichkeit darstellten, Gemälde „unters Volk zu bringen. Ein bisschen wie heute die Fotografie. Ein kleiner Film stellt in einem Überblick Stationen und Werke zusammenfassend vor.
Die Ausstellung empfängt uns mit einer Karte, auf der die verschiedenen Reiseziele Rubens‘ vermerkt sind: Man findet dort (u. a.) Rom, Venedig, Mantua, Florenz und Genua, Alicante, Valladolid, La Rochelle und Paris sowie London und Cambridge. Antwerpen und Brüssel gehören selbstverständlich auch dazu. Eine Art „Routenplaner“ am Eingang erinnert daran, dass man für die  Handelsbeziehungen natürlich damals auch schon Hilfsmittel hatte, Entfernungen, Zeit und damit Kosten zu planen. Mit Nürnberg als dem „Zentrum der Handelswelt“ (oder dem Herkunftsort des Stechers der Aufstellung) gibt eine kreisrund angeordnete Tabelle Auskunft über die Entfernung von Nürnberg nach Wien, nach Siegen oder Rom. Rubens selbst beklagte sich ein einem seiner Briefe, erläutert Museumsleiterin Prof. Dr. Ursula Blanchebarbe bei der Pressebesichtigung, über die hohen Kosten des Reisens: Er musste Pferd, Stallburschen und Diener bezahlen … Und später auch die Kosten für Kutsche und Kutscher! Die Reise für den Betrachter beginnt in Antwerpen mit Rubens‘ Familie und einigen Auftraggebern sowie das seines Beichtvaters, eines Dominikanermönches.

In Rom entdeckt Rubens seine Begeisterung für die Antike

Es geht weiter nach Italien, wo er ja u. a. Hofmaler des Herzogs von Mantua war. In Rom malte er zum ersten Mal ein Heiligenbild in situ, weil die Lichtverhältnisse so schwierig waren, dass er vor Ort sei musste, um die gewünschte Wirkung zu erreichen. Nach Rom, wo ihn die bekannte „Antikenbegeisterung“ überkam, wäre er gerne noch einmal zurückgekehrt, nachdem er 1608 das Land verlassen hatte, aber das war ihm nicht mehr vergönnt. In Brüssel arbeitete Rubens für die spanischen Statthalter, schuf ein Gemälde fürs Brüsseler Rathaus, von dem es nur noch einen Stich gibt, weil das Original beim Stadtbrand zerstört wurde: Seine Darstellung des „Solomonischen Urteils“, eine Allegorie auf die gute und gerechte Herrschaft, ist bei allerübergeordneter Bedeutungsschwere an menschlicher Dramatik und unmittelbarem Erleben kaum zu überbieten!

Rubens und Isabella

In Spanien pflegte er vor allem zu der Großtante von Philipp IV., Isabella, eine enge, von Respekt und Anerkennung getragene Beziehung. Sie gab bei ihm eine Serie von Tapisserien in Auftrag, die, ganz im Sinne der Gegenreformation, die Bedeutung der Eucharistie und der katholischen Kirche allgemein vorstellen. In der Ausstellung im Siegerlandmuseum sind zwei der grafischen Blätter, die die Entwürfe zeigen, zu sehen. Auch der Kölner Dom, so Ursula Blanchebarbe, besitzt eine kleinere Variante der dem Entwurf nach opulenten Tapisserien, die zu besonderen Gelegenheiten präsentiert werden. Isabella, von der Rubens das erste realistisch-respektvolle Portrait angefertigt hat, das sie als Nonne zeigt (nach dem Tod ihres Mannes trat sie in ein Kloster ein), empfahl Rubens ihrem Großneffen Philipp IV. als Diplomaten, der den Frieden mit England verhandeln sollte. Eine fast unerhörte Empfehlung: Das große Spanien sollte den bürgerlichen Handwerker mit einer solch existentiellen Aufgabe betrauen!
Philipp erhob Rubens in den Adelsstand, der reiste nach London, und verhandelte. Er arbeitete dort auch künstlerisch, nahm Aufträge des Königshauses entgegen, malte das Deckengemälde fürs Banqueting House und das „Siegener“ Selbstbildnis (für Charles I.) und setzte sich vehement und nachdrücklich (in Wortwahl und Einschätzung) für Friedensverhandlungen ein. – An diesem Samstag vor 380 Jahren starb Rubens in Antwerpen.

Museum am Pfingstsamstag geschlossen

„Peter Paul Rubens: Eine Reise durch Europa“. Siegerlandmuseum, Oberes Schloss 2, Siegen. Dienstags bis sonntags, 10 bis 17 Uhr.
An diesem Pfingstsamstag geschlossen,
an Pfingstmontag geöffnet!

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r
Lokales
Unter Siegerländer Artikeln finden Besucher der SZ-Homepage derzeit zahlreiche Angebote von Siegener Händlern. Möglich macht das die Kooperation mit dem hiesigen Start-up-Unternehmen mapAds. Mit dem innovatien Digitalmarketing-Werkzeug lassen sich Angebote von Handel und Dienstleistung einfach digitalisieren und bald über viele zusätzliche Kanäle publizieren.

Start-up mapAds und Vorländer Mediengruppe
Angebote einfach digitalisieren und publizieren

sz Siegen. Die Vorländer Mediengruppe arbeitet weiter konsequent an der Umsetzung ihrer Digitalstrategie. Während die Zeitungsproduktion weiter das Kerngeschäft und das wichtigste Standbein des Verlages bleiben wird, investiert Vorländer selbstbewusst und entschieden in moderne Strukturen, neue Technologien und die Digitalisierung. Mit dem Digitalen arbeiten„Wir sind überzeugt davon, dass die Zukunft darin liegt, nicht gegen das Digitale, sondern mit dem Digitalen zu arbeiten. Wir sehen das...

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen