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Bruchwerk-Talkrunde zum Thema Meinungsbildung
Gefangen in der Bubble

Rechtsanwalt Christopher Rühlmann (r.) diskutierte mit Jugendpastor Pierre Scherwing, mit der Philosophin und Religionswissenschaftlerin Ella Steinmann und mit Falk Rößler, Medienwissenschaftler und Theaterregisseur, über die Frage, wie Meinungen entstehen und wie man sie ändert. Gaby Rosenkranz leitete die Gesprächsrunde.
  • Rechtsanwalt Christopher Rühlmann (r.) diskutierte mit Jugendpastor Pierre Scherwing, mit der Philosophin und Religionswissenschaftlerin Ella Steinmann und mit Falk Rößler, Medienwissenschaftler und Theaterregisseur, über die Frage, wie Meinungen entstehen und wie man sie ändert. Gaby Rosenkranz leitete die Gesprächsrunde.
  • Foto: Foto: Bruchwerk-Theater
  • hochgeladen von Peter Barden (Redakteur)

ess Siegen.  Wer einmal auf Instagram ein Hundefoto mit „gefällt mir“ versieht, wird die süßen Vierbeiner nicht mehr los. Und genauso verhält es sich auch mit Politik: Einmal grün, immer grün, einmal rot, immer rot. In einem Zeitalter, das geprägt ist von Algorithmen und sozialer Immobilität, lässt es sich nur schwer aus der eigenen Filterblase ausbrechen. Bereits Albert Einstein schrieb, eine vorgefasste Meinung sei schwieriger zu zertrümmern als ein Atom.  Doch ist die eigene Meinung wirklich so hartnäckig? Darüber diskutierte Gaby Rosenkranz am Donnerstagabend mit ihren Gästen auf der Bühne des Bruchwerk-Theaters. Die Talkrunde war Teil der hybriden Livestream-Reihe „Nahaufnahme“ und wurde von Jazzgitarrist Mario Mammone musikalisch untermalt.

ess Siegen.  Wer einmal auf Instagram ein Hundefoto mit „gefällt mir“ versieht, wird die süßen Vierbeiner nicht mehr los. Und genauso verhält es sich auch mit Politik: Einmal grün, immer grün, einmal rot, immer rot. In einem Zeitalter, das geprägt ist von Algorithmen und sozialer Immobilität, lässt es sich nur schwer aus der eigenen Filterblase ausbrechen. Bereits Albert Einstein schrieb, eine vorgefasste Meinung sei schwieriger zu zertrümmern als ein Atom.  Doch ist die eigene Meinung wirklich so hartnäckig? Darüber diskutierte Gaby Rosenkranz am Donnerstagabend mit ihren Gästen auf der Bühne des Bruchwerk-Theaters. Die Talkrunde war Teil der hybriden Livestream-Reihe „Nahaufnahme“ und wurde von Jazzgitarrist Mario Mammone musikalisch untermalt.

"Komplexes und explosives Ding"

Die eigene Meinung als Bollwerk? Bollwerk: Dieser Vergleich trifft es gut, denn Schauplatz der eigenen Meinungsbildung ist ein Labyrinth aus harten, statischen Meinungspfählen. Und am Ende wenden wir uns dem Pfahl zu, der uns am vertrautesten scheint und dem schon unsere Eltern und Großtanten angehört haben, während alle anderen Pfähle zu einem bösen Etwas zusammenschrumpfen. Diese Auffassung vertrat Jugendpastor Pierre Scherwing, der bei seiner Arbeit mit jungen Erwachsenen häufig feststellt, dass die Einstellung von Eltern oder engen Verwandten gerne übernommen wird. Das heiße aber nicht, dass sich die Meinung im Laufe des Lebens nicht ändern könne, schließlich sei sie ein „komplexes und explosives Ding“.

Die Meinung ändern ist anstrengend

Doch die eigene Meinung zu hinterfragen und zu ändern gehe mit viel Anstrengung einher; viel bequemer und ressourcensparender sei es, einfach bei einer Meinung zu bleiben, erwiderte die Philosophin und Religionswissenschaftlerin Ella Steinmann. Meinung basiere nicht nur auf harten Fakten, sondern sei eng verwoben mit der persönlichen Grundeinstellung und Empfindung. Es sei oftmals eine spontane Gefühlswallung, welche die Oberhand gewinnt. Deswegen tue es auch so weh, wenn die eigene Meinung angegriffen und der Unrichtigkeit bezichtigt wird.

Volatile Provisorien

Mut zur Meinungsänderung: Falk Rößler, Medienwissenschaftler und Theaterregisseur, betonte die Wichtigkeit einer multiperspektivisch ausgelegten Meinungsbildung. Dies sollte heutzutage eigentlich selbstverständlich sein, und doch gebe es immer noch Menschen, die nach der „einen großen Wahrheit“ suchten, anstatt sie im pluralistischen Diskurs zu erkennen. Meinungen seien gewissermaßen als volatile Provisorien zu verstehen, und so hangle sich der Mensch im Laufe seines Lebens mal an den einen und mal an den anderen Ast.

Meinungsänderung als Entwicklungsschritt

Dass Meinungsänderungen in bestimmten Kontexten aber auch zu sozialer Isolation und Zankereien am Abendbrottisch führen können, sei auch eine Tatsache. Trotzdem waren sich alle einig: Die eigene Meinung zu ändern ist kein Zeichen der Schwäche, sondern markiert einen wichtigen Entwicklungsschritt. Auch „alte Verkrustungen“ können aufgeweicht werden, betonte Rechtsanwalt Christopher Rühlmann und führte als anekdotisches Beispiel einen harten Richter an, der nach Jahren des erbarmungslosen Richtens plötzlich die Rolle des einfühlsamen Advokaten angenommen hat. Vielleicht ist ein Atom also doch stärker als die menschliche Meinung!?
Kommende Woche steht Georg Büchners „Lenz“ im Livestream „Nahaufnahme“ an. Einschalten lohnt sich!

Autor:

Redaktion Kultur

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