Kai Gieseler stellt aus
Geschichte fällt herab

Die Freudenberger Künstlerin Kai Gieseler stellt in den Räumlichkeiten des alten Milchhofs in Geisweid aus. Hier zu sehen: „Film Stills“.
  • Die Freudenberger Künstlerin Kai Gieseler stellt in den Räumlichkeiten des alten Milchhofs in Geisweid aus. Hier zu sehen: „Film Stills“.
  • Foto: Sarah Benscheidt
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

sabe Geisweid. Anmutige isolierende und schalldämmende Aluminium-Trapeze an den Wänden, zugemauerte und verschlossene Wandnischen, Kupferrohre an der Decke, beige-braun gekachelte Bodenfliesen im Schachbrettmuster und in der Mitte: Lichtskulpturen. Eine „Stumme Narrative“, wie Künstlerin Kai Gieseler ihre Installation und die gleichnamige Ausstellung nennt. Inmitten des ehemaligen Milchhofs in Geisweid hat die Fotografin den einstigen Kühlraum für eine ganz besondere Darstellungsform genutzt: Ein Beamer strahlt – an der Raumdecke montiert – bewegte Bilder nach unten. Aufgehalten durch Kupferstäbe, weiter auf einen Stoffkasten und vorbei auf den gekachelten Boden. „Die einzelnen Stäbe stellen Ebenen dar, in denen Geschichten ergänzt und umformuliert werden“, sagt die Videographin im SZ-Gespräch. „Sie fallen praktisch von oben herab, werden dadurch weitererzählt“, so die Künstlerin, die mit der „Stummen Narrative“ im letzten Jahr ihre Staatsarbeit abschloss.

Erzählt wird von Uli Bossmann

Es ist die Geschichte des 2007 verstorbenen Künstlers Uli Bossmann, der den Ausgangspunkt und die Klammer dieser Arbeit bildet. „Was hier zu sehen ist, ist ein aktiver Umgang mit einer Sammlung als einem Arbeitsarchiv.“ Gieseler, die Bossmann nie persönlich kennengelernt hat, nutzt für diese Arbeit alte Aufnahmen des Fotografen. Zeichnungen, Rahmen, Schablonen, Farbpigmente, Filme, Dias und halb verbrauchte Tuben mit Ölfarbe – der Nachlass des Künstlers ist für Gieseler Rohmaterial, aus dem sie etwas völlig Neues schafft: Nach der Aneinanderreihung der Einzelbilder auf einer der Aluminiumwände sei sie an der vier Meter langen Bilderkette und den gesamten Wänden mit ihrer Filmkamera entlanggefahren. „Aus den isolierten Einzelbildern entsteht so ein Stück Film.“ Die Ausgangserzählung dieser Bilder allerdings sei dann später nicht mehr erkennbar. Umgeben von in tanzende Lichtsequenzen umformulierten Arbeiten, steht der Betrachter vor einem Erlebnis, das – reduziert auf die visuelle Wahrnehmung – eine ganz eigene, tiefe Wirkung erzeugt.

"Kino im Milchhof"

Neben dem Kühlraum hat Kai Gieseler auch in anderen Räumen die besondere Architektur der ehemaligen Milchproduktionsstätte für ihre Kunst genutzt. Standbilder des Videos verwachsen mit den Leerstellen auf den Wänden zu einer erstaunlichen Einheit. Am Samstag, 25. Mai, fügen sich in diese Konstellation noch zwei weitere Komponenten ein. Unter dem Motto „Kino im Milchhof“ wird es, auch in Anlehnung an den Titel der Ausstellung, eine Stummfilmvorführung geben. Neben „Metropolis“ von Fritz Lang und den Installationen von Kai Gieseler wird der Siegener Künstler Ulrich Langenbach gemeinsam mit Markus Reineke aus Wuppertal den Abend mit improvisierter Musik bereichern. „Ich freue mich sehr darauf“, so Langenbach im SZ-Gespräch. Die spontane Musik passe sehr gut zu der Ausstellung. „Unser musikalisches Material wird im Augenblick erschaffen und entwickelt sich dann – es ist praktisch immer eine Uraufführung.“

Kai Gieseler: „Stumme Narrative“. Geisweid, Am Milchhof, bis 2. Juli, Samstag und Sonntag von 15 bis 18 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung.

Autor:

Sarah Benscheidt (Volontärin) aus Bad Berleburg

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