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Die Kantorei Siegen wird 75 Jahre
Getragen von der Aufbruchsstimmung

Die Kantorei Siegen ist 75 Jahre alt und legt nach der reduzierten Corona-Zeit, in der so viel wie möglich, auch per Zoom, geprobt wurde, wieder los.
  • Die Kantorei Siegen ist 75 Jahre alt und legt nach der reduzierten Corona-Zeit, in der so viel wie möglich, auch per Zoom, geprobt wurde, wieder los.
  • Foto: Kantorei
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gmz Siegen.  Als die Kantorei Siegen, die in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen feiert, am 13. März 1947 gegründet wurde, lag die Welt noch in Trümmern. Der Zweite Weltkrieg war gerade mal zwei Jahre vorbei, die Städte wuchsen zaghaft wieder aus den Schuttbergen, die Menschen suchten nach Halt, geistig, geistlich, moralisch, politisch und wirtschaftlich. Und trotzdem oder gerade deshalb war die Zeit vielfach geprägt von einer Aufbruchsstimmung: Die Zukunft sollte gestaltet werden.
Aufbruch junger Sängerinnen und SängerDieses „Wir packen an“, das auch getragen war von Improvisationstalent, führte zur Gründung der Kantorei Siegen.

gmz Siegen.  Als die Kantorei Siegen, die in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen feiert, am 13. März 1947 gegründet wurde, lag die Welt noch in Trümmern. Der Zweite Weltkrieg war gerade mal zwei Jahre vorbei, die Städte wuchsen zaghaft wieder aus den Schuttbergen, die Menschen suchten nach Halt, geistig, geistlich, moralisch, politisch und wirtschaftlich. Und trotzdem oder gerade deshalb war die Zeit vielfach geprägt von einer Aufbruchsstimmung: Die Zukunft sollte gestaltet werden.

Aufbruch junger Sängerinnen und Sänger

Dieses „Wir packen an“, das auch getragen war von Improvisationstalent, führte zur Gründung der Kantorei Siegen. Es waren, wie es Walter Thiemann in seinem Beitrag in der Festschrift zum 50-jährigen Bestehen der Kantorei 1997 formulierte, „durchweg junge Sängerinnen und Sänger“, die sich damals „für den Gemeindegesang verantwortlich wussten“. Junge Menschen sangen vom Leben und einem geistlicher Halt, wollten Gemeinde gestalteten: Das war damals die Triebkraft.

Auch nach Corona heißt es: "Weiter"

Wie heute auch, wenn auch vielleicht nicht mehr vor allem die von jungen Menschen. Aber auch jetzt, nach den Jahren der Corona-Maßnahmen, die die Kantorei mit Zoom-Proben und „Online-Stammtischen“ nicht nur überstanden, sondern gestaltet hat, muss das Weitermachen neu angepackt werden. Chor hat sich verändert. Die Fragen der Menschen, auch angesichts des Krieges und der Flüchtlinge, haben sich geändert. Oder doch nicht?

Singen ist ein Angebot unter vielen

Die SZ sprach über diese und andere Fragen mit KMD Ute Debus, Leiterin der Kantorei seit 30 Jahren, und Andrea Müller, der langjährigen Vorsitzenden. Und die Antworten fallen engagiert, aber auch abwägend und nachdenklich aus. Manche Entwicklung ist schon älter als Corona, wird aber durch die Einschnitte verstärkt, die die Pandemie und ihre Begleiterscheinungen ausgelöst wurden.
Ute Debus beobachtet seit Beginn ihrer Arbeit in Siegen, dass die Verbindlichkeit der Verpflichtung gegenüber dem Chor abgenommen hat:

„Singen ist nur eines von vielen Angeboten, das Menschen in ihrer Freizeit wahrnehmen können.“

Das stellt sie fest und stellt sich mit ihren Angeboten darauf ein. Es gibt natürlich immer noch eine große Gruppe von festen Chormitgliedern, die auch während der Corona-Lockdowns mit Zoom-Proben den Chor „am Laufen“ gehalten haben (die SZ berichtete). Die meisten dieser „festen Sängerinnen und Sänger“ freuen sich jetzt, wieder in Präsenz proben zu können. Sie genießen die Gemeinschaft. Wer noch unsicher ist, kommt einfach dann dazu, wenn er oder sie sich wieder sicher fühlt, berichtet Ute Debus.

Viele begeistern sich für Projekte

In welcher Organisationsform gesungen wird, das ändert sich also schon, seit Ute Debus als Nachfolgerin von Almuth Höfker, der Nachfolgerin von Gründungsleiter Helmut Winter, den Chor übernommen hat. Es gibt nach wie vor die Kantorei mit ihrem festen Stamm, es gibt aber auch immer wieder Projekte – wie die regelmäßigen Kantatenprojekte, die allen Interessierten offenstehen. Viele von diesen kommen zu vielen Projekten, aber eben ohne Mitglieder zu werden. Diese Offenheit, die einhergeht mit einer Offenheit für manchmal zunächst ungewöhnlich scheinende Kooperationen, ist Ute Debus wichtig. Für das „Elias“-Projekt, das eigentlich schon vor der Pandemie begonnen hat und das hoffentlich nun endlich nach mehreren Verschiebungen im Mai 2023 aufgeführt werden kann, haben sich 40 Sängerinnen und Sänger interessiert. „Wenn dann 25 bleiben und mitsingen“, sagt Andrea Müller, „dann ist das gut“.

Viele Kooperationen

Mit den Kooperationen weiten Ute Debus und die Kantorei ihren Blick darauf, wie man die gute Botschaft, der sie verpflichtet sind, weiterträgt. Lesungen, Zusammenarbeit mit Bläsergruppen, mit dem Blasorchester Stadt Kreuztal, der Big Band der Uni, mit dem Uni-Chor (den Debus ja auch leitet), um nur einige zu nennen, seien wichtig für die Kantorei, um die (geistliche) Botschaft ansprechend zu transportieren, ohne dass die Botschaft bedrängt.
Diese Aufgabe und Verpflichtung, diese Triebfeder, die eingangs erwähnt wurde, prägt die Kantorei seit ihren Anfängen:

„Wir haben eine Aufgabe“,

sagen Ute Debus und Andrea Müller übereinstimmend beim Gespräch zum 75-Jährigen mit der SZ. „

Wir haben eine Botschaft“,

ergänzen sie. Die benötigt immer eine passende Form, passend für die jeweilige Zeit. Daran arbeiten Kantorin und Kantorei-Vorsitzende ständig, und die Erkenntnisse, mehr in Projektangeboten zu denken, Veranstaltungen eine Art  Eventcharakter zu verleihen (nicht nur Konzert, sondern auch Lesung), sind Bausteine dieser neuen Ansätze.

Feiern im kleineren Rahmen

An diesem Sonntag findet ein Festgottesdienst mit Kantate in der Siegener Nikolaikirche statt (10 Uhr). Am Samstag davor will die Kantorei intern feiern und die Gemeinschaft, die ja wichtiger Bestandteil der Chorarbeit ist, endlich mal wieder in Präsenz pflegen: Darauf freuen sich die Chormitglieder, denn „die Stimmung im Chor ist gut“, sagen Debus und Müller übereinstimmend.
Vom 9. bis 11. September gibt es dann auch Musik und ein Treffen mit Ehemaligen: Die Vorsitzende der EKD, Annette Kurschus, die ja ihre ersten musikalischen Schritte in der Kantorei getan und Cello gespielt hat, wird die Predigt halten. Im Dezember folgt ein Weihnachtskonzert.

Kantorei-Gemeinschaft wird gepflegt

 Das Treffen mit den Ehemaligen sei auch insofern wichtig, betont Ute Debus, als einige Kantorei-Mitglieder, die in der Corona-Zeit aus Altersgründen ausgetreten seien, keinen Abschluss hätten. Ihre „persönlichen Abschlusskonzerte“ fanden ja nicht statt, also die Konzerte, die sie als Endpunkt ihrer Chormitgliedschaft angesteuert hätten. So ganz fällt das Jubiläum also nicht aus! Der Blick nach vorne wird nicht vergessen …

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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