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Abschiedsausstellung von Thomas Kellner im bisherigen Atelier
"Good bye" mit zwei langsamen Tränen

Letzte telefonische Abstimmungen vor Beginn von Thomas Kellners Abschiedsausstellung  "Good bye" am Siegener Atelierstandort Friedrichstraße. Der Künstler suchte in der Stadt vergebens nach einem Atelier.
  • Letzte telefonische Abstimmungen vor Beginn von Thomas Kellners Abschiedsausstellung "Good bye" am Siegener Atelierstandort Friedrichstraße. Der Künstler suchte in der Stadt vergebens nach einem Atelier.
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pebe  Siegen. „Jetzt ist’s wirklich vorbei“ – Thomas Kellner sagt den Satz vor der Reihe der noch schwarz abgehängten Fenster in seinem Atelier. Eingelassen ins Weiß der Wände, erinnern sie an die Perforation eines analogen Films. Von dem ist nur noch ein Bild übrig: das für den Abschied. „Das ist das Ende des Ateliers und des Künstlerhauses Friedrichstraße 42“, fährt Kellner fort. Und er weine dem schon etwas nach. Für ein Wochenende lud er unter dem Titel „Good bye“ zur „Abschiedsausstellung“ in die Räume ein, in denen er 21 Jahre lang als Künstler in Siegen tätig war.
Eine Ausstellung im landläufigen Sinn ist in den schon sehr leeren Räumen nicht zu sehen. Etwa viermal 100 Kartons wurden seit Ende August gefüllt und abtransportiert, Leere breitet sich aus.

pebe  Siegen. „Jetzt ist’s wirklich vorbei“ – Thomas Kellner sagt den Satz vor der Reihe der noch schwarz abgehängten Fenster in seinem Atelier. Eingelassen ins Weiß der Wände, erinnern sie an die Perforation eines analogen Films. Von dem ist nur noch ein Bild übrig: das für den Abschied. „Das ist das Ende des Ateliers und des Künstlerhauses Friedrichstraße 42“, fährt Kellner fort. Und er weine dem schon etwas nach. Für ein Wochenende lud er unter dem Titel „Good bye“ zur „Abschiedsausstellung“ in die Räume ein, in denen er 21 Jahre lang als Künstler in Siegen tätig war.
Eine Ausstellung im landläufigen Sinn ist in den schon sehr leeren Räumen nicht zu sehen. Etwa viermal 100 Kartons wurden seit Ende August gefüllt und abtransportiert, Leere breitet sich aus. Einzig die mehr als vier Meter messende Arbeit „Grand Canyon“ hängt scheinbar unverrückbar an der Wand. Aber auch der Grand Canyon wird in drei Teile zerlegt und abtransportiert werden. „Bis Montagabend bin ich hier raus“, sagt der Künstler.

Hoffnung auf neues Atelier nicht erfüllt

„Ausstellen“ kann Kellner an diesem Wochenende aber noch seine Gäste, ihren Dialog, ihr Bedauern und die Erinnerung an frühere Dynamiken. „Letztes Jahr“, ruft er in Erinnerung, „hatten wir hier noch die Hoffnung auf ein neues Atelier.“ Diese Hoffnung habe sich zerschlagen. „Es ist schon mit Wehmut verbunden“, unterstreicht der Fotokünstler im Gespräch mit der SZ, „ich hatte 21 Jahre lang einen super Arbeitsplatz.“ Vorbei sei damit die Chance für Veranstaltungen im Atelier, das nun deutlich kleiner in Kellners Wohnhaus Platz finden muss.
„Das Atelier hat mich zu einem Siegener gemacht, ohne es wäre ich weitergezogen“, sagt er in seiner „Abschiedsrede“. Weil die Stadt ihn mit diesen Räumlichkeiten unterstützte, habe er sie wiederum mit Kulturarbeit unterstützt – in Gremien, „aber auch mit durchschnittlich vier Veranstaltungen im Jahr“, etwa 200 Künstler habe er hier vorgestellt, mit ihnen seien „Bilder aus allen Kontinenten“ nach Siegen gekommen. „Ich wollte mitgestalten und mitdenken“, betont er später.
Ein offenes Atelier werde es bei ihm nun nicht mehr geben, beschied er den  erschienenen Gästen. „Aber die Ausstellungen gehen weiter“, schon in dieser Woche bricht er nach Spanien auf, zum Centro Andaluz de la Fotografia. Er höre ja nicht auf, Kunst zu machen, auch wenn die in der letzten Zeit zu kurz gekommen sei. Auch im nächsten Jahr wird er viel unterwegs sein, Südafrika, erneut China, Aschaffenburg, Kuba.

Plädoyer für ein Künstlerhaus in Siegen

„Die künstlerische Produktion in einem städtischen Gebäude ist damit nach 50 Jahren beendet“, sagt er im Lauf des Nachmittags, das bedauere er sehr. Ein Künstlerhaus stünde Siegen gut zu Gesicht, ist er sich sicher, „das, was mit Köhler im dicken Turm begonnen hatte, gefolgt von Uwe Pieper, ich hier in der Friedrichstraße mit anderen Künstlern auf zwei Etagen – da beendet die Stadt etwas Wichtiges.“
Franz-Josef Weber, Geschäftsführer des Kunstvereins Siegen, trägt sich gleich zu Beginn des offenen Ateliers ins „finale Gästebuch“ ein. Er betont auf Nachfrage, wie intensiv Kellner in den vergangenen 20 Jahren die Kunst und ihre Öffentlichkeit in Siegen mitgestaltet habe: Er habe beispielsweise die Idee zum mittlerweile arrivierten Kunstsommer gehabt, Künstler vernetzt und ihnen sein Atelier zur Verfügung gestellt. Es sei ein symbolträchtiges Bild, dass seine Abschiedsausstellung auch den Schlusspunkt des Kunstsommers bilde.
Und weil es als Schlusspunkt passt,  gelingt nach dem „offiziellen“ Teil, was zunächst an den Tücken der Technik gescheitert war: Eine Videoinstallation zeigt in Dauerschleife eine kurze schwarz-weiße Filmsequenz mit Kellners Gesicht, über das nach und nach langsam und lange zwei Tränen rollen. Irgendwie doch noch ein neues Exponat ganz zum Schluss, im fast leeren Atelier.

Autor:

Peter Barden (Redakteur) aus Siegen

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