Auf der gleichen Seite und in Vielfalt geeint
Greta Buschhaus befragt fürs ZDF junge Europäer

Mit „Europeans’ Corner“ reist die junge ZDF-Reporterin Greta Buschhaus durch Europa – und gibt jungen Menschen vor Ort eine Bühne, auf der sie ihre Anliegen mit Bezug auf die EU äußern können. Auf dem Foto ist die Reporterin in Rom zu sehen. Foto: privat
  • Mit „Europeans’ Corner“ reist die junge ZDF-Reporterin Greta Buschhaus durch Europa – und gibt jungen Menschen vor Ort eine Bühne, auf der sie ihre Anliegen mit Bezug auf die EU äußern können. Auf dem Foto ist die Reporterin in Rom zu sehen. Foto: privat
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

sabe Siegen/Mainz. Ein Handy und ein Hocker, überzogen mit einem selbstbestickten Vorhang. Zwölf goldene Sterne formen auf dem Überzug einen Kreis und setzten sich vom azurblauen Hintergrund ab. Das ist alles, was die gebürtige Siegenerin und ZDF-Reporterin Greta Buschhaus braucht, um jungen Europäern eine Plattform zu geben. „Europeans’ Corner“ heißt das Format, das die 24-Jährige ins Leben gerufen hat. Seit dem 26. April sind die kurzen Sequenzen Teil des ZDF-„heute-journals“. (2013 machte Buschhaus ihr Abitur am Löhrtor-Gymnasium, schloss ihr Studium, International Business, in Maastricht ab und blieb dann nach zweimonatigem Praktikum beim ZDF). Lissabon, Maastricht, Schengen, Dublin, Rom, Visegrád – eine hübsche Reiseroute und noch viel mehr: Lissaboner Vertrag, EU-Gründungsstadt, Schengener Abkommen, das Dubliner Übereinkommen, die römischen Verträge – alles Schicksalsorte der EU-Geschichte, die in „Europeans’ Corner“ Stimmungsbilder des europäischen Geistes einfangen.

Auf dem Europaschemel darf reden, wer will

„Wie schauen die jungen Leute hier auf die EU von jetzt?“, fragt Buschhaus und kriegt Antwort. Verschiedenste Menschen mit unterschiedlichsten Visionen und Meinungen nehmen auf dem kompakten Europaschemel Platz. Reden darf, wer will: „Die Europäische Union eröffnet uns Möglichkeiten, die uns Italien nicht gibt, und das wollen sie uns auch noch nehmen, das macht mich wirklich sauer“, sagt eine junge Italienerin im Interview. Ein junger Ungar meint: „Ich habe nicht das Gefühl, dass wir in die Europäische Union gehören, der Westen ist viel liberaler, und die Ungarn sind eher nationalistisch. Hier zu leben fühlt sich manchmal eher nach Diktatur als nach Demokratie an.“

Alles mit dem Handy gefilmt

„Ich wollte mit der Produktion eine Plattform schaffen – vor allen Dingen für junge Menschen.“ Gerade die seien es schließlich, die Europa maßgeblich mitformten, die Zukunft seien. Dabei habe sie das Setting so einfach wie möglich halten wollen, sagte Greta Buschhaus der SZ am Telefon. Große Kamerateams oder Tonmänner – das alles brauchte es nicht bei der Frage nach Frust oder Begeisterung. „Ich habe alles mit dem Handy gefilmt.“ Und das aus gutem Grund: „Mobile Reporting“ lautet das Zauberwort. Ein Smartphone hat fast jeder, wenn man das kleine Produktionsgerät dann ins Gesicht gehalten bekommt, ist das längst nicht so einschüchternd wie ein opulentes Kamerateam vor der Nase. „Ich wollte die Leute greifen, ihnen auf einer anderen, gleichen Ebene begegnen.“

"Jeder hat seine Stimme genutzt"

Trotz des minimalistischen Konzepts, in welchem auch stets Platz für ein lockeres Vorab-Pläuschchen sein soll, hatte Buschhaus in den Anfängen den kleinen Sorgen-Teufel manches Mal auf der Schulter sitzen. „Ich habe mich gefragt, ob ich selbst bereit gewesen wäre, vor einem Millionen-Publikum mit Gesicht und Namen frei zu sprechen.“ Aber: Nicht verzagen, junge Europäer fragen: Die Antworten, die die Initiatorin dann erhielt, lassen sie auch jetzt noch, nach Produktionsschluss (eine Ausstrahlung ist für Donnerstag angesetzt, aufgrund der Aktualität des Nachrichtenmagazins aber nicht planbar), staunen: „Ich habe so viele kluge, offene Antworten aus dem Stegreif erhalten – jeder hatte etwas zu sagen, hat seine Stimme genutzt.“

Die EU ist keine Selbstverständlichkeit

Wertschätzung und Kritik, so der Tenor, der von den europäischen Straßen den Weg in die Cloud des Aufnahmegerätes gefunden hat. „Es herrschte große Dankbarkeit für das, was man hat. Obwohl alle die Europäische Union in die Wiege gelegt bekommen haben, ist sie längst keine Selbstverständlichkeit. Gleichwohl fühlen sich viele junge Menschen oft nicht gehört.“ Anerkennung, Möglichkeiten, aber auch Kritik. Der Wunsch nach Veränderung, aktiver Einbindung – was Greta Buschhaus auf den Straßen Europas eingefangen hat, ist bunt, schillernd, ambivalent. Am Ende jedoch flackert das Symbol der Einheit nicht nur auf der europäischen Flagge, sondern auch über die Bildschirme. Man fühlte sich in der Vielfalt geeint: Andere Kulturen, Länder, Sprachen und trotzdem das Gefühl, in den Grundüberzeugungen auf der gleichen Seite zu stehen, eine Einheit zu bilden. „Europa verbindet so viel mehr, als es trennt“, das habe sie selbst aus dem Format mitgenommen, und: „Ich fühle mich nach dieser Produktion selbst noch europäischer.“

Autor:

Sarah Benscheidt (Volontärin) aus Bad Berleburg

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