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Von der IHK Siegen nach Oldenburg: Siegrid Schwengber
"Großartig, in Farben zu wühlen"

„Rhododendron-Park“ nennt Siegrid Schwengber diese Arbeit, die einen Eindruck wiedergibt von den sagenhaften Parks rund um Oldenburg.
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  • „Rhododendron-Park“ nennt Siegrid Schwengber diese Arbeit, die einen Eindruck wiedergibt von den sagenhaften Parks rund um Oldenburg.
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gmz Siegen/Oldenburg. Ein Päckchen landet auf meinem Schreibtisch, sorgfältig verpackt. Schwer: Das sind sicher Bücher! Sind es auch! Von Siegrid Schwengber, der ehemaligen IHK-Pressereferentin und Initiatorin der IHK-Galerie. Im Paket sind literarische Veröffentlichungen von Siegrid Schwengber und ein Katalog mit Gemälde-Abbildungen. Beim Räumen, schreibt sie dazu, fiel ihr ein alter Artikel in die Hände, der sie dann auf der Homepage der SZ stöbern ließ, wo ihr „alte Bekannte“ begegneten, was sie wiederum dazu brachte, ein Päckchen zu packen: eine Erinnerung an alte Zeiten, verbunden mit Entwicklungen hin zu neuen.

gmz Siegen/Oldenburg. Ein Päckchen landet auf meinem Schreibtisch, sorgfältig verpackt. Schwer: Das sind sicher Bücher! Sind es auch! Von Siegrid Schwengber, der ehemaligen IHK-Pressereferentin und Initiatorin der IHK-Galerie. Im Paket sind literarische Veröffentlichungen von Siegrid Schwengber und ein Katalog mit Gemälde-Abbildungen. Beim Räumen, schreibt sie dazu, fiel ihr ein alter Artikel in die Hände, der sie dann auf der Homepage der SZ stöbern ließ, wo ihr „alte Bekannte“ begegneten, was sie wiederum dazu brachte, ein Päckchen zu packen: eine Erinnerung an alte Zeiten, verbunden mit Entwicklungen hin zu neuen.

Bei Con Brio und Helmut Jost gegospelt

Ich rufe sie an und erfahre, wie es ihr ergangen ist, nach dem Ausscheiden aus dem Beruf, nach einer schweren (inzwischen überstandenen) Erkrankung und dem Umzug nach Oldenburg. Und ihre Erzählung zeigt, wie wichtig kulturelle Angebote (im weitesten Sinne) sind, damit ein Mensch sich in einer neuen, noch fremden Umgebung orientieren kann, Fuß und Tritt fassen kann!Als sie nach Oldenburg kam, erzählt sie im Telefonat, ist sie sofort in einen Chor gegangen, den Rastede Gospel Choir. Einmal, weil sie gerne singt (auch in Siegen war sie Mitglied in Chören, z. B. bei Con Brio, dem Euterpe-Frauenchor, und dem Siegen Gospel Choir von Helmut Jost). Und außerdem, weil Singen im Chor eine gute Möglichkeit ist, Menschen kennenzulernen.

"Schreiben war lebensnotwendig"

Im Chor traf sie dann eine Dame, die ihr Mut machte, es doch mal mit dem Malen zu versuchen. Einen kreativen, gestaltenden Umgang mit dem, was sie erlebt und was sie beschäftigt, hat sie schon immer gepflegt, auch in ihrer Zeit als IHK-Pressestellenleiterin: „Das Schreiben war lebensnotwendig“, sagt sie, auch wenn sie erst nach ihrem Eintritt in den Ruhestand mit ihren Texten und Gedichten an die Öffentlichkeit getreten ist (sie war u. a. Mitglied im Bentlager Kreis). Beim Schreiben, ergänzt sie, habe sie alles sagen können, was sie nie ausgesprochen habe: „Es war meine ,andere Stimme‘.“

Schicksale hinter der Schlagzeile

Eine Stimme, mit der sie von traurigen Erfahrungen berichtet, aber auch von fröhlichen, eine Stimme, die heitere wie melancholische Beobachtungen zu formulieren versteht, sodass sie für andere zur nachlesbaren Erfahrung werden, eine Stimme, die auf das Ungesagte hinweist, wie in der packenden Kurzgeschichte „Der Mann, das Kind, die Frau und ein Hund“. In ihr nimmt sie eine „normale“ Zeitungsüberschrift, „Kind von Kampfhund fast totgebissen“, zum Anlass, einmal über die Menschen und Schicksale hinter der Schlagzeile nachzudenken. Sie beschreibt, wie das Leben dieser Menschen, die von der Hundeattacke betroffen waren, aussehen könnte. Sie füllt Leerstellen, die wiederum neue schaffen …

Mit Seidenmalerei hat es begonnen

Insofern nimmt es nicht wunder, dass Siegrid Schwengber sich auch auf die Malerei einlassen konnte und wollte. Als Ausdrucksmöglichkeit neben dem Schreiben. Inzwischen auch statt Schreiben, denn dafür, sagt sie, habe sie im Moment gar keine Zeit mehr. Erste Erfahrungen mit Farbe und Material hat sie vor Langem schon mit Seidenmalerei gemacht. Auch die Künstler, denen sie in der von ihr betreuten IHK-Galerie begegnet ist, inspirieren sie natürlich.

"Malen, was man nicht kann"

Nach der Ermutigung durch die Bekannte aber beginnt sie ernsthaft zu malen und entdeckt, dass es „großartig ist, in Farben zu wühlen“. Sie fühlt sich wohl, wenn sie „ihre Stimme“ in Farbe und Form kleiden, wenn sie damit gestalten kann.Sie möchte aber weiterkommen, sucht Anleitung und findet sie bei zwei professionellen Mal-Lehrern. Einer von ihnen, Uwe Müller, ein Schüler von Henry Moore, ermutigt sie weiter: Sie solle nicht das malen, was sie könne, sondern das, was sie nicht könne.

„Nächtliche Stadt“ heißt diese Arbeit von Siegrid Schwengber. Dass sie „nach Musik gemalt“ ist, wie der Untertitel verrät, mag man gerne glauben, so beschwingt, wie sie daherkommt!
  • „Nächtliche Stadt“ heißt diese Arbeit von Siegrid Schwengber. Dass sie „nach Musik gemalt“ ist, wie der Untertitel verrät, mag man gerne glauben, so beschwingt, wie sie daherkommt!
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Erste Einzelausstellung auf Texel

Das nimmt sich Siegrid Schwengber zu Herzen, experimentiert mit Acryl, Öl und Aquarell, mit Motiven und Stilen. Sie malt, was sie sieht, anregt, womit sie sich beschäftigt: wie damals beim Schreiben. „Ich male alles, was mich anspringt“, fasst sie ihre Themenfindung zusammen. Erste Gemeinschaftsausstellungen folgen, dann auch eine Einzelausstellung, arrangiert von einem ihr bekannten Maler, auf der niederländischen Insel Texel. Für kurze Zeit betreibt sie eine Galerie in Oldenburg, arbeitet jetzt im eigenen Atelier in ihrem Haus und hat es inzwischen auch lange schon „überstanden“, Bilder zu verkaufen. Das erste zu verkaufen sei wirklich schwer gewesen, sagt sie, aber inzwischen habe sie sich daran gewöhnt.

"Ansichtssachen" im Katalog

In ihrem Katalog „Ansichtssache“ mit dem Untertitel „Malerei in Acryl und Aquarell 2008–2016“ zeigt sie Stadtlandschaften, die den Blick auf das lenken, was nicht erwartbar ist, und auf die „privaten Momente“ in der anonymisierten Umgebung. Ihre Landschaften und Naturbilder zeugen von Idylle-Sehnsucht, durchbrechen sie aber immer wieder, indem manche Bilder den Blick des Betrachters auf die Technik lenken, mit deren Hilfe Wirkung erzielt wird. Sie sind besonders stark, wo sie auf der Grenze zur Abstraktion balancieren. Auf ihren Aquarellen sind die Szenen „durchsichtig“, das Abstrakte ist Ausdruck gebändigter Farb- und Formenergie.

Malen und "Neugier" helfen

Gerade in Coronazeiten helfen ihre „Neugier“ und das Malen, in das sie die Neugier einfließen lässt, gegen die Zeiten anzugehen, fügt sie im Gespräch an. – Also stimmt der letzte Satz des Artikels (von 2004) nach ihrem Eintritt in den Ruhestand doch, wenn auch anders als damals erwartet: „Man wird noch einiges von Siegrid Schwengber hören!“

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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